📜 Dichter · 1905–1982

Zarî (Mela ʿEbdulkerîm Saʿîb)

زاری

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Überblick

Zarî (bürgerlich Mela ʿEbdulkerîm Saʿîb) war ein bedeutender kurdischer Dichter und Übersetzer aus Mukriyan – ein klassischer Vertreter der Lyrik, der die Tradition Nalis und Mahwîs ins 20. Jahrhundert trug.

Leben und Herkunft

Mela ʿEbdulkerîm wurde 1905 im Dorf Alkełû (Region Feyzułłabegî nahe Saqqez) geboren, erhielt die Hujra-Ausbildung und den Titel eines Mullahs. Er war zweimal verheiratet und hinterließ eine große Familie (sechs Söhne, eine Tochter). Zarî starb am 17. Juni 1982 und wurde im Dorf Arebuẍłû beigesetzt, wo sein Grab bis heute ein Ort des Gedenkens ist.

Literarisches Schaffen

Zarî war äußerst produktiv: Sein rund 300-seitiger Dîwan umfasst 88 Ghaselen, 56 Kassiden, 17 Quintainen (Pênc-xiştekî), 21 Masnavis sowie zahlreiche nationale und religiöse Gedichte – von zarter Schönheits- und Liebesbeschreibung bis zu religiösen Reflexionen und patriotischen Versen. Eines seiner größten Verdienste ist die kurdische Bearbeitung von „Leyla und Mecnûn“ nach Nizami Ganjavi.

„Diłî Fewtawim“ (Mein verlorenes Herz)

Die Qual der Trennung in klassischen Metaphern; „Âwpaşî“ (das Sprengen von Wasser auf den Weg des Reisenden) übernehmen hier die Tränen des Dichters.

Soranî · Deutsch
تا لە بەر چاوی، مقامت سەرگلێنەی چاومە — گەر لە بەر چاوم نەبی، جێگەت دڵی فەوتاومە
Solange du vor meinen Augen bist, ist dein Thron der Augapfel meiner Sicht; doch bist du mir fern, so ist dein Platz mein ruiniertes, verlorenes Herz.
گەردی ئاھم بۆ ئەوەی نەگرێت دامانی کەوات — ئاوپاشی ڕێ، وەزیفەی چاوی پڕخوێناومە
Damit der Staub meiner Seufzer nicht den Saum deines Gewandes trübt, ist es die Pflicht meiner blutunterlaufenen Augen, den Weg mit Tränen zu besprengen.
وامەزانە خادمێکی غایبم ھەرجێ دەچی — سایەبانی سەروو قەددت ڕۆحی لێقەوماومە
Denke nicht, ich sei ein abwesender Diener, wohin du auch gehst; meine geplagte Seele ist der Schattenspender für deine zypressengleiche Gestalt.
دوێ لە باغا تووشی گوڵ بووم وتی: چۆنی؟ وتم: بولبولی تۆ مات، سۆزی خاتری شێواومە
Gestern traf ich im Garten die Rose, sie fragte: „Wie geht es dir?“ Ich sprach: „Deine Nachtigall ist verstummt, mein verwirrter Geist brennt vor Leid.“
پێی وتم بۆ واسەری خۆڵاویە دڵبەر، وتم: وەی لەدووری شەمعی ڕوخسارت قوڕە پێواومە
Sie fragte: „Warum ist das Haupt des Liebenden so staubbedeckt?“ Ich sagte: „O weh, fern von der Kerze deines Antlitzes ist mein Weg nur mühsames Waten im Schlamm.“

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Zarî (1905 – 1982) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Awat (Seyid Kamîl Îmamî), Elaedîn Secadî, Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.