Überblick
Lutfî (bürgerlich Şêx Letîf) war ein bedeutender kurdischer Dichter des klassischen Stils aus der Region Kerkuk – die jahrhundertealte Tradition der „Mela-Dichter“, bei denen Gelehrsamkeit und hohe Poesie untrennbar verbunden waren.
Herkunft und Abstammung
Şêx Letîf wurde 1905 im Dorf Pełkane (Region Qerehesen, Kerkuk) geboren, aus der ehrwürdigen Dynastie der Berzincî-Sayyids – Nachfahren des Propheten und geistige Führer der Qadiriyya, deren Stammbaum sich über Generationen bis zu Şêx Hesen Głezerde zurückverfolgen lässt.
Die Wanderjahre der Bildung (Feqêtî)
Mit sechs Jahren begann er in der Dorfmoschee von Quên Pełk bei Duzxurmatû das Koranstudium und reiste dann von Moschee zu Moschee (Duz, die Naib-Oẍlî-Moschee in Kerkuk, die Regionen Dîbege, Leylan und Xałobazyanî). Er schloss bei dem berühmten Gelehrten Mela ʿElî Efendî Muderris ab und erreichte die höchsten Stufen in Logik, Grammatik und Theologie.
Stil und Persönlichkeit
Er wählte den Künstlernamen Lutfî (der Gütige/Feinsinnige) und stand fest in der klassischen Schule von Silêmanî: reines, würdevolles Sorani, meisterhaft im Arûz-Metrum, mit Themen wie Vergänglichkeit, spiritueller Liebe und moralischer Weisheit. Als Bewahrer der kurdischen Identität im vielfältigen Kerkuk blieb er ein treuer Wächter der klassischen Formen; als Muste'îd der Imam-Qasim-Moschee und der Sayyid-Ahmed-Khanqah war er ein geschätzter Lehrer und bescheidener Mann.
Tod und Vermächtnis
Lutfî starb am 23. Mai 1989 im Azadi-Krankenhaus in Kerkuk; sein Begräbnis in Rehîmawa war ein bedeutendes Ereignis, um dem „letzten Klassiker“ der Stadt die Ehre zu erweisen. Er hielt die literarische Tradition des 19. Jahrhunderts bis in die Moderne lebendig – ein Mann der Stille und der Tiefe.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Lutfî (1905 – 1989) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Namî), Şarî (Alî Arif Axa), Tofiq Wahbi Beg, Mela Husên Fanî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.