Die Reiche im Detail شانشینەکان
Über drei Jahrtausende lösten sich im Bergland nördlich Mesopotamiens Völker und Reiche ab — von den Gutäern bis zu den Karduchen. Hier die wichtigsten im Porträt, mit Datierung und Quellen.
Frühe Bergvölker (3.–2. Jt. v. Chr.)
Gutäer
گوتیca. 2200–2100 v. Chr.
Ein Bergvolk aus dem Zagros, das nach dem Niedergang des Reichs von Akkad zeitweise über Teile Südmesopotamiens herrschte. In sumerischen Texten erscheinen sie als gefürchtete Eroberer.
- Stürzten die letzten Akkad-Könige und stellten eine eigene Dynastie.
- Wurden um 2100 v. Chr. von Utu-ḫengal von Uruk vertrieben.
- Sprache (Gutäisch) kaum bekannt; nicht indoiranisch — eine direkte Kurden-Verbindung gilt als unwahrscheinlich.
Zagrosgegen Akkad
Lullubäer
لۆلۆبیab ca. 2400 v. Chr.
Nachbarn der Gutäer im westlichen Zagros (heute etwa Region Sulaimaniyya). Berühmt durch das Felsrelief von Sarpol-e Zahab des Königs Anubanini.
- Gegner der Akkad-Könige Sargon und Naram-Sin.
- Das Anubanini-Relief gehört zu den ältesten Denkmälern der Region.
westlicher ZagrosFelsrelief
Hurriter & Mitanni (2.–1. Jt. v. Chr.)
Hurriter
هۆریab ca. 2300 v. Chr.
Eine große Sprach- und Kulturgruppe Nordmesopotamiens und Ostanatoliens. Ihre Sprache (Hurritisch) ist mit dem Urartäischen verwandt, gehört aber nicht zu den indoeuropäischen Sprachen. In der Forschung wird „Subartu" oft mit dem hurritischen Umfeld in Verbindung gebracht.
- Bildeten die Bevölkerungsbasis vieler Kleinstaaten und später Mitannis.
- Reiche religiöse und literarische Überlieferung (z. B. Hymnen aus Ugarit).
SprachgruppeUrartäisch verwandt
Mitanni
میتانیca. 1550–1350 v. Chr.
Das mächtigste Reich der Region in der späten Bronzezeit: ein hurritischsprachiger Staat mit einer indoarischen Oberschicht. Hauptstadt war Waššukanni am Oberlauf des Ḫabur.
- Kriegerelite Maryannu — berühmte Streitwagenkämpfer; Pferdetraining-Texte mit indoarischen Fachwörtern (Farben, Zahlen).
- Auf der Höhe (14. Jh. v. Chr.) reichte der Einfluss vom Mittelmeer bis zum Zagros.
- Endete, als die Hethiter Waššukanni eroberten und später Assyrien das Reich annektierte.
Hauptstadt WaššukanniMaryannuStreitwagen
Antike Bergvölker (1. Jt. v. Chr.)
Karduchen (Kardúchoi)
کاردۆخum 401 v. Chr.
Beschrieben von Xenophon in der Anabasis: ein unbeugsames Bergvolk nördlich des Tigris, das den „Zug der Zehntausend" griechischer Söldner bei deren Rückzug schwer bedrängte. Sie lebten in wohlversorgten Dörfern von Ackerbau, Weinbau und Viehzucht.
- Widersetzten sich der persischen Großmacht; um 400 v. Chr. nicht mehr unter achämenidischer Kontrolle.
- Aus ihrem Gebiet ging später das Königreich Gordyene (Korduene) hervor.
- Häufig als mögliche Vorfahren der Kurden genannt — eine beliebte, aber nicht gesicherte Gleichsetzung.
Xenophon, Anabasis→ Gordyene
Kyrtier (Cyrtii)
کیرتیca. 3.–2. Jh. v. Chr.
Bei den antiken Autoren Polybios, Livius und Strabon erwähntes Bergvolk, bekannt als Schleuderer-Krieger. Viele Sprachwissenschaftler halten die Kyrtier sprachlich für die wahrscheinlicheren Vorfahren der Kurden — der Name „Kurde" wird oft mit „Cyrtii" verbunden.
- Indoiranischer Hintergrund passt sprachlich zum heutigen Kurdischen.
- Zeigt: Die Herkunftsfrage hat mehrere konkurrierende Spuren.
Polybios · Strabonindoiranisch
Wichtig: Diese Reiche folgten zeitlich aufeinander, aber „A wird zu B" ist eine Vereinfachung. Bevölkerungen, Sprachen und Herrschaften überlagerten sich. Welche Linie wirklich zu den heutigen Kurden führt, ist Gegenstand der Forschung — siehe Forschung & Kontroverse.
Quellen
- Xenophon: Anabasis, Buch IV (Karduchen).
- Encyclopaedia Iranica, Art. „Carduchi" und „Cyrtians".
- Britannica / World History Encyclopedia, Art. „Mitanni".
- I. J. Gelb: Hurrians and Subarians, 1944.
- Wikipedia, Art. „Gutian people", „Lullubi", „Hurrians", „Mitanni", „Gordyene".
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