Strophe 1 · Augen voller Warten
Mit zwei Augen, in denen das Funkeln des Wartens bebt,
بە دوو چاوێ کە شەوقی چاوەڕوانی ئەیترووکێنێ
Be dû çawê ke şewqî çawerwanî eytirûkênê
mit zwei Augen, die das tiefe Geheimnis der Jugend verraten.
بە دوو چاوێ کە سڕڕی قووڵی لاوێتی ئەدرکێنێ
Be dû çawê ke sirrî qûlî lawêtî edirkênê
Ich mustere den Weg, die Straße – alles trägt ihre Züge,
سەرنجی ڕێ ئەدەم، ڕێگا، هەموو شێوەی ئەوی تیایە
Serincî rê edem, rêga, hemû şêwey ewî tyaye
es ist, als wäre die ganze Welt in ihrer Schönheit verschmolzen.
وەکوو دنیا لە ناو جوانیی ئەوا توابێتەوە، وایە
Wekû dinya le naw cwanîy ewa twabêtewe, waye
Strophe 2 · Der Wind flüstert
Das Wehen des Windes flüstert mir von ihrer Pracht,
شنەی با، باسی جوانیی ئەو بە گوێی مندا ئەچرپێنێ
Şiney ba, basî cwanîy ew be gwêy minda eçirpênê
jede anmutige Gestalt, die erscheint, lässt mein Herz kurz erschrecken.
هەموو دەرکەوتنی شۆخێ، دڵی من دائەخورپێنێ
Hemû derkewtinî şoxê, dilî min da’exurpênê
Doch der wahre Herzschlag gehört allein ihrem Schritt,
بەڵام خورپەی تەواوی دڵ لەگەڵ هەنگاوی ئەودایە
Belam xurpey tewawî dil legel hengawî ewdaye
sie, die ganz aus den himmlischen Melodien Gottes erschaffen wurde.
کە سەرتاپا لە ئاوازی بەهەشتی خواوە پەیدایە
Ke sertapa le awazî beheştî xwawe peydaye
Strophe 3 · Der junge Baum im Sturm
Wahrlich, wenn sie erscheint, verliere ich mich gänzlich,
بەڵێ، کاتێ کە ئەو دەرکەوت، ئیتر من بێ سەر و شوێنم
Belê, katê ke ew derkewt, îtir min bê ser û şwênim
vom Sonnenstrahl ihrer Schönheit gerät mein Blut sogleich in Wallung.
بە تیشکی خۆری جوانیی ئەو، بە جارێ قوڵپ ئەدا خوێنم
Be tîşkî xorî cwanîy ew, be carê qulp eda xwênim
So wie ein Wirbelsturm einen jungen Baum hin und her reißt,
وەکوو چۆن نەونەمامێ، گەردەلوول ئەیبات و ئەیهێنێ
Wekû çon newnemamê, gerdelûl eybat û eyhênê
so durchbebt der Schauer der Liebe mein tiefstes Inneres.
لەشم موچڕکی دڵداری، وەها ناخی ئەبزوێنێ
Leşim muçrikî dildarî, weha naxî ebziwênê
1Die Geliebte als „Bit“ (Idol)
Schon in der ersten Zeile wird die Geliebte als bit (Götzenbild) bezeichnet – in der klassischen Dichtung ein Objekt absoluter Anbetung. Der Liebende wartet auf eine Erscheinung, die sein ganzes Universum ausmacht.
2Pantheismus der Schönheit
„Wekû dinya le naw cwanîy ewa twabêtewe“ – als wäre die ganze Welt in ihrer Schönheit verschmolzen. Die Welt existiert nicht mehr eigenständig; alles wird zum Spiegel der Geliebten.
3Physische Reaktion auf die Sehnsucht
Das Licht ihrer Schönheit bringt sein Blut zum Kochen (qulp eda xwênim). Er vergleicht sich mit einem jungen Baum (newnemam), den ein Wirbelsturm hin- und herwirft – die schutzlose Ausgeliefertheit des Liebenden.
4Das Paradoxon des Wartens
Der Titel deutet an, dass das Ziel vielleicht nie erreicht wird. Doch das Warten selbst wird zum heiligen Akt: Er steht dort, „bis er seinen Füßen Wasser gegeben hat“ – eine Redewendung für äußerstes Ausharren.
★Fazit
Qadir Kabans Interpretation – besonders die 1978 in Erbil aufgenommene Version – ist legendär. Er singt die Worte von Ehmed Herdî nicht nur, er durchlebt sie: eine Hymne an alle, die jemals aus Liebe gewartet haben.