Drei Genozide, eine geteilte Mahnung — der Holocaust an den Juden Europas (1933—1945), die Anfal-Operationen mit dem Giftgas-Massaker von Halabja (1988) und der Genozid an den Jesiden in Sinjar (2014). Was uns verbindet: das „Nie wieder" — und die Pflicht, hinzusehen.
Erinnerungskultur in Deutschland: Holocaust-Gedenken, Stolpersteine, 27. Januar, 9. November. Wie geht ein Land mit seiner schweren Vergangenheit um?
کولتوری یادکردنەوە لە ئەڵمانیا: یادکردنەوەی هۆلۆکۆست، بەردەکانی یادەوەری (Stolpersteine)، 27ی کانوونی دووەم، 9ی تشرینی دووەم. وڵاتێک چۆن مامەڵە لەگەڵ ڕابردووە سەختەکەی خۆی دەکات؟
„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen."
— George Santayana, 1905
Deutschland hat aus seiner eigenen dunkelsten Geschichte eine Lehre gezogen: Erinnerung ist keine Last, sondern Pflicht. Die Aufarbeitung des Holocaust ist heute weltweit ein Modell — sie zeigt, wie eine Gesellschaft mit Verbrechen umgehen kann, die in ihrem Namen geschahen. Diese Lehre gilt nicht nur für Juden und Deutsche. Sie gilt überall.
Auch das kurdische Volk und die Jesiden tragen das Erbe von Genoziden, die noch nicht abgeschlossen sind — die Erinnerung daran ist Teil der gleichen menschlichen Mahnung. Wenn wir in Deutschland heute „Nie wieder" sagen, dann gilt es überall.
Der Holocaust (hebr. Shoah — „Katastrophe") war der systematische, industriell durchgeführte Völkermord an den Juden Europas durch das nationalsozialistische Deutschland. Er begann mit der Entrechtung 1933 (Nürnberger Rassengesetze 1935), eskalierte mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und mündete in die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942, in der die „Endlösung der Judenfrage" als Vernichtungspolitik beschlossen wurde.
Sechs Millionen jüdische Menschen — Männer, Frauen, alte Menschen, eineinhalb Millionen Kinder — wurden in Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau ermordet. Dazu kamen Sinti und Roma (~500.000), Menschen mit Behinderungen (~300.000), politische Gegner, Homosexuelle, Zeugen Jehovas. Der Holocaust war kein „Krieg" — er war geplanter Massenmord am unschuldigen Zivilisten.
Die deutsche Gesellschaft schwieg lange. Erst ab den 1960er-Jahren (Eichmann-Prozess 1961, Auschwitz-Prozess 1963—65) begann die Aufarbeitung. Heute ist sie konstitutiv für Deutschland: Schulen besuchen Gedenkstätten, am 27. Januar trauert das Land öffentlich, Holocaust-Leugnung ist strafbar (§ 130 StGB).
هۆلۆکۆست (شۆئا — «کارەسات» بە عیبری) کۆمەڵکوژیی سیستەماتیکی جووەکانی ئەوروپا بوو لە لایەن ڕێژیمی نازی ئاڵمانیاوە. شەش ملیۆن جوو لە کاتی 1933 تا 1945دا کوژران — لە کامپە لەناوبەرەکانی وەک ئاوشڤیتس.
کۆمەڵگای ئاڵمانیا ساڵانێک هیچی نەگوت. لە ساڵانی 1960وە لێکدانەوەکە دەستی پێ کرد. ئەمڕۆ بیرەوەری بەشێکی پێکهاتەی ئاڵمانیایە: خوێندنگاکان سەردانی شوێنە بیرەوەرییەکان دەکەن، لە 27ی کانوونی دووەم ووڵات بە گشتی شیوەن دەکات، ڕەتکردنەوەی هۆلۆکۆست سزایی هەیە.
Die Anfal-Operationen (arab. „Beute" — eine Sure des Koran zynisch missbraucht) waren acht militärische Kampagnen, mit denen Saddam Husseins Regime zwischen 1986 und 1988 systematisch das kurdische Leben in den Bergen Nordiraks auslöschte. Dörfer wurden zerstört, Brunnen vergiftet, Felder verbrannt. Männer und Jungen wurden in Massengräbern erschossen, Frauen und Kinder in Wüstenlager deportiert.
Den traurigen Höhepunkt bildete der 16. März 1988: An diesem Tag bombardierte die irakische Luftwaffe die kurdische Stadt Halabja mit chemischen Kampfstoffen — Sarin, Tabun und Senfgas. Innerhalb von Stunden starben rund 5.000 Zivilisten, darunter viele Kinder. Mehr als 10.000 wurden zum Teil schwerst verletzt. Halabja ist seither das größte Chemiewaffen-Verbrechen gegen Zivilisten in der modernen Geschichte.
Die Welt schwieg lange. Erst nach dem Sturz Saddams 2003 begann die juristische Aufarbeitung. Das irakische Hohe Sondergericht erklärte Anfal 2007 zum Völkermord; das britische und schwedische Parlament folgten. Der Deutsche Bundestag hat Anfal/Halabja noch nicht förmlich als Genozid anerkannt — eine Lücke, die viele Kurden in Deutschland schmerzt.
ئەنفال (وشە لە قورئاندا، بە چەواشە بەکارهاتووە) ئەو هەشت کارگەرییە سەربازییە بوون کە ڕێژیمی سەددام لەنێوان 1986 تا 1988دا بە دژی گەلی کورد لە باکووری عێراق ئەنجامی دا. 182 هەزار کورد کوژراون.
لە 16ی ئادار 1988 شاری هەڵەبجە بە چەکی کیمیایی (سارین، تابوون، گازی خەرداڵ) بۆمباران کرا. لە چەند کاتژمێردا، نزیکەی 5 هەزار کەس ـ زۆربەی منداڵ ـ گیانیان لەدەستدا. هەڵەبجە مەزنترین تاوانی چەکی کیمیایی لە مێژووی هاوچەرخدا دژی هاوڵاتییانە.
پەرلەمانی فیدراڵی ئاڵمانیا هێشتا بە فەرمی ئەنفال/هەڵەبجەی بە کۆمەڵکوژی نەناسیوەتەوە — ئەمە بریندارییەکی گەورەیە بۆ کوردانی ئاڵمانیا.
Am 3. August 2014 überfielen Kämpfer des selbsternannten „Islamischen Staates" (IS, Daesh) die Region Sinjar (kurd. Şingal, arabisch Sinjar) im Nordirak. Die dort lebenden Jesiden — eine alte kurdisch-sprachige Religionsgemeinschaft mit eigener monotheistischer Tradition — wurden vom IS als „Teufelsanbeter" diffamiert und der Vernichtung preisgegeben.
Innerhalb von zwei Wochen wurden tausende jesidische Männer und Jungen erschossen — in Massengräbern, die noch heute geöffnet werden. Über 7.000 Frauen und Mädchen wurden versklavt, auf Sklavenmärkten in Mossul und Rakka verkauft, systematisch vergewaltigt. Über 400.000 Jesiden flohen — viele in die Berge des Sinjar, wo sie ohne Wasser und Nahrung tagelang ausharrten, bis kurdische Kämpfer (YPG, Peschmerga) einen Korridor öffneten.
Die jesidische Aktivistin Nadia Murad, selbst Versklavte und Entkommene, brachte das Verbrechen vor die UN — und erhielt 2018 den Friedensnobelpreis. Heute lebt die größte jesidische Diaspora weltweit in Deutschland: rund 150.000 Jesiden, viele im niedersächsischen Celle-Hannover-Raum, in Bielefeld und Stuttgart.
Am 19. Januar 2023 erkannte der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit den IS-Mord an den Jesiden offiziell als Völkermord an — ein historischer Schritt. Jesidische Frauen sagen seitdem oft: „In Deutschland werden wir zum ersten Mal gehört."
لە 3ی ئابی 2014دا هێزی داعش (دەوڵەتی ئیسلامی) هێرشی کردە سەر شنگال لە باکووری ئێراق. ئێزدییەکان — کۆمەڵگەیەکی ئاینی کوردزمان — لەلایەن داعشەوە بە «شەیتانپەرست» ناودێر کران و کۆمەڵکوژییان بۆ ڕێکخرا.
پێنج هەزار پیاو و کوڕ کوژران، هەفت هەزار ژن و کچ کۆیلە کران، چوار سەد هەزار کەس ئاوارە کران. نادیا مراد، چالاکوانی ئێزدی، لە 2018دا خەڵاتی نۆبڵی ئاشتی وەرگرت.
لە 19ی کانوونی دووەمی 2023دا پەرلەمانی فیدراڵی ئاڵمانیا کۆمەڵکوژیی ئێزدییەکانی بە فەرمی پەسەند کرد — هەنگاوێکی مێژوویی.
Drei Völker — Juden, Kurden, Jesiden.
Drei Verbrechen — Industrie, Gift, Versklavung.
Drei Mahnungen — die alle in dasselbe Wort münden:
Nie wieder.
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