✒️ Schriftsteller · 1908–1990

Heciyê Cindî (Hajiyê Cindî)

حەجیێ جندی

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Überblick

Heciyê Cindî (Hajiyê Cindî) war ein herausragender kurdischer Schriftsteller, Linguist, Folklorist und Wissenschaftler jesidischen Glaubens. Er gilt als eine der zentralen Säulen der kurdischen Kultur und Wissenschaft in der ehemaligen Sowjetunion (Armenien) und widmete sein gesamtes Leben der Erforschung und Bewahrung des kurdischen Erbes.

Frühes Leben und Flucht

Heciyê Cindî wurde am 18. März 1908 im Dorf Yemençayır (Bezirk Digor) in der Provinz Kars im heutigen Nordkurdistan geboren. Seine Kindheit war geprägt von den Wirren des Ersten Weltkriegs: Die Familie floh nach Armenien. Nach einer kurzen Rückkehr nach Kars im Jahr 1919, wo sie ihr Dorf zerstört vorfand, verlor er seine Eltern und kam gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder in ein von Amerikanern geführtes Waisenhaus (Sêvîxane) in Alexandropol (heute Gjumri).

Bildung und akademischer Aufstieg

Trotz der schwierigen Umstände schloss er seine Schulausbildung im Waisenhaus ab und absolvierte 1929 das Pädagogische Institut. Danach arbeitete er als Lehrer in kurdischen Dörfern Armeniens, wo er begann, sich intensiv mit der kurdischen Sprache zu beschäftigen. Ab 1930 studierte er Linguistik an der Universität Eriwan – im „Goldenen Zeitalter“ der kurdischen Kultur in Sowjet-Armenien wurde er zu einer treibenden Kraft: Er leitete die Literaturabteilung der berühmten kurdischen Zeitung Rêya Taze (Der neue Weg), war von 1930 bis 1937 Leiter der kurdischen Sektion des staatlichen Rundfunks in Armenien und organisierte 1934 die erste große Kurdologie-Konferenz in Eriwan mit. 1940 erlangte er den Doktortitel mit einer Arbeit über das kurdische Epos Ker û Kulikê Silêmanê Silîvî.

Wissenschaftliches Werk und Verfolgung

Heciyê Cindî leistete Pionierarbeit bei der Sammlung kurdischer Folklore. Trotz einer Phase der Unterdrückung in der Stalin-Ära – er war zeitweise inhaftiert, wie viele kurdische Intellektuelle – setzte er seine Arbeit fort. Von 1936 bis 1959 arbeitete er am Institut für Wissenschaft, Sprache und Geschichte und wurde später Professor an der staatlichen Universität Eriwan. Sein Erbe umfasst über 60 Bücher: 8 Lehrbücher und 19 Werke zur kurdischen Sprache für Schulen, 16 Bände über kurdische Volkserzählungen und Lieder sowie den berühmten Roman Hewarî (1967).

Tod und Vermächtnis

Heciyê Cindî verstarb am 1. Mai 1990 in Eriwan. Er hinterließ ein monumentales Werk, das für die kurdische Identität – insbesondere für die Kurden der ehemaligen Sowjetunion – von unschätzbarem Wert ist. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften Armeniens und der irakischen Akademie der Wissenschaften sowie Träger des sowjetischen Ordens der „Völkerfreundschaft“. Seine Ehefrau Zeyneva Îvo war ebenfalls eine bedeutende Intellektuelle.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Heciyê Cindî (1908 – 1990) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Bakur. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Osman Sebrî („Apo Osman“), Samand Siabandov, Cigerxwîn (Şêxmus Hesen), Mehmed Uzun. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.