’Umrî Şîrîn (Mein süßes Leben) – Qadir Kaban
Eines der schwermütigsten Werke von Qadir Kaban – Text von Exol (Ehmed Mihemed Mehmûd, 1912–1988). Ein „Requiem“ über ein unvollendetes Leben und den Abschied von der Welt. Kleingedruckt: lateinische Umschrift; rechts die Sorani-Schrift.
Literarische Analyse
Nakamî beschreibt den Tod, ohne Wünsche, Liebe oder Träume verwirklicht zu haben. Das „süße Leben“ ist be ba çû (vom Wind verweht) – Ausdruck totaler Vergänglichkeit.
Der Dichter bittet seine refîqan (Freunde), sich in Reihen (sef sef) um seinen Sarg zu versammeln – ein Bild der Solidarität im Schmerz und der Erinnerung an frühere Zeiten.
Der Text nennt konkret den Friedhof Seywan in Silêmanî. Der Wunsch, das Leichentuch (kifn) mit den Haaren der Geliebten (Leyla) zu nähen, ist ein Bild extremer romantischer Hingabe – selbst im Tod mit ihrer Schönheit verbunden.
Er bittet, seinen Mund im Grab mit dem Staub vom Weg der Geliebten zu füllen – damit sein letzter, aus blutendem Herzen (cergî xwênîn) kommender Atemzug nicht den Himmel verbrennt.
„’Umrî Şîrîn“ ist zutiefst traurig und zugleich würdevoll. Qadir Kaban singt es mit fast prophetischer Ernsthaftigkeit – umso ergreifender, da er selbst später ein „unerfülltes“ Leben führte und gewaltsam aus der Welt gerissen wurde.
