📜 Dichter · 1903–1989

Awat (Seyid Kamîl Îmamî)

سەید کامیل ئیمامی

← Alle Literaten

Überblick

Seyid Kamîl Îmamî – bekannt als Awat („Sehnsucht, Hoffnung“) – war ein herausragender kurdischer Dichter und glühender Patriot aus Ostkurdistan, aus einer der einflussreichsten religiösen Familien Mukriyans; die „poetische Sehnsucht von Zenbil“.

Herkunft und spirituelles Umfeld

Seyid Kamîl wurde 1903 im Dorf Zenbil nahe Saqqez geboren, als Sohn von Seyid ʿEbdulhekîm aus einer Dynastie, die den Naqşbendî- und Qadiri-Orden leitete; die Khanqah von Zenbil war ein bedeutender Ort der Gelehrsamkeit. Sein Onkel war Hajî Babashêx, der spätere Premierminister der Republik Mahabad (1946), unter dessen Aufsicht Awat einen Teil seiner Ausbildung erhielt und früh mit nationalen Ideen in Kontakt kam.

Politisches Engagement und Haft

Awat unterstützte die Republik Mahabad leidenschaftlich; nach ihrem Fall 1946 wurde er verhaftet und verbrachte zwei schwere Jahre in den Gefängnissen von Bokan, Saqqez, Urmia und Mahabad. Diese Zeit der Isolation prägte seine Lyrik und verlieh ihr eine schwermütige, aber standhafte Note. Er pflegte enge Freundschaften mit Hejar, Hemin und Swara Ilxanîzade; der legendäre Sänger Hasan Zirak vertonte viele seiner Gedichte.

Tod und Vermächtnis

Awat starb am 27. Juli 1989 und wurde auf seinen Wunsch in der Khanqah von Zenbil an der Seite der großen Scheichs seiner Familie beigesetzt. Sein Grab ist heute ein Wallfahrtsort; er hinterließ einen umfangreichen Dîwan, der als einer der wertvollsten Schätze der Mukriyan-Literatur gilt – die Stimme der kurdischen Berge.

„Herbstregen und Schmerz“

Die melancholische Natur des kurdischen Gebirges als Spiegel des inneren Zustands.

Soranî · Deutsch
تک تکەی بارانی پاییز وەک تکەی چاوی منە
Tropfen für Tropfen gleicht der Herbstregen den Tränen meiner Augen,
کاتی ھەڵقرچاوی باغ وەک جەرگی برژاوی منە
die verdorrte Zeit des Gartens ist wie mein verbranntes Innerstes.
ھەر خڕ و شیوێ تەماشا کەی، خڕی پڕ بوو لە ئاو
Blickst du in jedes Tal und jede Schlucht, so sind sie voller Wasser,
ھەڵدەچۆڕێ لێڵ و لیخن، چەشنی زووخاوی منە
trübe und schlammig fließt es dahin, genau wie das bittere Blut meiner Wunden.
ھەورە، بایە، بەفرە، بارانە، تەمە، سەر کێوەکان
Wolken, Wind, Schnee, Regen und Nebel liegen auf den Gipfeln,
ھەردەمەی جۆرێکە، ھەروەک حاڵی شێواوی منە
jeder Augenblick ist anders, so wie mein verwirrter Geisteszustand.
ئەمن و بەفری سەر چیاکان پێکەوە دەتوێینەوە
Ich und der Schnee auf den Bergen, wir schmelzen gemeinsam dahin,
کاکە! ئەم زستانە بەفریش عومری فەوتاوی منە
o Bruder! In diesem Winter ist der Schnee mein verlorenes Leben.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Awat (1903 – 1989) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Zarî (Mela ʿEbdulkerîm Saʿîb), Elaedîn Secadî, Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.