📜 Dichter · 1905–1948

Fayeq Bêkes

فایق بێکەس

← Alle Literaten

Überblick

Fayeq Bêkes ist eine der heroischsten und tragischsten Figuren kurdischer Literatur des 20. Jahrhunderts – der „Dichter des nationalen Erwachens“. Sein Künstlername Bêkes bedeutet „heimatlos, ohne Angehörige“.

Ein Schicksal der „Einsamkeit“

Fayeq wurde 1905 in Sîtek bei Silêmanî geboren; sein Vater war osmanischer Offizier. Schon als Kind verlor er Vater, älteren Bruder (im Tigris ertrunken), Mutter und Onkel und blieb mit seinem kleinen Bruder Tahir allein zurück. Er wuchs bei einer mitleidigen Frau in Bagdad auf, kehrte nach Silêmanî zurück und glänzte in der Schule; um zu überleben, verkaufte er Zigaretten und Streichhölzer auf der Straße und arbeitete im Straßenbau.

Der Lehrer und Revolutionär

Bêkes wurde Lehrer und nutzte das Klassenzimmer, um Nationalstolz und Widerstandsgeist zu säen. Am 6. September 1930 führte er in Silêmanî einen Protest gegen manipulierte Wahlen unter britischem Mandat an, wurde verwundet und inhaftiert; die Regierung versetzte ihn mehrfach in entlegene Städte (Hilla, Amara), um ihn zu isolieren – oft gab er lieber seine Stelle auf, als zu gehorchen.

Stil und Vermächtnis

Neben Hacî Qadirî Koyî gehört Bêkes zu den Vätern des kurdischen Nationalismus in der Poesie: Sein Werk ist ein Schrei nach Freiheit in direkter, kraftvoller Sprache, die „Geliebte“ ist das Land Kurdistan. Er starb am 18. Dezember 1948 mit nur 43 Jahren; sein Begräbnis war ein nationales Ereignis. Sein Sohn Sherko Bekas wurde einer der weltweit bekanntesten modernen kurdischen Dichter.

„Ey Weten Meftûnî Tom“ (O Heimat, ich bin dein Gefangener)

Im Gefängnis nach dem Aufstand von 1930 verfasst – eine der stärksten patriotischen Hymnen der Kurden. Sie fährt fort mit dem Aufruf: „Sprich nicht von deiner Trauer, erhebe dein Haupt – das Unglück ist gewichen, dein Feind wird vergehen.“

Soranî · Deutsch
ئەی وەتەن مەفتوونی تۆم شێوەتم بیرکەوتەوە — وەختی بەندەییو ئەسارەت، پێ بە تەوق و کۆتەوە
O Heimat, ich bin dein Gefangener, dein Antlitz kam mir in den Sinn – in dieser Zeit der Knechtschaft und Gefangenschaft, die Füße in Ketten und Banden.
من لە زیکر و فیکری تۆ غافڵ نەبووم، وا تێنەگەی — حەپس و تێهەلدان و زیللەت تۆی لە بیر بردۆتەوە
Denke nicht, ich hätte dich in meinen Gebeten und Gedanken vergessen, nur weil Kerker, Schläge und Erniedrigung mich umgeben.
بەو خوایەی بێشەریک و واحیدە عەشقی تۆ — نەوعێ لە دڵما ئاگری کردۆتەوە
Bei jenem Gott, der einzig ist und ohnegleichen – deine Liebe hat in meinem Herzen ein Feuer entfacht.
ئاگرێکی وا هەزار ساڵ ئاوی بڕژێنیتە سەر — قەت گڕو کڵپەو بڵێسەی تا ئەبەد نەکوژێتەوە
Ein Feuer so gewaltig, dass man tausend Jahre Wasser darauf gießen könnte – und doch würde sein Lodern und seine Flamme niemals erlöschen.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Fayeq Bêkes (1905 – 1948) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Pîremêrd (Hacî Tofîq Beg), Zîwer (Abdullah Mela Rasul), Bêxud (Mela Mehmûdî Muftî), ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.