Her Kurd Bûyn û Her Kurd Ebîn (Wir waren immer Kurden) – Adel · Text: Ibrahim Ehmed
Eine Hymne des kurdischen Widerstands und der Identitätsbehauptung: Der Text stammt von Ibrahim Ehmed (1914–2000), dem bedeutenden Schriftsteller, Intellektuellen und Politiker – gesungen von Adel. Die Hawar-Umschrift wurde von der Akademie ergänzt.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| داگیرکەر | dagîrker | Besatzer |
| قین | qîn | Hass, Groll |
| دڕندە | dirinde | Bestie, Raubtier |
| ئاگرپەرستی | agirperistî | Feueranbetung – gemeint: der Zoroastrismus |
| دیلی | dîlî | Gefangenschaft |
| سەربەستی | serbestî | Freiheit |
| مێژوو | mêjû | Geschichte |
| قەندیل، ئاگری | Qendîl, Agirî | Berge Kurdistans (Agirî = Ararat) – Symbole der Unbeugsamkeit |
Literarische Analyse
Ibrahim Ehmed (1914–2000) war nicht nur bedeutender Schriftsteller und Intellektueller, sondern auch eine zentrale politische Figur. Dieses Gedicht gilt als Hymne des kurdischen Widerstands und der Identitätsbehauptung.
Nationale Identität liegt tiefer als politische Grenzen oder physische Zerstörung: Selbst wenn die Berge – Symbole der Heimat und des Widerstands – vernichtet würden, bliebe das Kurdisch-Sein bestehen.
Der Hinweis auf die Zeit vor dem Islam und vor dem Zoroastrismus (agirperistî) argumentiert: Das kurdische Volk ist älter als die großen Religionen der Region – die Identität ist ethnisch-kulturell, nicht primär religiös definiert.
„Weder Araber, noch Iraner, noch Bergtürke“ – die direkte Antwort auf die Assimilierungspolitik der Nachbarstaaten. „Bergtürke“ (Turkêkî şaxistanî) verweist auf die jahrzehntelange Leugnung der kurdischen Existenz in der Türkei.
Der Refrain wirkt wie ein Mantra und gibt dem Gedicht kämpferischen Rhythmus; die Berge Qendîl, Agirî (Ararat) und Şîrîn verankern Kurdistan geografisch; Dualismen wie Gefangenschaft (dîlî) und Freiheit (serbestî) zeigen die Stabilität der Identität unter allen Umständen.
Ein Akt der Selbstermächtigung: In Zeiten der Unterdrückung von Sprache und Kultur schafft der Text Stolz und historisches Bewusstsein. Die Berufung auf die Geschichte (mêjû) legitimiert den Anspruch objektiv, nicht nur emotional.
Ein klassisches Beispiel nationaler Identitätspoesie: der Schmerz über Unterdrückung, verbunden mit unerschütterlichem Optimismus und tiefer historischer Verwurzelung – ein Text des Trotzes gegen die Assimilation.
