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Qadir Kaban قادر کابان
1937–1981 · Barbier-Künstler, kristallklare Stimme & Märtyrer – Bruder von Kerîm Kaban
Eine „kristallklare“ und „seelenvolle“ Stimme – ein natürliches Genie, das seine Kunst nicht dem Regime opferte und dafür mit dem Leben bezahlte.
1937geboren
1.7.1981hingerichtet
SilêmanîMelkandî
KabanSängerfamilie
📜 Ein Leben zwischen Kunst und Widerstand
- 1937 · Geburt im historischen Viertel Melkandî in Silêmanî (Sulaymaniyah); bürgerlicher Name Qadir Jalal Mahmoud. Sein Vater Jalal Mahmoud war Def-Spieler und Mewlûd-Rezitator – im Elternhaus trafen sich Gruppen zum Musizieren und zur Sufi-Poesie.
- Die Brüder Kaban · Er wuchs mit seinen Brüdern Kerîm Kaban, Behadîn und Jemal auf; die Musik lag der Familie im Blut.
- Der Barbier-Künstler · Autodidakt: Nach der Grundschule erlernte er das Barbierhandwerk. Sein Salon „Dersim“ in Silêmanî war weit mehr als ein Geschäft – ein kultureller Knotenpunkt für Künstler, Dichter und Intellektuelle.
- Selektiv & perfektionistisch · Seine Stimme galt als zullall (kristallklar) und besoz (seelenvoll). Er vertonte nur feinste Poesie: Goran, Welî Dêwane und Ehmed Herdî.
- Le Dirzî Peçewe · Sein größtes Meisterwerk. Die Melodie stammte ursprünglich von seinem Bruder Kerîm Kaban, der sie ihm schenkte, als er hörte, wie gefühlvoll Qadir sie sang.
- 1967 · Heirat mit Nesrîn Kerîm Hame Sur; drei Kinder: Karwan (heute bekannter Maler), Kawan und Kwêstan.
- 1978 · Erbil · Aufnahmen mit dem Erbil Art Band (Tîpî Huneri Hewlêr): in nur drei Tagen Klassiker wie Bo Kiçêkî Şox und Çawerwanî Bêhude. Die Musiker Werya Ahmed, Jan Thomas und Rizgar Khoshnaw waren von seiner Professionalität beeindruckt.
- 28. Februar 1981 · Verhaftung durch das Ba’ath-Regime – direkt in seinem Barbiersalon.
- Das Verschwinden · Über zehn Jahre wusste die Familie nichts über seinen Verbleib; seine Frau suchte in allen Gefängnissen des Irak. Das Regime verbot seine Lieder im Fernsehen von Kirkuk.
- 1. Juli 1981 · Hinrichtung. Erst nach dem Sturz des Regimes 2003 belegte ein offizielles Dokument, dass er schon wenige Monate nach der Verhaftung getötet worden war. Sein Grab ist bis heute unbekannt.
- 2021 · Shuan Khaffaf (Oscar Records) veröffentlicht eine bis dahin unbekannte A-cappella-Aufnahme aus den 1960ern: Shîrîn Teshî Derrêsê (nach einem Gedicht von Wefayî) – eine Sensation für seine Fans.
🕯️ Ein heiliges Symbol der Kulturgeschichte
Qadir Kaban war ein natürliches Genie, das ohne akademische Ausbildung die Spitze der kurdischen Musik erreichte – eine Verbindung von Handwerk (Barbier), Hochliteratur (Poesie) und nationalem Opfergang. Dass er seine Identität und seine Kunst nicht für das Regime opferte, macht ihn zu einem der heiligsten Symbole der kurdischen Kulturgeschichte.
Nicht zu verwechseln mit dem Komponisten Qadir Dîlan.
🎶 Seine Lieder in der Akademie 6
Mit Text, deutscher Übersetzung, Sorani-Verschriftung und Audio – Vertonungen von Goran, Kameran Mukrî, Ehmed Herdî, Welî Dêwane und Exol.
