📜 Dichter · 1867–1950

Pîremêrd (Hacî Tofîq Beg)

پیرەمێرد

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Überblick

Pîremêrd – mit vollem Namen Tofîq, Sohn von Mehmûd Aẍa, Enkel von Hemzaẍa Mesref – war einer der größten kurdischen Dichter, Schriftsteller und Journalisten. Er verband klassische Gelehrsamkeit mit modernem Aufklärungsgeist und wurde zur Vaterfigur der kurdischen Presse und des Newroz-Gedankens.

Herkunft und Jugend

Pîremêrd wurde 1867 im Viertel Goîje in Silêmanî in eine angesehene Stammes- und Gelehrtenfamilie geboren. Ab dem siebten Lebensjahr durchlief er die Medresen-Ausbildung (Hujra) – zunächst bei Mela Husên Goçe, später bei Mela Seʿîdî Zilzileyî, wo sich früh sein poetisches Talent zeigte. Er las leidenschaftlich Literatur sowie Dichterbiografien und war zugleich als kühner Reiter und Schütze bekannt. Wie Hacî Qadirî Koyî, Nalî, Mahwî, Mewlewî und Zêwer wanderte er von Moschee zu Moschee und von Stadt zu Stadt – bis nach Bane in Ostkurdistan. Da er das Mela-Studium nicht ganz abschloss, nannte man ihn respektvoll „Mîrza“.

Erste Anstellungen

Mit 15 Jahren (September 1882) wurde er Standesbeamter in Silêmanî, dann Gerichtsschreiber und 1883 Beamter für die Krongüter in Halabja. In dieser Zeit sammelte er leidenschaftlich Gedichte – von Nalî, Mewlewî und Bêsaranî – in seinem „Keşkol“. Später wurde er Chefschreiber am Gericht von Çwarta; 1895 versetzte man ihn nach Kerbela, doch er verzichtete auf den Staatsdienst. Şêx Mustafayê Neqîb machte ihn daraufhin zu seinem persönlichen Sekretär.

In Istanbul und im osmanischen Dienst

1898 reiste er mit Şêx Seʿîdî Hefîd und Şêx Mustafayê Neqîb auf Einladung von Sultan Abdülhamid II. nach Istanbul. 1899 pilgerte er nach Mekka und wurde fortan „Hacî Tofîq“ genannt; auf dem Rückweg starb sein Dichterfreund Wafayî – Pîremêrd war bis zuletzt an seiner Seite. Wegen seiner Brillanz im Persischen beauftragte ihn der Hofschreiber ʿIzzet Paşa, das Antwortschreiben des Sultans an den persischen Schah Naser al-Din zu verfassen; es geriet so vollendet, dass ihm 1899 der Titel „Beg“ und ein Sitz im Hohen Rat verliehen wurden. Er studierte Jura und erwarb ein Diplom der Rechtswissenschaft. 1907 wurde er Mitglied der geheimen kurdischen Gesellschaft unter Şêx Ebdulqadirê Şemzînî. Als osmanischer Verwaltungsbeamter (Qaimmaqam) diente er u. a. in Çölemêrg, Qeremursel und Bit-ül-Şebab, ab 1918 als Mutesarrif (Gouverneur) von Amasya bis 1923.

Rückkehr nach Südkurdistan

Nach dem Scheitern der Verhältnisse infolge des Şêx-Seʿîd-Aufstands (1925) ließ er Frau und Kinder in Istanbul zurück und kehrte über Syrien und Bagdad nach Silêmanî heim; die Zeitung Jiyan begrüßte seine Rückkehr nach 23 Jahren Ferne. Enttäuscht vom ausgebliebenen Fortschritt, strebte er nicht nach Rang und Amt, sondern wählte den Journalismus – Bildung galt ihm als Grundbedingung allen Fortschritts: „Ein Volk, das nicht liest, macht keinen Schritt voran.“ Mutig wurde er zum Wegbereiter der Mädchenschule in Silêmanî und schrieb, allen Anfeindungen zum Trotz, immer schönere Gedichte für die Mädchen und ihre Schule.

Journalismus

Schon in Istanbul war Pîremêrd Herausgeber und Redakteur mehrerer Blätter (u. a. Kurd Teawun ve Teraqqi, 1908, und die Zeitschrift Jîn). Ab 1926 übernahm er die Aufsicht über die Zeitung Jiyan, wurde 1932 ihr Direktor und erwarb 1934 die Rechte daran. 1939 gründete er die Zeitung Jîn samt eigener Druckerei und führte sie bis zu seinem Tod (bis zur Ausgabe Nr. 1015). Damit gilt er als einer der Väter der kurdischen Presse.

Newroz und Theater

Newroz war für Pîremêrd weit mehr als ein Fest: Er deutete es als Sinnbild von Tod und Wiedergeburt, von Revolution und Befreiung des Volkes, und beging es jedes Jahr feierlich. Zugleich förderte er das junge kurdische Theater und brachte Stücke wie Mem û Zîn und Mehmûd Aẍayê Şêwekelî auf die Bühne, deren Erlöse er oft an arme Schüler verteilte.

Werk und Sprache

Pîremêrd war einer der wenigen kurdischen Dichter, die keine starre Grenze zwischen dem arabisch-persischen Aruz-Metrum und dem einheimischen silbenzählenden Volksmetrum zogen – er verwob beide meisterhaft. Sein Dîwan umfasst gesellschaftliche, philosophische und politische Lyrik. Zu seinen Büchern zählen die Ausgabe des Dîwan von Mewlewî (1935), Donze Suwarey Meriwan (1935), Pendî Pêşînan (1936) und Galtew Gep (1947). Seine Literatursprache ist ein reines, volksnahes Kurdisch, praktisch frei von osmanisch-türkischen Einflüssen – bemerkenswert nach 25 Jahren in der Türkei. Insgesamt sammelte er rund 4800 Sprichwörter.

Tod und Testament

Pîremêrd blieb bis zum letzten Atemzug seiner Zeitung und dem Schreiben treu. Er starb am 19. Juni 1950 mit 83 Jahren in Silêmanî und wurde auf seinen Wunsch auf dem Hügel Mameyare beigesetzt, dem früheren Ort der Newroz-Feiern. In seinem Testament schrieb er, er sterbe ohne Furcht, habe nie von fremdem Gut gelebt und bitte nur darum, die Druckerei und die Zeitung fortzuführen, dem Volk selbstlos zu dienen und die Bildung zu fördern: „Für mich zählt allein das Lesen und Lernen; ein Volk ohne Wissenschaft leidet an einer tödlichen Wunde.“

Newroz (1948)

Sein berühmtestes Gedicht – Newroz als Sinnbild von Opfer, Wiedergeburt und Freiheit.

Soranî · Deutsch
ئەم ڕۆژی ساڵی تازەیە نەورۆز ھاتەوە — جەژنێکی کۆنی کوردە بە خۆشی و بە ھاتەوە
Dies ist der Tag des neuen Jahres – Newroz ist wiedergekehrt, ein altes Fest der Kurden, mit Freude gekommen.
چەند ساڵ گوڵی ھیوای ئێمە پێپەست بوو تاکو پار — ھەر خوێنی لاوەکان بوو گوڵی ئاڵی نەوبەھار
Jahrelang, bis letztes Jahr, war die Blume unserer Hoffnung verschlossen – nur das Blut der jungen Männer war die rote Blüte des Frühlings.
ئەو ڕەنگە سوورە بوو کە لە ئاسۆی بڵندی کورد — مژدەی بەیانی بۆ گەلی دوور و نزیک ئەبرد
Es war jenes Rot, das am hohen Horizont der Kurden die frohe Botschaft des Morgens zu Nah und Fern trug.
نەورۆز بوو ئاگرێکی وەھای خستە جەرگەوە — لاوان بە عەشق ئەچوون بە بەرەو پیری مەرگەوە
Newroz entfachte ein solches Feuer in der Brust, dass die Jungen aus Liebe dem Tod entgegengingen.
وا ڕۆژھەڵات، لە بەندەنی بەرزی وڵاتەوە — خوێنی شەھیدە ڕەنگی شەفەق شەوق ئەداتەوە
Sieh, im Osten, von den hohen Pässen des Landes, lässt das Blut der Märtyrer die Röte der Morgendämmerung erglänzen.
تا ئێستە ڕووی نەداوە لە تاریخی میللەتا — قەڵغانی گوللە سنگی کچان بێ لە ھەڵمەتا
Nie zuvor geschah es in der Geschichte unseres Volkes, dass die Brust der Mädchen im Ansturm zum Schild gegen die Kugeln wurde.
پێی ناوێ بۆ شەھیدی وەتەن شیوەن و گرین — نامرن ئەوانە وا لە دڵی میللەتا ئەژین
Kein Klagen und Weinen ziemt sich für die Märtyrer der Heimat – sie sterben nicht, sie leben fort im Herzen des Volkes.

Elegie auf die Märtyrer (1925)

Geschrieben nach der Hinrichtung von Şêx Seʿîdî Pîran und Şêx Ebdulqadir in Diyarbakır.

Soranî · Deutsch
ھاتن شەھیدەکان بە جلی سووری خوێنەوە — دایکی وەتەن دە ھەڵسە سڵاویان بسێنەوە
Die Märtyrer sind gekommen, im roten Gewand ihres Blutes – Mutter Heimat, steh auf und nimm ihren Gruß entgegen.
شێخ قادرە لە پێشەوە سەرقافڵەی ئەوان — چەن جوانە خوێن و ڕیشی سپی پیر و نەوجەوان
Şêx Qadir schreitet ihnen voran, an der Spitze der Karawane – wie schön sind das Blut und der weiße Bart, Greis und Jüngling.
سەیری ئەمانە کە ھەموو کوردی سەف شکەن — ڕووحیان فیدا ئەکرد و ئەیان وت بژی وەتەن
Sieh diese an, allesamt Kurden, die die Reihen des Feindes durchbrachen – sie opferten ihre Seele und riefen: Es lebe die Heimat!
قوربانی تۆن بەڕێز کە تۆ غەم لەبەر نەبی — بۆ ئێمە مردنە ئەگەر ئازادە سەر نەبی
Wir sind dein Opfer, Erhabene – gräme dich nicht um uns; für uns ist es der Tod, wenn das Haupt nicht frei ist.
مەگری و مەناڵە با بە خەفەت دڵ شکست نەبن — نەختێ لە لات ئەمێننەوە و بۆ بەھەشت ئەچن
Weine nicht und klage nicht, dass die Herzen vor Kummer brechen – ein Weilchen bleiben sie noch bei dir und gehen dann ins Paradies.
تۆخوا لە باتی ئێمە بە چاوێکی ڕوونەوە — فەرموو کە خوا ئەزانێ لە بیرمان نەچوونەوە
Um Gottes willen, blicke statt unser mit klarem Auge nach vorn – sprich, denn Gott weiß, dass wir nicht vergessen sind.
ئاخۆ لە فرسەتێکی ترا بەختیار ئەبین — ئێمەش وەکو ئەوان لە دڵی میللەتا ئەبین
Vielleicht werden wir bei einer anderen Gelegenheit glücklich – auch wir werden wie sie im Herzen des Volkes fortleben.
من وام ئەوێ کە حەشر ئەکرێم خوێن بە بەرگەوە — بەو عەشقی میللییەوە و بە کزەی سۆزی جەرگەوە
Ich will so auferweckt werden, mit dem Blut auf meinem Gewand – mit dieser nationalen Liebe und der glimmenden Glut des Herzens.
ئەو ئاگرەی لە دڵمەوە بەربێتەوە کفنەکەم — تا دوژمنم نەکا بەزوغاڵ شەرتە پف نەکەم
Jenes Feuer aus meinem Herzen entzünde mein Leichentuch – auf dass mein Feind mich nicht zu Kohle mache, schwöre ich, es nicht auszublasen.

Aus den Sprichwörtern (Pende)

Eine kleine Auswahl aus seiner Sammlung von rund 4800 kurdischen Sprichwörtern.

Soranî · Deutsch
وتیان بە ڕێوی شاھیدت کێیە؟ — وتی کلکی خۆم، باوەڕم پێیە
Man fragte den Fuchs: „Wer ist dein Zeuge?“ Er sprach: „Mein eigener Schwanz – ihm vertraue ich.“ (über Selbstlob)
ئاو بتبا مەچۆ سەر پردی نامەرد — چ با بخنکێی بە سەد ئێش و دەرد
Und trüge dich selbst die Flut fort – geh nicht über die Brücke des Ehrlosen; lieber ertrinke mit hundert Schmerzen.
قەل ئەڵێن لاسای کەوی کردەوە — ڕۆینەکەی خۆیشی لەبیر بردەوە
Man sagt, die Krähe wollte das Rebhuhn nachahmen – und vergaß dabei sogar ihren eigenen Gang.
ناشکوری مەکە بەم بەشە کاکە — لە قوڕ ئەوەندە تۆز ھەستێ چاکە
Sei nicht undankbar für deinen Anteil, Bruder – aus Schlamm ist selbst ein wenig aufsteigender Staub schon gut.

„Newroz“ (1948) – das Gedicht des Widerstands

Pîremêrds bedeutendstes lyrisches Werk verwandelte das antike Neujahrsfest in ein Symbol des nationalen Widerstands, der Aufopferung und der politischen Wiedergeburt.

Historischer Kontext: Das Jahr 1948 war für die Kurden eine Zeit tiefer Trauer und Neubesinnung: Die Republik von Mahabad war 1947 niedergeschlagen, Qazî Mihemed hingerichtet worden. Pîremêrd, der als weiser Aufklärer in Slemani lebte, nutzte seine Poesie, um das demoralisierte Volk zu heilen – und übertrug den Newroz-Mythos (den Sieg des Schmieds Kawa über den Tyrannen Dehak) auf die Gegenwart.

Die Farbe Rot – Blut und Blüten: Pîremêrd verknüpft die natürliche Röte der Frühlingsblumen (ئاڵ) mit dem Blut der gefallenen Jugendlichen. Damit bricht er mit der traditionellen Naturlyrik: Der Frühling ist nicht einfach „da“, er wurde durch das Blut der Märtyrer „erkauft“ – die rote Blüte des Frühlings als Metapher für den hohen Preis der Freiheit.

Das Feuer des Herzens: „Newroz entfachte ein solches Feuer in der Brust …“ – das traditionelle Newroz-Feuer wird verinnerlicht. Es brennt nicht mehr nur auf den Bergen, sondern im Innersten (cerg) der Jugend: die leidenschaftliche Liebe zur Heimat, so groß, dass die Angst vor dem Tod verschwindet.

Die Rolle der Frau: „… dass die Brust der Mädchen im Ansturm zum Schild gegen die Kugeln wurde.“ Eine der revolutionärsten Zeilen der Zeit: Pîremêrd, Vorkämpfer für Frauenrechte, betont, dass der Freiheitskampf keine reine Männersache ist – die Mädchen werden zu heroischen Kriegerinnen, das Geschlechterbild im Sinne der nationalen Einheit modernisiert.

Die Unsterblichkeit: Der Schluss definiert das kurdische Konzept des Märtyrertums: „Namrin ewane wa le diɫî mîlleta ejîn“ – „Sie sterben nicht, sie leben fort im Herzen des Volkes.“ Der physische Tod wird in metaphysische Unsterblichkeit transformiert; das Volk wird zum Gefäß, in dem die Opfer ewig weiterbestehen. Ein Aufruf zum Trotz: Der Feind kann töten, aber den Geist des Widerstands nicht auslöschen.

Form und Sprache: Rhythmischer, fast marschartiger Zehnsilber (pence); die Sprache bewusst schlicht gehalten, damit jeder Handwerker, Bauer und Schüler sie verstehen und singen kann. Pîremêrd war Journalist – er wusste, dass Lyrik die „Zeitung des Volkes“ war.

Wirkung und Erbe: Später von Hesen Zîrek vertont, ist das Lied heute die inoffizielle Hymne des Newroz-Festes: Wenn Kurden weltweit am 21. März um das Feuer tanzen, singen sie fast immer Pîremêrds Worte. Er verwandelte ein altes mythologisches Fest in einen modernen Akt nationaler Identitätsstiftung.

Auf einen Blick: Natur wird politisiert – der Frühling ist Ergebnis des Widerstands. Das Opfer ist kein Grund zur Klage, sondern die Morgendämmerung der Freiheit. Frauen sind gleichberechtigte Heldinnen an der Front. Newroz verbindet die alte Geschichte mit der neuen Hoffnung. Und statt zu weinen, soll das Volk stolz auf seine Unsterblichen sein.

Frühlingslied – Hymne auf Slemanî

Die inoffizielle Hymne der Stadt Silêmanî; vertont und berühmt gemacht von Mazhar Khaleqi.

Soranî · Deutsch
کە دەڵێن ئەمڕۆ دەشت و کێو شینە
Wenn man sagt, heute seien Flur und Berge grün,
چەندە مەڵبەندی ئێمە شیرینە
wie lieblich ist doch unsere Heimatstadt.
بچۆ سەر گردی یارە ببینە
Steige hinauf auf den Hügel „Girdî Yare“ und sieh:
لە جیهاندا گوڵێکی ڕەنگینە
In dieser Welt ist sie eine farbenprächtige Blüte.
چونکە وایە خوایە ئاوا بێ
Da es so ist – o Gott – lass es stets so bleiben.
ئەو دەمەی ڕۆژ دەگاتە ئێوارە
In jener Stunde, wenn der Tag zum Abend wird,
ڕوو بکەرە شاخی گۆیژە بنوارە
wende dein Angesicht zum Goyzhe-Berg und schaue:
عەرشی پەروەردگاری لێ دیارە
Gottes Thron scheint dort offenbar zu werden,
دامەنی وەک بەهەشتی ئابدارە
seine Hänge gleichen einem wasserreichen Paradies.
خۆشە بۆ هەڵبژاردە ئاوا بێ
Es ist ein Segen für die Erwählten, dass es so ist.
زەمزەمەی بولبولی بەهارانی
Das Flöten der Nachtigallen im Frühling,
وردە بارانی ژێر دەوارانی
der feine Sprühregen unter den Nomadenzelten,
نەشئەیی بەزمی سەرچنارانی
der Rausch der Geselligkeit in „Sarchinar“ –
وشکەسۆفی ئەخاتە گۆرانی
all dies bringt selbst den strengsten Asketen zum Singen.
جێی سلێمانە بەڵێ ئاوا بێ
Dies ist der Ort von Sulaiman – ja, so soll er sein.

Literarische Analyse

Lokalpatriotismus: Pîremêrd, der geistige Vater des modernen Silêmanî, feiert die Stadt als ästhetisches Gesamtkunstwerk. Lokale Orte wie Girdî Yare („Hügel der Geliebten“) und Serçinar stiften eine emotionale Bindung zwischen Volk und Boden – die Stadt wird zur „farbenprächtigen Blüte“ in der Welt.

Sakralisierung der Heimat: Am Goyzhe-Berg wird der „Thron Gottes“ (ʿerşî Perwerdigar) sichtbar – eine kühne Metaphorik, die die kurdische Landschaft aus der profanen Welt heraushebt: Die Schönheit Kurdistans als Beweis göttlicher Huld.

Lebensfreude gegen Dogmatismus: Der wişkesofî – der trockene, freudlose Asket – ist eine von Pîremêrd oft kritisierte Figur. Dass Frühling und Geselligkeit in Serçinar selbst ihn zum Singen bringen, symbolisiert den Sieg der natürlichen Lebensfreude über lebensfeindliche Enge.

Historische Verankerung: Der Schluss verweist auf Silêman Pascha Baban, den Namensgeber der Stadt; der Refrain awa bê („möge es so bleiben“) ist ein ritueller Wunsch für den Bestand der kurdischen Identität.

Sprache: Şîn meint im Kurdischen Blau wie auch das tiefe Grün der sprießenden Natur – Hoffnung und Erwachen nach dem Winter. Typisch Pîremêrd: klare, volksnahe Sprache mit philosophischem Grund; Mazhar Khaleqis sanfte, würdevolle Stimmführung macht den „Rausch“ (neşʾe) hörbar.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Pîremêrd (1867 – 1950) in die Zeit des nationalen Erwachens (ca. 1850–1898), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Zîwer (Abdullah Mela Rasul), Şêx Mehmûdê Berzincî (Nemir), Bêxud (Mela Mehmûdî Muftî), Narî (Mela Kake Hemey Bêlû). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.