✒️ Schriftsteller · 1878–1956

Şêx Mehmûdê Berzincî (Nemir)

شێخ مەحموود

← Alle Literaten

Überblick

Şêx Mehmûdê Berzincî – „Şêx Mehmûdê Nemir“ (der unsterbliche) – war eine zentrale Figur des kurdischen Nationalismus im frühen 20. Jahrhundert: Anführer mehrerer Aufstände gegen das britische Mandat, der sich selbst zum König von Kurdistan ausrief.

Herkunft und Kontext

Şêx Mehmûd stammte aus der einflussreichen Berzincî-Familie, einer Dynastie von Sufi-Meistern des Qadiri-Ordens in Silêmanî; solche religiösen Führer genossen enorme geistliche und politische Autorität, gestützt auf die Loyalität zahlreicher Stämme der Scharezûr-Region. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches besetzten britische Truppen den Süden Kurdistans (Provinz Mossul); 1918 ernannte Sir Percy Cox ihn zum Gouverneur (Hukimdar) von Silêmanî – doch während die Briten ihn als Marionette sahen, strebte er nach einem unabhängigen kurdischen Staat (vage versprochen im Vertrag von Sèvres, 1920).

Die Aufstände und das „Königreich Kurdistan“

Im Mai 1919 vertrieb er die britischen Offiziere aus Silêmanî, hisste die kurdische Flagge und erklärte die Unabhängigkeit; in der Schlacht von Derbendî Bazyan wurde er verwundet, gefangen genommen, zum Tode verurteilt und stattdessen nach Indien (Lahore) verbannt. 1922 holten ihn die Briten – bedroht durch Atatürks Nationalisten – aus dem Exil zurück; statt ihnen zu dienen, rief er erneut die Unabhängigkeit aus und krönte sich im November 1922 zum König von Kurdistan (Paşay Kurdistan), bildete ein Kabinett und gab eigene Briefmarken sowie die Zeitung Bangî Kurdistan heraus. Als er auch mit den Türken verhandelte, bombardierte die RAF Silêmanî schwer; 1924 brach das Königreich zusammen.

Spätere Kämpfe und das Ende

Şêx Mehmûd führte aus den Bergen weiter Guerillakämpfe und unterstützte 1930 militärisch den Aufstand von Berderkî Sera in Silêmanî (Protest gegen den Beitritt des Irak zum Völkerbund ohne kurdische Autonomiegarantien). 1932 musste er sich der überlegenen britischen Luftwaffe ergeben; er wurde in den Süden des Irak (Nasiriya, später Bagdad) verbannt und durfte erst 1941 unter Aufsicht in sein Dorf zurückkehren.

Tod und Vermächtnis („Nemir“)

Şêx Mehmûd starb am 9. Oktober 1956 in Bagdad; sein Leichnam wurde unter massiver Anteilnahme nach Silêmanî überführt und in der Großen Moschee beigesetzt. Er war der erste kurdische Führer, der es wagte, einer Weltmacht die Stirn zu bieten, dachte trotz seiner religiösen Rolle in nationalen Kategorien (Grenzen, Armee, Verwaltung) und gilt in Südkurdistan als „Urvater“ der modernen Befreiungsbewegung. Sein Kampf scheiterte an der technologischen Überlegenheit der RAF, der inneren Uneinigkeit der Stämme und der Entscheidung der Alliierten, das erdölreiche Mossul dem Irak zuzuschlagen.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Şêx Mehmûdê Berzincî (1878 – 1956) in die Zeit des nationalen Erwachens (ca. 1850–1898), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Bêxud (Mela Mehmûdî Muftî), ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“), Mela Ebas Hilmî Kakayî, Shaho (Mela Hesen). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.