Überblick
Sherko Bekas (Şêrko Bêkes) war einer der bedeutendsten kurdischen Dichter der Gegenwart. Er gilt als Architekt der modernen kurdischen Lyrik und erlangte durch seine innovative Kraft und seinen unermüdlichen Einsatz für die kurdische Identität weltweiten Ruhm; der iranische Dichter Seyed Ali Salehi nannte ihn ehrfürchtig den „Kaiser der Weltpoesie“.
Herkunft und frühes Leben
Sherko Bekas wurde am 2. Mai 1940 im Viertel Goyzhe in Slemani geboren, als Sohn des legendären patriotischen Dichters Fayeq Bêkes, dessen Erbe ihn tief prägte. Sein erstes Gedicht veröffentlichte er mit 17 Jahren; sein erster Gedichtband Trîfey Hełbest (Der Glanz des Gedichts) erschien 1968 in Bagdad.
Die Riwanga-Bewegung
1970 gründete Sherko Bekas zusammen mit Gleichgesinnten (darunter Hussein Arif und Jalal Mirza Karim) die literarische Bewegung Riwanga (Die Vision). Ihr Ziel: die starren Fesseln der klassischen kurdischen Poesie zu sprengen und eine moderne, freie, bildgewaltige Sprache zu etablieren – der Beginn einer neuen Ära der kurdischen Literatur.
Exil und internationale Anerkennung
Wegen seines politischen Engagements und seiner Teilnahme am kurdischen Widerstand musste er in den 1980er Jahren ins Exil gehen. In Schweden erhielt er 1987 den renommierten Kurt-Tucholsky-Preis. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt (u. a. Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch); die italienische Forscherin Laura Schrader verglich seine literarische Wucht mit Pablo Neruda und Federico García Lorca.
Politische und kulturelle Verantwortung
Nach dem Aufstand von 1991 (Raperîn) kehrte er heim und wurde 1992 erster Kulturminister der Region Kurdistan; zudem war er Mitglied der ersten gewählten Nationalversammlung. 1998 gründete er das Verlagshaus Sardam, bis heute eine der wichtigsten kulturellen Institutionen des Landes.
Stil und Themen
Sherko Bekas' Poesie ist ein Universum aus Metaphern: der Schmerz von Halabja, die Schönheit der kurdischen Berge, die Unterdrückung der Frauen und die universelle Sehnsucht nach Freiheit. Sein Werk umfasst über 8.000 Seiten; er entwickelte das Genre des „Poem-Romans“, in dem epische Erzählungen in lyrische Formen gegossen sind.
Tod und Vermächtnis
Sherko Bekas verstarb am 4. August 2013 in einem Krankenhaus in Stockholm. Gemäß seinem letzten Willen wurde er nach Slemani überführt und im Azadî-Park beigesetzt, inmitten der Stadt, die er zeitlebens liebte. Sein Grab ist heute ein Ort des Gedenkens für Liebhaber der Weltliteratur. Wichtige Werke: Trîfey Hełbest (1968), Derbendî Pepûle (Das Tal der Schmetterlinge, 1991), Xaç û Mar û Rojjimêrî Şaʿirê (1998), Gorristanî Çirakan (2004), Kursî (2005), Êsta Kiçêk Nîştimanme (2011).
Bei uns und bei ihnen
Über soziale Unterschiede und die Lage der Frauen.
Ein Bild
Eine Parabel über die Machtverhältnisse im Mittleren Osten.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Sherko Bekas (1940 – 2013) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Jamal Nebez, Izedîn Mistefa Resûl, Kawus Qeftan, Ahmed Hardi (Ahmed Hasan Beg). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.