Mazhar Khaleqi مەزهەر خالقی
Geb. 1938 in Sine · Die aristokratische Stimme der kurdischen Klassik
Überblick
Mazhar Khaleqi wurde am 9. September 1938 in Sine (Sanandaj) geboren. Schon als Achtjähriger fiel seine Stimme auf; sein Musiklehrer unterrichtete ihn in Noten und den kurdischen und persischen Maqamen, weitere Ausbildung erhielt er bei Meister Hassan Kamkar, dem Vater der berühmten Kamkar-Musiker. Mit zwölf sang er im Radio von Sine – sieben Jahre lang wöchentlich live.
1958 ging er zum Studium nach Teheran und begann bei Radio Tehran eine zweite Karriere: Über 150 kurdische Volksmelodien nahm er mit großen Orchestern auf, darunter das Teheraner Symphonieorchester. Nach der Revolution von 1979 verließ er Iran und lebt seither im Exil in Großbritannien; in Silêmanî machte er sich später um die Bewahrung des musikalischen Erbes verdient. Sein Gesang gilt als Inbegriff der „aristokratischen“ kurdischen Klassik: würdevoll, textnah, ohne Effekthascherei.
📜 Vom Radio-Kind zum Kulturarchivar
- 9. September 1938 · Geburt in Sine (Sanandaj), der kulturellen Hauptstadt Rojhilats. Erste Lieder und Maqams bei lokalen Meistern; prägend wird Hassan Kamkar, der Vater der Kamkars.
- Studium in Teheran · An der Universität Teheran studiert er Physik, später Bildende Künste und Psychologie – die akademische Ernsthaftigkeit prägt seine Kunst zeitlebens.
- Radio-Ära (1950er–70er) · Schlüsselfigur des kurdischen Programms bei Radio Sanandaj und Radio Teheran. Als einer der Ersten verbindet er kurdische Folklore mit klassischen europäischen und persischen Orchesterarrangements (mit Komponisten wie Hassan Kamkar und Morteza Hannaneh).
- Direktor in Kirmaşan · Vor der Revolution leitet er den staatlichen Rundfunk und das Fernsehen in Kermanshah (Kirmaşan).
- Exil in London (ab 1979) · Nach der Islamischen Revolution verlässt er Iran und lebt über zwanzig Jahre in London – ohne neue Alben, aber als moralische und intellektuelle Instanz der Diaspora.
- 2002 · Rückkehr · Auf Einladung der kurdischen Regionalregierung geht er nach Silêmanî und beendet seine eigene Gesangskarriere zugunsten der Kulturbewahrung.
- Kurdish Heritage Institute · Er gründet das Peymangeha Kelepûra Kurdî, das tausende Stunden kurdischer Volksmusik, Dialekte und Folklore aus allen vier Teilen Kurdistans archiviert.
🎧 Die „Sine-Schule“ und das Gedächtnis der Nation
Sein Gesang ist der Inbegriff der Sine-Schule: elegant, artikuliert und emotional kontrolliert, meist im zentralkurdischen (Sorani/Erdelanî) Dialekt. In der kurdischen Gesellschaft genießt er einen ähnlichen Rang wie Mohammad-Reza Shajarian in Persien – ein Sinnbild für „High Culture“ und akademische Ernsthaftigkeit. Zu seinen Klassikern zählen Giyanî Giyanî, Nask û Nazdar, Biro be xeyr bêy und Lêyli. Privat war er mit der Schriftstellerin Galavezh Khaleqi verheiratet (verstorben); über sie war er ein Schwager von Jalal Talabani, da Galavezh die Schwester von Hero Ibrahim Ahmed war. Dass er auf dem Höhepunkt seines Ruhms mit dem Singen aufhörte, um die kurdische Kultur wissenschaftlich zu bewahren, festigte seinen Ruf als einer der größten Intellektuellen Kurdistans.
Preisungen und Klassik 3 Lieder
Die Hochpreisung der Schönheit – von der Spindel bis zum Schwur beim Mond.
Heimat und Exil 4 Lieder
Die Qibla des Herzens, das Versprechen der Rückkehr und die reine Liebe zum Land.
Romantik und Folklore 2 Lieder
Der Schmetterling der Freiheit und die heimliche Romantik der Nomadenzelte.
