Siyaçemane – Chopy Fatah
Eine Hommage an eine der ältesten Traditionen der kurdischen Musik: das Siyaçemane aus den Bergen von Hawraman. Chopy Fatah erzählt vom Frauenbrunnen, den wartenden jungen Männern und der Stimme, die im dunklen Tal kein Ende findet – der uralte Stil in moderner, melodischer Gestalt. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Anmerkung: Chopy mischt Soranî mit Hawrami-Einflüssen (kina = Mädchen); der Refrain wird nach jeder Strophe wiederholt.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| سیاچەمانە | siyaçemane | „schwarze Augen“ – zugleich der uralte Gesangsstil Hawramans |
| کانی ژنانە | kanî jinane | der Frauenbrunnen des Dorfes |
| قیبلە | qîble | Gebetsrichtung – übertragen: Ziel der Sehnsucht |
| هەورامان | Hewraman | Bergregion zwischen Irak und Iran, Wiege kurdischer Kultur |
| کاکۆڵ | kakol | Haarlocke, Stirnlocke |
| عەجوول | ’ecûl | ungeduldig, eifrig |
| هەیاسە | heyase | (Trachten-)Gürtel |
| ئامان | aman | Ausruf des Staunens, „Ach!“ |
| کڵپە | kilpe | Flamme, Lodern |
| چەم | çem | Tal, Flusstal – im Hawrami auch: Auge |
| کنا | kina | Mädchen (Hawrami) |
Literarische Analyse
Das Wort hat zwei Bedeutungen: wörtlich „schwarze Augen“ (siya = schwarz, çem = Auge im regionalen Dialekt) – und musikalisch der uralte Gesangsstil Hawramans, meist ohne Instrumente, mit kraftvollen, kehligen Tönen und fast mystischer Atmosphäre.
Der Brunnen war in der traditionellen Dorfkultur der zentrale soziale Treffpunkt – für junge Männer oft die einzige Gelegenheit, die Angebetete aus der Ferne zu sehen. Daher die „Qibla“ der Verliebten: das Ziel, zu dem sich alle Blicke richten.
Die Region gilt als eine der Wiegen der kurdischen Kultur: stufenförmig an die Berge gebaute Häuser, enge Verbundenheit zur Natur – im Lied das „Beheştî ’Eşq“, das Paradies der Liebe.
Der universelle Ausruf der kurdischen und orientalischen Musik: „Gnade“, „Hilfe“ – oder einfach das tiefe „Ach!“, wenn einen die Schönheit eines Menschen überwältigt: Er „entflieht dem Nest des Mundes“ von selbst.
Kina ist das Hawrami-Wort für Mädchen, Leyl die klassische Geliebte der orientalischen Literatur: Chopy mischt Soranî mit Hawrami-Einflüssen und wahrt so die Authentizität der Region.
Der uralte, für Außenstehende oft rohe Stil in charmanter, moderner Erzählung: Dorfleben, Romantik am Abend und die Schönheit der Berge – ein Lied voller Stolz auf die eigene Herkunft und Freude an der Natur.
Goran: „Goranî“ – aus Geşt le Hewraman
Auch die klassische Dichtung verneigte sich vor dem Siyaçemane: Goran (1904–1962), der Erneuerer der kurdischen Lyrik, besang es in seinem Zyklus «گەشت لە هەورامان» (Geşt le Hewraman – Reise in Hewraman) aus dem Band «فرمێسک و هونەر» (Firmêsk û Huner – Tränen und Kunst). «Kina Leyl» ist ein berühmter Hawrami-Liedruf (kina = Mädchen, Hawrami – vgl. Vokabeln): „Mädchen Leyl“.
