Gulgulî (Bunt und geblümt) – Aram Tigran
Eines der fröhlichsten Lieder Tigrans: gulgulî ist der bunt geblümte Stoff – und wird zur Metapher für alles Schöne im kurdischen Leben. Eine Hymne auf Jugend, Kultur und Zusammenleben. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Literarische Analyse
Grün und Rot beschreiben vordergründig den geblümten Stoff des gulgulî – hintergründig sind es Farben der kurdischen Identität und der Natur Kurdistans: Frühling, Erneuerung, Stolz. Tigran nutzt die Ästhetik der Kleidung, um Zugehörigkeit und Freude zu vermitteln.
Die jungen Männer sind xalis (aufrichtig), fêris (Reiter) und furchtlos – die Tugenden der epischen Tradition. Die jungen Frauen aber werden über ihre Kunst charakterisiert: Als dengbêj sind sie Bewahrerinnen der mündlichen Überlieferung – Schönheit (das lange Haar) verbindet sich mit geistiger und künstlerischer Tiefe.
Tev yek in, tev heval in – „alle sind eins, alle sind Gefährtinnen“: ein modernes soziales Ideal, in dem Zusammenhalt über Konkurrenz steht; ein Aufruf zur Harmonie in der Gemeinschaft.
Die Nennung Armeniens am Ende ist Tigrans Signatur: Der Armenier lebte lange in Eriwan – dem Zentrum kurdischer Kunst und des berühmten kurdischen Radios. Kurdistan und Armenien erscheinen als gemeinsamer Kulturraum; die Wahlheimat wird als Ort kurdischer kultureller Freiheit gefeiert.
Das klangmalerische gulgulî nach jeder Zeile gibt dem Lied seinen tänzerischen Charakter und versetzt die Hörer in die positive Trance des Reigentanzes (govend).
Eine Hommage an die Lebensfreude trotz aller Geschichte: Farben der Tracht, Mut der Jugend und Stimmen der Sängerinnen als Gesamtkunstwerk – ein Dokument der kurdisch-armenischen Freundschaft und ein Manifest für eine Kultur, die sich durch Gesang und Tanz immer wieder erneuert.
