Überblick
Mela Kerîm Fidayî, auch bekannt als Mela Kerîmî Hunermend, war ein herausragender kurdischer Dichter, Religionsgelehrter und Folklorist des 20. Jahrhunderts. Er widmete sein Leben der Bewahrung des mündlichen kurdischen Erbes (Beit) und der Erhebung der kurdischen Sprache zu einem literarischen Denkmal.
Herkunft und die Jahre als Wanderstudent
Mela Kerîm wurde 1928 (1307 SH) im Dorf Sîsêr in der Region Gewrk bei Serdeşt geboren. Er entstammte einer einfachen Bauernfamilie; sein Vater Ismael war Analphabet, hegte jedoch den tiefen Wunsch, dass sein Sohn durch Bildung das „Licht der Wissenschaft“ in die Dunkelheit des Lebens tragen solle. Seine Ausbildung war geprägt von der klassischen Tradition des Feqê (Wanderstudent): Über 18 Jahre zog er von Dorf zu Dorf, litt oft Hunger und bittere Armut, um bei den besten Gelehrten zu studieren. 1953 erhielt er seine offizielle Lehrbefugnis (Ijaza) von Mela Ahmedê Heyderî in Bane.
Das Leben in Kawlan
Nach einigen Jahren in Nistan ließ er sich 1958 im malerischen Dorf Kawłanî Serê (Ober-Kawlan) nieder. Er blieb dort 34 Jahre bis zu seinem Tod und wurde zu einer zentralen moralischen und intellektuellen Instanz der gesamten Region – er teilte Freud und Leid mit der Landbevölkerung und verband seine religiöse Pflicht stets mit dem Dienst an der kurdischen Nation.
Literarisches Schaffen
Fidayî begann mit 16 Jahren zu dichten. Sein Desdên (Divan) versammelt Ghaselen und Qasiden mit persönlichen Gefühlen, Naturbeschreibungen und patriotischen Ansichten. Früh erkannte er, dass die mündlichen kurdischen Epen (Beit) mit dem Tod der alten Sänger verloren gehen würden: In zehnjähriger Forschungsarbeit sammelte er die Fragmente des Epos Las û Xezal und goss sie in ein kunstvolles Gedicht von 4.700 Versen – in der Tradition von Ehmedê Xanî. In seinen letzten Lebensjahren verfasste er sein monumentales Dmdmname: In über 7.000 Versen verewigte er den Widerstand von Emîrxan Lepzêrîn bei der Belagerung der Festung Dimdim – geschrieben unter dem Schatten seiner Krebserkrankung als „letztes Geschenk“ an sein Volk.
Patriotismus und Schutz der Sprache
Mela Kerîm war ein Visionär des kulturellen Widerstands. In einer Zeit, in der das kurdische Buch oft verfolgt wurde, band er seine kurdischen Manuskripte in grüne Einbände und stellte sie im Gebetsraum auf das Regal für den Koran – wissend, dass Besatzer es nicht wagen würden, ein Buch zu entweihen, das wie ein religiöser Text aussah. Bekannte religiöse Texte zu übersetzen lehnte er oft ab: „Religiöse Bücher gibt es genug. Aber unsere Kunst, unsere Folklore und unsere Sprache liegen im Sterben. Wir müssen dienen, wo die Not am größten ist.“
Tod und Vermächtnis
Gegen Ende seines Lebens kämpfte Mela Kerîm gegen den Krebs. Er verstarb in der Nacht des 25. März 1993 (5. Xakelêwe 1372 SH) in seinem geliebten Kawłanî Serê. Sein Grab auf einem Hügel über dem Dorf ist heute ein Ort des Gedenkens; auf dem Grabstein steht: „Ruhestätte des hochrangigen Lehrers der kurdischen Literatur, Mela Kerîmî Hunermend, bekannt als Fidayî.“
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Mela Kerîm Fidayî (1928 – 1993) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbas Heqîqî, Şpirze (Şêx Nafîʿ Mezher), Mela Kerîm Sardekosanî, Hêdî (Xalîd Hisamî). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.