Überblick
Hejar (kurdisch für „der Arme/Bedürftige“), mit bürgerlichem Namen Ebdulrehman Şerefkendî, war einer der bedeutendsten kurdischen Dichter, Gelehrten, Linguisten und Übersetzer des 20. Jahrhunderts. Sein Werk bildet die Brücke zwischen der klassischen kurdischen Literatur und dem modernen nationalen Bewusstsein – die Stimme Mukriyans und der Hüter der kurdischen Sprache.
Frühe Jahre und Bildung
Hejar wurde am 13. April 1921 in Mahabad geboren. Sein Vater, Mela Mihemed, war ein gebildeter Mann, der ihm bereits mit fünf Jahren Lesen und Schreiben beibrachte. Später besuchte Hejar traditionelle Koranschulen (Hujras) in der Mukriyan-Region. In seiner berühmten Autobiografie Çêştî Mijêwir (Das Gericht des Küsters) beschreibt er diese Zeit humorvoll, aber auch kritisch gegenüber den veralteten Lehrmethoden. Diese Jahre legten den Grundstein für sein phänomenales Wissen über die kurdische, persische und arabische Sprache.
Der Nationaldichter der Republik Mahabad
In den 1940er Jahren schloss sich Hejar der Bewegung J.K. (Komeley Jiyanewey Kurdistan) an. Mit der Gründung der Republik Kurdistan (Mahabad, 1946) wurde er zusammen mit seinem engen Freund Hêmin Mukriyanî zum „Nationaldichter“ ernannt. Seine Gedichte aus dieser Zeit, gesammelt im Band Alekok, waren Hymnen auf die Freiheit und den Widerstand. Nach dem Fall der Republik 1947 begann eine über 30-jährige Odyssee durch das Exil.
Exil und wissenschaftliche Höchstleistungen
Hejar floh nach Südkurdistan, lebte zeitweise unter ärmlichsten Bedingungen in Bagdad, erkrankte an Tuberkulose und suchte Heilung im Libanon. Er lebte in Syrien beim kurdischen Stammesführer Hajo Axa und kehrte später in den Irak zurück, um sich der Aylul-Revolution unter Mustafa Barzanî anzuschließen. In dieser Zeit vollbrachte er literarische Höchstleistungen: Er verfasste das monumentale kurdisch-persische Wörterbuch Henbane Borîne, bis heute ein Standardwerk. Er übersetzte das Nationalepos Mem û Zîn von Ehmedê Xanî aus dem Kurmancî ins Soranî. Seine Übersetzung der Vierzeiler von Omar Khayyam gilt als so meisterhaft, dass viele Kritiker die kurdische Version dem Original gleichstellen. Für die iranische Akademie der Wissenschaften übersetzte er zudem Avicennas Kanon der Medizin vom Arabischen ins Persische – eine Aufgabe, an der zuvor viele Gelehrte gescheitert waren.
Tod und Vermächtnis
Nach der iranischen Revolution von 1979 ließ sich Hejar in Karaj nieder, wo er am 21. Februar 1991 verstarb. Sein Leichnam wurde nach Mahabad überführt und unter Anteilnahme Zehntausender auf dem Friedhof „Baxî Firdews“ beigesetzt. Hejar bleibt unvergessen als der Mann, der die kurdische Sprache in einer Zeit der Unterdrückung zu einer Sprache der Hochwissenschaft und Weltliteratur erhob.
Her Kurdim (Ich bleibe Kurde)
Sein wohl bekanntestes Gedicht – ein Bekenntnis zur kurdischen Identität.
Pałewanan Natirsin (Helden fürchten sich nicht)
Qazî Mihemed, dem Präsidenten der Republik Mahabad, vor dessen Hinrichtung gewidmet.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Hejar Mukriyanî (1921 – 1991) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher), Seyid Mihemmed Tahîr Haşimî, Mihemmed Mukrî (Mohammad Mokri). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.