Überblick
ʿEbas Heqîqî war eine der herausragendsten literarischen Gestalten Kurdistans im 20. Jahrhundert – begnadeter Dichter, mutiger Intellektueller der Republik Mahabad und der bedeutendste Übersetzer orientalischer Klassiker ins Kurdische, der „Kulturbotschafter“ Kurdistans.
Herkunft und frühe Bildung
Heqîqî wurde 1902 im Dorf Qerebaẍ nahe Bokan geboren, aus dem einflussreichen Dêbokrî-Stamm; früh verlor er seinen Vater. Seine Ausbildung begann in den Hujras von Saqqez, doch den Großteil seines Wissens eignete er sich autodidaktisch an – schon früh vertiefte er sich in Saadi und Hafiz, was sein Schaffen prägte.
Die Ära der Republik Mahabad
Ein entscheidendes Kapitel war sein Engagement während der Republik Mahabad (1946): Unter dem Pseudonym „ʿE. Hunar“ tauchte er in den Kampf gegen das Pahlavi-Regime ein; sein Gedicht „Xewî ẍeflet“ (Der Schlaf der Nachlässigkeit) in der Zeitschrift Niştiman wurde zu einem Weckruf der Nationalbewegung.
Der Meisterübersetzer
Seine größte Leistung war die Übersetzung der „Giganten“ der persischen Literatur ins Sorani: den Gulistan und Bustan von Saadi, Kimiyaye Saʿadat von Al-Ghazali sowie über 100 Ghaselen von Hafiz (unter dem Titel „Şewnim“, Morgentau). Damit bewies er, dass die kurdische Sprache dieselbe philosophische Tiefe und poetische Eleganz besitzt wie das Persische, und gab dem Volk Zugang zur Weltliteratur in der eigenen Sprache.
Späte Jahre, Tod und Ehrungen
Bemerkenswert ist seine Reise nach Deutschland und in die Niederlande mit 94 Jahren (1995/96); nur zwölf Tage nach der Rückkehr starb er am 15. Januar 1996 in Bokan – Tausende begleiteten ihn. Heute ist sein Wohnhaus ein Museum, eine Schule und Bibliothek tragen seinen Namen, eine Gasse heißt „Guzerî Heqîqî“, und 2024 wurde ihm zu Ehren eine Statue enthüllt.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört ʿEbas Heqîqî (1902 – 1996) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Awat (Seyid Kamîl Îmamî), Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher), Zarî (Mela ʿEbdulkerîm Saʿîb), Elaedîn Secadî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.