✒️ Schriftsteller · 1953–2007

Mehmed Uzun

محەممەد ئوزون

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Überblick

Mehmed Uzun war ein herausragender kurdischer Schriftsteller und Intellektueller aus Nordkurdistan. Er gilt als wichtigster Pionier des modernen kurdischen Romans im Kurmancî-Dialekt: Ihm gelang es, die jahrhundertelange mündliche Tradition der Kurden (insbesondere der Dengbêj-Sänger) mit den Techniken der modernen Weltliteratur zu verknüpfen und so eine zeitgenössische kurdische Schriftsprache zu festigen.

Frühes Leben und Verfolgung

Mehmed Uzun wurde am 1. Januar 1953 in Siverek (Provinz Riha/Urfa) geboren – in einer Zeit, in der die kurdische Sprache in der Türkei streng verboten war. Schon früh engagierte er sich politisch für die Rechte seines Volkes und wurde mehrfach inhaftiert. Während seiner Gefängniszeit in den 1970er Jahren begann er – paradoxerweise hinter Gittern –, die kurdische Sprache als Schriftsprache zu kultivieren.

Exil in Schweden

Im Sommer 1977 floh Uzun nach Schweden, da ihm in der Türkei eine lange Haftstrafe drohte. Schweden wurde seine zweite Heimat und das Zentrum seines Schaffens: Er gründete den kurdischen PEN-Club, wurde aktives Mitglied des schwedischen PEN und publizierte auf Kurdisch, Schwedisch und Türkisch.

Literarischer Durchbruch

1985 erschien mit Tu (Du) sein erster Roman; es folgten Klassiker wie Siya Evînê (Im Schatten der verlorenen Liebe) und Ronî mîna evînê, tarî mîna mirinê (Licht wie die Liebe, dunkel wie der Tod), die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Historische Stoffe – etwa das Leben des Intellektuellen Celadet Alî Bedirxan in Bîra Qederê – verwandelte er in packende moderne Prosa. Seine Bedeutung: der Beweis, dass die kurdische Sprache komplexe moderne Romane auf internationalem Niveau hervorbringen kann. 2001 erhielt er den Torgny-Segerstedt-Preis.

Rückkehr und Tod

Nach fast 30 Jahren Exil kehrte Uzun 2005 in die Türkei zurück und wurde begeistert empfangen, unter anderem mit einer großen Ehrung in Erbil durch die Regierung der Region Kurdistan. 2006 wurde Magenkrebs diagnostiziert; trotz Behandlungen in Stockholm und den USA kehrte er heim, um seine letzten Tage in Kurdistan zu verbringen. Er verstarb am 10. Oktober 2007 in Amed (Diyarbakır); sein Begräbnis wurde zu einer der größten Trauerkundgebungen der Stadtgeschichte.

Bibliografie (Auswahl)

Kurdisch: Tu (1985), Rojek ji rojên Evdalê Zeynikê (1987), Mirina Kalekî Rind (1989), Siya Evînê (1989), Destpêka edebiyata kurdî (1992), Antolojiya Edebiyata Kurdî (2 Bände, 1995), Bîra Qederê (1998), Ronî mîna evînê, tarî mîna mirinê (1998), Hawara Dîcleyê (2 Bände, 2001/2003). Deutsch: „Im Schatten der verlorenen Liebe“, „Einführung in die kurdische Literatur“ (St. Gallen 1994). Türkisch: Dengbêjlerim (1998), Zincirlenmiş zamanlar zincirlenmiş sözcükler (2002), Ruhun gökkuşağı.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Mehmed Uzun (1953 – 2007) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Bakur. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Osman Sebrî („Apo Osman“), Heciyê Cindî (Hajiyê Cindî), Samand Siabandov, Cigerxwîn (Şêxmus Hesen). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.