Überblick
Elaedîn Secadî war einer der bedeutendsten kurdischen Schriftsteller, Forscher, Journalisten und Literaturhistoriker des 20. Jahrhunderts. Er gilt als der Pionier, der die kurdische Literatur erstmals systematisch dokumentierte und klassifizierte – sein monumentales Werk legte den Grundstein für die moderne kurdische Literaturwissenschaft.
Herkunft und Ausbildung
Secadî wurde 1907 im Dorf Berzincî nahe Slemani geboren, in eine angesehene religiöse Familie. Seine Ausbildung begann in den Hujras von Slemani und Biara. Später zog er nach Bagdad, vertiefte dort seine Studien und erhielt seine offizielle Lehrbefugnis (Ijazah) als Mullah – doch statt einer rein geistlichen Laufbahn widmete er sein Leben dem geschriebenen Wort und der Erforschung der kurdischen Identität.
Journalistisches Wirken und „Gelawêj“
Secadî war eine treibende Kraft der kurdischen Presselandschaft: Zusammen mit Ibrahîm Ehmed gründete und leitete er von 1939 bis 1949 die berühmte Literaturzeitschrift Gelawêj (Der Morgenstern) – das wichtigste Forum kurdischer Intellektueller, das eine ganze Generation von Schriftstellern prägte. Später leitete er die Zeitschrift Nizar und arbeitete viele Jahre in der kurdischen Sektion von Radio Bagdad.
Wissenschaftliches Vermächtnis
Sein wichtigstes Werk ist Mêjûy Edebî Kurdî (Geschichte der kurdischen Literatur, 1952) – das erste umfassende Werk, das Biografien und Werke kurdischer Dichter von der klassischen Ära bis zur Moderne analysierte. Ein weiteres Herzensprojekt war Riştey Mirwarî (Die Perlenkette): In mehreren Bänden sammelte er kurdische Anekdoten, Volkswitz, Sprichwörter und soziale Erzählungen und rettete so einen wesentlichen Teil der mündlichen Überlieferung vor dem Vergessen.
Tod und Vermächtnis
Secadî verstarb 1984 in Bagdad – ein schwerer Verlust für die kurdische Wissenschaft. Er hinterließ über 20 bedeutende Bücher, die bis heute als Standardwerke an Universitäten genutzt werden. Er wird als der Mann erinnert, der der kurdischen Literatur ein Gedächtnis gab und bewies, dass die kurdische Kultur reich an Tiefe, Humor und Widerstandskraft ist.
Über die kurdische Sprache
Die Sprache als Festung der Nation.
Weisheit und Volkstum
Der Wert des Wissens gegenüber dem Reichtum.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Elaedîn Secadî (1907 – 1984) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Awat (Seyid Kamîl Îmamî), Zarî (Mela ʿEbdulkerîm Saʿîb), Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.