📜 Dichter · 1882–1971

Shaho (Mela Hesen)

شاهۆ

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Überblick

Shaho (bürgerlich Mela Hesen) war ein herausragender kurdischer Dichter, Gelehrter und Patriot aus Hewraman – die „Stimme Hewramans“, die klassische religiöse Gelehrsamkeit mit dem modernen kurdischen Nationalbewusstsein verband.

Herkunft und Ausbildung

Mela Hesen wurde 1882 im religiösen Zentrum Byara geboren, in eine Gelehrtenfamilie (Sohn von Mela Hesen, Enkel von Mela Ebdulqadir). Er erhielt eine fundierte Ausbildung in Persisch, Arabisch und den islamischen Wissenschaften. Vor dem Ersten Weltkrieg reiste er nach Bagdad und weiter nach Istanbul, wo er in den Dienst von Şêx Ebdulqadirê Şemzînî trat – eine prägende Zeit für sein politisches Erwachen, in der er mit kurdischen Unabhängigkeitsbewegungen (Komalî Serberzî Kurdistan, Hizbî Teʿalî Kurdistan) in Kontakt kam.

Berufsleben zwischen Recht und Verwaltung

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung des Irak bekleidete er verschiedene Ämter: 1926 wurde er Qazi (Richter) von Halabja; 1933 wurde er im Zuge einer Verwaltungsreform entlassen und blieb vier Jahre ohne feste Anstellung; 1937–1953 arbeitete er als leitender Sekretär an Scharia-Gerichten in Bagdad, Kerkuk, Hewlêr (Erbil) und Çemçemal; 1953 wurde er zwangspensioniert und kehrte nach Halabja zurück, wo er sich ganz Poesie und Spiritualität widmete.

Literarisches Schaffen

Shaho war ein wahrer Polyglott und dichtete in Kurdisch, Persisch, Arabisch und Türkisch. Zunächst schrieb er unter dem Künstlernamen Şayiq; erst im Zweiten Weltkrieg nahm er den Namen Shaho an (nach dem Berg Shaho in Hewraman). Sein Werk umfasst etwa 1.800 Gedichte in drei Bereichen: Dildarî (elegante Liebeslyrik), Ayînî (mystisch-religiöse Texte) und Niştimanî (kraftvolle patriotische Verse über die Freiheit Kurdistans). Seine Poesie wird für ihre präzise Struktur und tiefgründigen Inhalte geschätzt; er war eng befreundet mit dem Dichterfürsten Ahmed Mukhtar Jaf.

Charakter und Persönlichkeit

Shaho war als äußerst humorvoller Mensch und geistreicher Erzähler bekannt, berühmt für seine Witze (Nukte) und seine Schlagfertigkeit. In seinen letzten 14 Jahren zog er sich jedoch weitgehend zurück und widmete sich Gebet, Meditation und dem Unterricht von Schülern (Feqîs), deren Religionsschulen er zu Orten der Inspiration machte.

Tod und Vermächtnis

Shaho starb am 22. Juni 1971 und wurde in seiner Geburtsstadt Byara nahe den Gräbern der großen Naqşbendî-Scheichs (Şêx ʿUmer, Şêx Necmedîn, Şêx ʿEladîn) beigesetzt. Einen großen Teil seines Nachruhms verdankt er dem Dichter Mela Emîn Kardoxî, der Shahos verstreute Gedichte mit so viel Hingabe sammelte und edierte, dass der Dîwanî Shaho ohne diese akribische Arbeit in seiner heutigen Form nicht erhalten geblieben wäre. Er bleibt die „Stimme Hewramans“ – ein Mann, der das kurdische Wort in vier Sprachen ehrte und dessen Herz bis zuletzt für die Freiheit seines Volkes schlug.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Shaho (1882 – 1971) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Mela Mustafa ʿAsî, ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“), Kemalî (ʿElî Kemal Bapîr Aẍa). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.