Überblick
Osman Sebrî – ehrfürchtig „Apo Osman“ genannt – war eine der prägendsten Figuren kurdischer Literatur und Nationalbewegung: Dichter, Schriftsteller, Journalist und unermüdlicher Aktivist, der sein Leben dem Kampf für die kurdische Identität und das lateinische Kurmancî-Alphabet widmete.
Herkunft und frühe Tragödien
Osman Sebrî wurde am 5. Januar 1905 im Dorf Narince (Provinz Adıyaman, Nordkurdistan) geboren, aus der Familie der Aghas des Mirdêsî-Stammes. Sein Vater starb früh; sein Onkel Şukrî übernahm die Erziehung. 1922 absolvierte er die osmanische Mittelschule (Rüştîye).
Politisches Erwachen und Flucht
Der Şêx-Seʿîd-Aufstand (1925), an dem sich seine Onkel beteiligten, besiegelte sein Schicksal: Nach der Niederschlagung wurde die Familie enteignet und verfolgt; Osman wurde mehrfach verhaftet und floh 1929 nach Syrien (französisches Mandat), wo er sich in Damaskus niederließ.
Hawar und das lateinische Alphabet
In Damaskus wurde er zur Schlüsselfigur der kurdischen Aufklärung: Als Mitbegründer und wichtiger Autor der legendären Zeitschrift Hawar (1932) entwickelte er gemeinsam mit Mir Celadet Bedirxan die Grundlagen des heutigen kurdischen Lateinalphabets und schrieb auch für Ronahî (1942–1945) – ein Grundstein der modernen kurdischen Kurzgeschichte und Lyrik.
Haft, Engagement und Vermächtnis
Sein Leben war ein permanenter Kampf: Insgesamt 18-mal wurde er verhaftet und gefoltert (u. a. 13-mal in Syrien); 1960 wurde er mit Noureddin Zaza zum Tode verurteilt, kam aber durch internationale Proteste 1961 frei. Er war aktives Xoybûn-Mitglied und 1957 Mitbegründer der PDK-Syrien. Osman Sebrî starb am 11. Oktober 1993 in Damaskus. „Ein Mensch ohne Sprache ist ein Mensch ohne Geist“ – jedes Mal, wenn heute ein Kurde Kurmancî in lateinischen Buchstaben schreibt, nutzt er sein Erbe.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Osman Sebrî (1905 – 1993) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Bakur. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Heciyê Cindî (Hajiyê Cindî), Samand Siabandov, Cigerxwîn (Şêxmus Hesen), Mehmed Uzun. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.