Überblick
Ewnî, mit bürgerlichem Namen Osman Habîb Ebdulła, war ein bedeutender kurdischer Dichter und ein leidenschaftlicher Vorkämpfer für die nationale Befreiungsbewegung Kurdistans. Seine Werke sind tief in der Sehnsucht nach Unabhängigkeit und der Ablehnung von Unterdrückung verwurzelt.
Frühes Leben und Bildung
Ewnî wurde 1914 im Viertel Befriqendî in der Stadt Koya geboren. Sein Bildungsweg war von Hindernissen geprägt: Er begann erst 1927 mit der Schule; als sein Vater starb, während er in der fünften Klasse war, musste er die Schule verlassen, um den Laden des Vaters zu führen und die Familie zu ernähren. Sein Streben nach Wissen gab er nicht auf: Er studierte Religionswissenschaften und arabische Grammatik bei Mela Mihemed (bekannt als der Dichter Dilawer), lernte anderthalb Jahre persische Sprache und Literatur bei Mela Ehmedî Reş und schloss mit Hilfe enger Freunde privat den Stoff der sechsten Grundschulklasse ab. Sein nationales Bewusstsein prägten intellektuelle Lehrer in Koya wie Salih Qeftan und Ali Axa, die den Geist des kurdischen Patriotismus unter den Schülern verbreiteten.
Politischer Aktivismus
Ewnî trat bereits in den 1930er Jahren der kurdischen Nationalbewegung bei. In den frühen 1940er Jahren wurde er aktives Mitglied der Hîwa-Partei; nach der Gründung der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) 1946 schloss er sich dieser an und blieb ihr loyal. Wegen seiner politischen Überzeugungen wurde er mehrfach inhaftiert, darunter im Februar 1963 und 1965 für sieben Monate im Gefängnis von Erbil.
Das literarische Werk
Ewnîs Poesie ist ein Ruf nach Freiheit; klassische Liebesgeschichten lehnte er oft zugunsten der nationalen Erzählung ab. In einem Gedicht heißt es: „Erzähl mir nicht die Legenden von Qais und Leila, o Rivale / Ich will das Epos von Zîn und Mem, Şîrîn und Ferhad. / Ich will die Erben von Şêx Mehmûd und Şêx Saîd / Ich will den Palast von Simko Şikak und Qazî Mihemed.“ Seine Lyrik behandelte Unabhängigkeit (ein freies, souveränes Kurdistan), Widerstand (bewegende Klagelieder auf den Tod von Qazî Mihemed – der Galgen könne das kurdische Volk nicht einschüchtern) und nationale Einheit: Ein wichtiges Motiv des Spätwerks ist die Warnung vor dem Bruderkrieg (Şerrî Brakujî) und die Notwendigkeit innerkurdischer Versöhnung. Sein Erbe erschien in zwei Bänden als Dîwanî Ewnî.
Tod und Vermächtnis
Nach Jahren der Krankheit verstarb Ewnî am 20. Juli 1992 in Koya und wurde auf dem Friedhof Baskî Erebyan beigesetzt. Er hinterließ das Vermächtnis eines Dichters, der seine Feder stets in den Dienst der Freiheit seines Volkes stellte.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Ewnî (1914 – 1992) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Şarî (Alî Arif Axa), Mela ʿEbdulkerîmê Muderris (Namî), Ibrahîm Ehmed („Blê“), Lutfî (Şêx Letîf). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.