✒️ Schriftsteller · 1891–1984

Tofiq Wahbi Beg

تۆفیق وەهبی

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Überblick

Tofiq Wahbi Beg war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der kurdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – Militäroffizier, Politiker, wegweisender Sprachwissenschaftler und Historiker; einer der intellektuellen Väter der kurdischen Nation.

Herkunft und Ausbildung

Tofiq Wahbi wurde am 1. Januar 1891 in Çwarta nahe Silêmanî geboren und verlor früh seinen Vater. Er besuchte die Grundschule in Silêmanî, zog 1904 nach Bagdad an die Militärschule und wurde schließlich an der prestigeträchtigen Militärakademie in Istanbul zum Stabsoffizier ausgebildet.

Militärische Karriere im Ersten Weltkrieg

Als Offizier der osmanischen Armee kämpfte er an mehreren Fronten: bei Gallipoli (Çanakkale) gegen die Alliierten, an der Irak-Front bei Shuaiba und Ramadi gegen die Briten und 1918 an der Palästina-Front, wo er zum Major (Raid) aufstieg und für seine Tapferkeit von einem deutschen Kommandeur (Verbündeter des Osmanischen Reiches) eine Ehrenmedaille erhielt.

Engagement für Kurdistan und politische Laufbahn

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches schloss er sich 1922 Şêx Mehmûd Barzancî an, als dieser sich zum „König von Kurdistan“ ausrief; nach der Niederschlagung wurde er inhaftiert. Später wirkte er am Aufbau der irakischen Armee (6. Januar 1921) mit. 1930 wurde er Gouverneur (Muteserrif) von Silêmanî, kurz vor dem Aufstand am „Berderkî Sera“ jedoch abgesetzt. Zwischen 1946 und 1958 war er mehrfach Minister (Wirtschaft, Bildung, Verteidigung) und 1958 Senator im irakischen Oberhaus.

Pionier der kurdischen Sprachwissenschaft

Sein bleibendstes Vermächtnis liegt in der Wissenschaft: Er erkannte, dass die kurdische Identität eine standardisierte Schriftsprache braucht. Er machte frühe Vorschläge für eine moderne kurdische Rechtschreibung, verfasste mit dem britischen Linguisten C.J. Edmonds das wegweisende A Kurdish-English Dictionary (Oxford University Press, 1965) und schrieb die ersten systematischen Grammatiken des Kurdischen (auf Kurdisch und Arabisch).

Archäologie, Exil und Tod

Wahbi erforschte auch die vorislamische Geschichte der Kurden – den Mithraismus und dessen Einflüsse auf das Jesidentum sowie archäologische Stätten wie die Höhle von Gindoke und die antike Stadt Hatra. Nach der Revolution vom 14. Juli 1958 ging er ins Exil nach London, wo er 26 Jahre der Forschung widmete. Er starb am 5. Januar 1984 mit 93 Jahren; auf seinen Wunsch wurde sein Leichnam nach Kurdistan überführt und am Berg Piramagrun beigesetzt.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Tofiq Wahbi Beg (1891 – 1984) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Mela Mustafa ʿAsî, Kemalî (ʿElî Kemal Bapîr Aẍa), Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Namî). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.