Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Namî)
مەلا عەبدولکەریمی مودەڕیس
Überblick
Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Pseudonym Namî) war eine der gigantischsten intellektuellen und geistlichen Figuren der kurdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – Großmufti, Korankommentator, Historiker, Dichter und der bedeutendste Kritiker der kurdischen Klassiker: das „Gedächtnis einer Nation“.
Herkunft und Ausbildung
Er wurde um 1901 im Dorf Gwêzrekuîre bei Marivan geboren, verlor früh seine Eltern und widmete sich schon als Kind dem Studium. Seine Reise als Feqî führte ihn durch zahlreiche Dörfer und Städte, bis er 1924 in Silêmanî seine Ijazah von Şêx Omer Ibn Qaradaghi erhielt.
Byara: Das „Azhar von Kurdistan“
Auf Einladung der Naqşbendî-Scheichs zog er nach Byara (Hawraman) und unterrichtete dort 25 Jahre an der berühmten religiösen Akademie, dem geistigen Zentrum Kurdistans – hier erhielt er den Beinamen Muderris (der Lehrer/Professor). Hunderte Schüler aus ganz Kurdistan und dem Nahen Osten studierten unter ihm. 1960 zog er nach Bagdad und wurde oberster Lehrer an der Moschee von Şêx Abdul Qadir Gilani sowie höchste sunnitische Instanz im Irak.
Der Retter der kurdischen Literatur
Seine wohl größte kulturelle Leistung war die Rettung und Kommentierung der kurdischen Klassiker: Ohne seine akribische Arbeit wären die Werke von Nali, Mahwî, Mewlewî und Feqê Qadrî Hemewend für moderne Generationen kaum verständlich. Er entzifferte Manuskripte, erklärte ihre philosophischen und mystischen Ebenen und gab sie in monumentalen Editionen heraus. Er verfasste über 60 Bücher auf Kurdisch, Arabisch und Persisch – u. a. den Korankommentar Tefsîrî Namî, die Gelehrtenbiografien Yadî Merdan und das Rechtswerk Şerîʿetî Îslam.
Tod und Vermächtnis
Muderris starb im August 2005 mit 104 Jahren in Bagdad – ein lebendes Archiv des 20. Jahrhunderts, das die Strenge der Wissenschaft mit der Zartheit der Poesie vereinte. Für die Kurden ist er der „Wächter der Sprache und Identität“.
Lob an den Propheten
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (1901 – 2005) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Şarî (Alî Arif Axa), Ibrahîm Ehmed („Blê“), Lutfî (Şêx Letîf), Ahmed Hardi (Ahmed Hasan Beg). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.