📜 Dichter · 1939–1992

Hawar (Eli Hesenyanî)

عەلی حەسەنیانی

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Überblick

Eli Hesenyanî, unter seinem Künstlernamen Hawar (Der Schrei) bekannt, war ein herausragender kurdischer Dichter, Romanautor und Jurist. Zusammen mit Seware Îlxanîzade und Fatih Şêxulîslamî (Çawe) gilt er als einer der drei Grundpfeiler der modernen kurdischen Poesie (Şiʿrî Nwê) in Ostkurdistan.

Herkunft und Ausbildung

Eli wurde am 17. Juli 1939 in Teheran geboren; 1946 zog die Familie zurück nach Mahabad, wo er den Großteil seiner Schulausbildung absolvierte. 1959 wurde er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Teheran angenommen. Dort kam er in Kontakt mit der intellektuellen kurdischen Elite – prägend war die Begegnung mit Seware Îlxanîzade und Çawe. Unter dem Einfluss von Rehmani Agha Mohtadi setzten sie sich intensiv mit der kurdischen Sprache und der modernen Poesie auseinander, die in Südkurdistan durch Goran revolutioniert worden war.

Politisches Engagement und Repression

Sein nationales Bewusstsein führte ihn in den Widerstand: Zu Newroz 1964 wurde Hawar zusammen mit Seware und Çawe vom iranischen Geheimdienst verhaftet und im berüchtigten Qezelqelʿe-Gefängnis inhaftiert. Nach der Freilassung schloss er sein Studium ab und arbeitete kurz im Innenministerium; wegen seiner politischen Überzeugungen ständig versetzt und schikaniert, verließ er den Staatsdienst und arbeitete in Miandoab als Rechtsanwalt.

Literarische Revolution

Hawar wird die Ehre zuteil, 1959 mit seinem Gedicht Cellad (Der Henker) als Erster die Fesseln der klassischen kurdischen Metrik in Ostkurdistan gesprengt zu haben. Sein Gedicht Bombaran gilt als Meisterwerk – Hêmin Mukriyanî sagte darüber: „Ein Volk, das ein solches Gedicht in seiner Literatur besitzt, wird niemals untergehen.“ Kejałê (1961) zeigt seine Fähigkeit, emotionale Tiefe mit gesellschaftlicher Relevanz zu verbinden. In den 1980er Jahren arbeitete er eng mit der Zeitschrift Sirwe zusammen und gründete in Mahabad einen literarischen Rat.

Flucht und Tod

1989 verließ er wegen der politischen Lage den Iran und floh über Finnland nach Dänemark. Sein Exil war geprägt von gesundheitlichen Problemen und wirtschaftlicher Not. Am 8. Mai 1992 verstarb Hawar in Kopenhagen an einem Herzinfarkt und wurde dort beigesetzt.

Literarisches Vermächtnis

Sein Gesamtwerk umfasst 76 Gedichte (32 klassisch, 44 modern); zudem war er versierter Prosaist. Werke: Gunah (Die Sünde, Diwan), Şarî Wêran (Die zerstörte Stadt, Artikel und Erzählungen) sowie die Romane Derwêş, Karmamz (Das Rehkitz) und Bizey Jiyan (Das Lächeln des Lebens). Während Seware oft als der bekannteste der „goldenen Generation“ gilt, wird Hawar für seine Radikalität in Form und Inhalt und seine tiefe Verbundenheit zum Schicksal der einfachen Leute geschätzt.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Hawar (1939 – 1992) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher), Mela Kerîm Sardekosanî, Hêdî (Xalîd Hisamî). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.