Überblick
Ekhôl, mit bürgerlichem Namen Ehmed Derwêş Ebdulła, war ein einflussreicher kurdischer Dichter und Intellektueller. Er ist besonders für seine leidenschaftliche patriotische Lyrik und seine Meisterschaft in der Form des Vierzeilers (Rubāʿī) bekannt.
Herkunft und Kindheit
Ehmed Derwêş wurde 1911 im Viertel Dergezên (Gebiet Sergul) der Stadt Slemani geboren. Sein Vater fiel als Soldat im Ersten Weltkrieg (Seferberlik), weshalb er unter der Obhut seiner Onkel aufwuchs. Sein Künstlername hat einen familiären Ursprung: In der Kindheit nannten ihn seine Eltern kosend „Ahôl“ (eine Kurzform von Ahmed); da ein Cousin den Namen nicht korrekt aussprechen konnte und stattdessen „Ekhôl“ sagte, blieb dieser Name zeitlebens an ihm haften und wurde sein literarisches Pseudonym.
Bildungsweg unter schwierigen Bedingungen
Seine Schulzeit fiel in die unruhige Ära nach dem Ersten Weltkrieg und die Zeit der britischen Mandatsmacht. Er lernte zunächst den Koran in einer traditionellen Koranschule (Hujra) und besuchte später die Schulen „Nimûney Seadet“ und „Qadrî“ in Slemani, die er wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen und Bombardierungen nur bis zur fünften Klasse abschließen konnte.
Berufsleben und literarisches Umfeld
Ab 1929 arbeitete Ekhôl vier Jahre in der städtischen Druckerei von Slemani, wo die bedeutenden Zeitungen Jîn und Jiyan gedruckt wurden – dort kam er in engen Kontakt mit der intellektuellen Elite seiner Zeit. Später war er als Justizbeamter tätig, bis er 1970 in den Ruhestand trat. Er pflegte tiefe Freundschaften mit Medhôsh, Fayeq Bêkes, Ibrahim Ahmed und Şêx Nûrî Şêx Salih und schrieb regelmäßig für Zeitschriften wie Gelawêj und Rojî Nwê.
Das literarische Werk
Ekhôl begann mit etwa 20 Jahren zu dichten. Seine Poesie hat zwei Hauptströmungen: eine von tiefem Gefühl und Aufrichtigkeit geprägte Liebeslyrik sowie Nationalismus und Widerstand. Er erzog seine jüngeren Brüder – den Revolutionär Nuri Ahmed Taha und den Dichter Kamaran Mukri – im Geiste des kurdischen Nationalismus. Seine Vierzeiler gelten als literarisch besonders wertvoll: Der Literaturwissenschaftler Izedîn Mistefa Resûl hob hervor, dass Ekhôl komplexe Gedanken über Standhaftigkeit, Freiheit und nationale Identität in einem einzigen Vierzeiler verdichten konnte. Ein zentrales Motiv ist die kurdische Flagge: In einem berühmten Gedicht verfügte er, dass man auf seinem Grab auf dem Hügel Girdî Seywan die kurdische Flagge hissen solle.
Tod und Vermächtnis
Ekhôl verstarb am 29. Juni 1988 in seiner Heimatstadt Slemani und wurde seinem Wunsch entsprechend auf dem Friedhof Girdî Seywan beigesetzt. Sein erster großer Gedichtband Peyman û Şîwen (Versprechen und Klage) erschien 1970 und bleibt ein wichtiger Bestandteil der kurdischen Literaturgeschichte.
Über den Wunsch nach Freiheit
Die kurdische Flagge möge an jedem Ort Kurdistans wehen.
Über Ehre und Standhaftigkeit
Ein Manifest der Unbeugsamkeit gegenüber Feinden und Verrätern.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Ekhôl (1911 – 1988) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Lutfî (Şêx Letîf), Şarî (Alî Arif Axa), Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Namî), Şêx Muhemmedî Hilmî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.