Überblick
Samand Siabandov war eine außergewöhnliche Persönlichkeit der kurdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – zugleich hochdekorierter Kriegsheld der Roten Armee, einflussreicher sowjetischer Politiker und bedeutender kurdischer Schriftsteller und Sprachwissenschaftler; die Stimme der Kaukasus-Kurden.
Herkunft und Jugend
Samand Siabandov wurde am 20. November 1909 im Dorf Hasdschal nahe Kars (damals Russisches Kaiserreich) in einer kurdischen (jesidischen) Familie geboren. Infolge des Ersten Weltkriegs und der Verfolgungen floh seine Familie – wie viele Kaukasus-Kurden – nach Armenien, wo er im sowjetischen Umfeld aufwuchs.
Der Kriegsheld („Held der Sowjetunion“)
Er trat früh in die Kommunistische Partei ein und wurde durch seine Tapferkeit im Zweiten Weltkrieg weltweit bekannt: Als politischer Kommissar und Offizier (später Oberst) der Roten Armee zeichnete er sich besonders in Polen und beim Übergang über den Fluss Narew aus. Am 24. März 1945 wurde ihm der Titel „Held der Sowjetunion“ verliehen – die höchste militärische Auszeichnung der UdSSR und eine Ehre, die nur ganz wenige Kurden erhielten (dazu Lenin-Orden, Orden des Roten Sterns u. a.).
Politische Karriere
Nach dem Krieg wurde er zur zentralen politischen Figur der kurdischen Minderheit der Sowjetunion: 1946 Abgeordneter im Obersten Sowjet der UdSSR, dazu wichtige Ämter in der Armenischen SSR (u. a. stellvertretender Landwirtschaftsminister, Mitglied des ZK der armenischen KP). Seinen Einfluss nutzte er stets zur Förderung der kulturellen und sozialen Rechte der Kaukasus-Kurden.
Literarisches Schaffen und Vermächtnis
Im Herzen blieb Siabandov ein Literat: Er schrieb im Kurmancî und entwickelte die kurdische Schriftsprache im Kaukasus mit. Sein Siyabend û Xecê (1959) ist eine berühmte literarische Bearbeitung des klassischen Volksepos; Jiyana Bextewar (1966) besingt das moderne kurdische Leben, und das Armenisch-Kurdische Wörterbuch (1959) war grundlegend für Bildung und Austausch. Er starb am 14. November 1989, kurz vor dem Zusammenbruch der UdSSR. In Armenien und Georgien wird er bis heute als Nationalheld der kurdischen Gemeinschaft verehrt – ein Mann, der „das Gewehr in der einen und die Feder in der anderen Hand hielt“.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Samand Siabandov (1909 – 1989) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Bakur. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Osman Sebrî („Apo Osman“), Heciyê Cindî (Hajiyê Cindî), Cigerxwîn (Şêxmus Hesen), Mehmed Uzun. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.