Überblick
Kakay Fellah (kurdisch für „Bruder Bauer“), mit bürgerlichem Namen Mihemmed Mihemmed Emîn, war ein herausragender kurdischer Dichter, Journalist und politischer Aktivist. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der kurdischen Widerstandsliteratur des 20. Jahrhunderts.
Herkunft und Namensgebung
Er wurde 1928 in der Kleinstadt Çwarta (Region Şarbajêr) in der Provinz Slemani geboren und wuchs in einer einfachen, armen Familie auf. Während seiner Schulzeit in Slemani begann sein politisches Engagement. Seinen Künstlernamen erhielt er durch Zufall: Bei einer Kundgebung 1947 in Slemani rezitierte er ein revolutionäres Gedicht über die unterdrückten Schichten – „…der Pflüger und der Bruder Bauer (Kakay Fellah) deiner geplünderten Fronten…“ Das Volk von Slemani gab ihm daraufhin diesen Namen.
Kampf und Gefangenschaft
Kakay Fellah widmete sein Leben dem Kampf gegen die Unterdrückung und wurde mehrfach inhaftiert: 1948 wegen Teilnahme am „Wathbah“-Aufstand gegen das britisch-irakische Bündnis – er verbrachte Zeit in den berüchtigtsten Gefängnissen des Irak (Bagdad, Kut, Nasiriya, Abu Ghraib). In der Dunkelheit der Zelle schrieb er sein berühmtes Gedicht an die Freiheit: „Freiheit, ich bete dich an, du bist meine einzige Geliebte…“ Später wurde er erneut zu fünf Jahren Haft und drei Jahren Hausarrest verurteilt. Diese Jahre prägten seine Lyrik über Standhaftigkeit und den „dornigen Pfad“ zur Freiheit.
Journalistisches und literarisches Wirken
Nach dem Rückzug aus der aktiven Parteipolitik widmete er sich ganz der Literatur und dem Journalismus. Seine bedeutendste kulturelle Leistung war die Wiederbelebung der von Pîremêrd gegründeten Zeitung Jîn im Jahr 1970, die er vier Jahre lang fortführte – ein gerettetes Stück kurdischer Pressegeschichte. Er war zudem Pionier der kurdischen Kinderliteratur (Sammlungen wie Çro/Knospe und Srûd/Hymne) und übersetzte Weltliteratur ins Kurdische, darunter König Ödipus.
Tod und Vermächtnis
Kakay Fellah verstarb am 9. Oktober 1990 in Slemani im Alter von 62 Jahren und wurde auf dem Friedhof Girdî Seywan beigesetzt. Sein Werk ist geprägt von tiefer Menschlichkeit und der Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit. In einem seiner letzten Gedichte schrieb er: „Es ist Nacht in der Welt / Der Schmerz ist wie ein Schwarm Wespen aufgestiegen / Der Schlaf ist aus den Augen gewichen / Ich frage mich, wessen Lebensstern wohl gerade erloschen ist?“ Wichtige Werke: Legel Şepolekan (1967), Dîwanî Kakay Fellah (1980), Karwanî Honraway Nwêy Kurdî, Çolekey Pasarî (1983).
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Kakay Fellah (1928 – 1990) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Şarî (Alî Arif Axa), Ewnî (Osman Habîb Ebdulła), Ahmed Hardi (Ahmed Hasan Beg), Dr. Abid Sirajedînî Naqshbandî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.