Meqsed Nameʿlûm (Ziel unbekannt) – Aras Ajhand
Hewramî-Lied über die Suche nach der verschwundenen Geliebten – Text des Dichters Şehriyar Tewfîqî (شەریار تەوفیقی), gesungen von Aras Ajhand. Kleingedruckt: vereinfachte Umschrift.
Literarische Analyse
Die „Wüste ohne Spuren“ (biyaban bê şon) steht gegen die Alm (hewar): Die Wüste ist die aktuelle Orientierungslosigkeit, die Alm die verlorene Zeit des Glücks im vergangenen Jahr. Dass der Dichter den „Pfad des letzten Jahres“ küsst, ist tiefste Nostalgie – er verehrt die Orte, die die Geliebte einst berührte, weil er ihren jetzigen Ort nicht mehr kennt.
„Die Freude hat sich von den Bergen abgewandt“ – in der Gebirgskultur ist die Almzeit die Zeit der Geselligkeit und Liebe. Wadeş nemenen („die Zeit ist vorüber“) meint nicht nur die Jahreszeit, sondern den unwiederbringlichen Verlust des gemeinsamen Glücks; die Natur wird Zeugin des Leids.
Die Ketten (zencîr) beschreiben die totale Lähmung des Liebenden – Liebe als Gefangenschaft ohne Entrinnen, das Stöhnen (nałe) als einzige verbliebene Ausdrucksform.
Brauen als Bogen, Wimpern als Pfeile, das Herz als Beute (neçîr) – die klassische Bildsprache der kurdischen Dichtung, durch den persönlichen Ton neu verdichtet.
Das Gedicht endet in totaler Hingabe: Die Geliebte ist teskîn (Trost, Linderung) – Ursache des Schmerzes und zugleich seine einzige Medizin (min her tom henî). Die Suche nach ihr wird zur Suche nach dem verlorenen Sinn in einer Welt, die ihre Freude und ihre Spuren verloren hat – Hewramî-Tradition, meisterhaft in die Moderne geführt.
