Ey Yarî Nazdar (O du charmante Geliebte) – Îsmaîl Sabûrî · Text: Abid Sirajedini
Ein Klassiker der kurdischen Musik auf einer traditionellen Folklore-Melodie: Die Verse von Abid Sirajedini in reinem, poetischem Soranî – vorgetragen von Îsmaîl Sabûrî mit sanfter, melancholischer Stimme. Im Zentrum die tiefste kurdische Liebesformel: derdit le min – „möge dein Leid auf mich fallen“. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Anmerkung: Dichtung (Honrawe): Abid Sirajedini · Melodie: Folklore. Der Refrain wird nach jeder Strophe wiederholt.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| دەردت لە من | derdit le min | „dein Leid auf mich“ – Ausdruck totaler Aufopferung |
| نەمام | nemam | junger Baum, Setzling |
| ئەگریجە | egrîce | Stirnlocken, Haarsträhnen |
| چاوی خومار | çawî xumar | berauschte, verträumte Augen |
| زوخاو | zuxaw | bitterster Kummer (wörtl. Galle, Wundflüssigkeit) |
| بێ مەیلی | bê meylî | Lieblosigkeit, Kälte |
| زار | zar | elend |
| ئازیز | azîz | Liebste, Teure |
| ساتێ | satê | ein Augenblick |
Literarische Analyse
Eine der tiefsten kurdischen Redewendungen der Liebe und Empathie: „Dein Schmerz auf mich“ – der Wunsch, alles Leid zu ertragen, das für die Geliebte bestimmt ist, damit sie schmerzfrei bleibt. Im Deutschen gibt es keine direkte Entsprechung; am ehesten: „Ich würde alles für dich geben.“
Nemam ist ein frisch gepflanzter junger Baum: In der kurdischen Poesie das Bild für die schlanke, aufrechte Gestalt der Geliebten – Jugend, Grazie und natürliche Schönheit.
Ein schönes altes Wort für die kleinen Locken, die einer Frau ins Gesicht oder über die Stirn fallen – ein klassisches Element der Schönheitsbeschreibung in der kurdischen Literatur.
Xumar heißt eigentlich „berauscht“: Von Augen gesagt, meint es den verträumten, verführerischen, tiefen Blick, der den Betrachter trunken vor Liebe macht.
Wörtlich die bittere Flüssigkeit (Galle); metaphorisch der tiefste, bitterste Kummer, der das Innere zerfrisst – hier ist sogar das Herzblut zu zuxaw geworden.
Ein Klassiker der „Liebe als Leiden“ auf einer traditionellen Folklore-Melodie: Der Liebende bittet die Geliebte, ihre Kälte (bê meylî) aufzugeben, da er sonst vor Kummer vergeht. Îsmaîl Sabûrî trägt die alten Motive mit sanfter, melancholischer Stimme vor – beruhigend, fast meditativ.
