Überblick
Mela Xelîl, bekannt unter seinem Künstlernamen Muxlis, war ein bedeutender kurdischer Geistlicher, Gelehrter und Dichter aus der Region Erbil (Hewlêr). Er war ein Meister der klassischen Poesie und ein angesehener Lehrer der Logik und Theologie.
Herkunft und Ausbildung
Muxlis wurde 1910 in der Gegend von Kendênawa (Dorf Şôrezertke) nahe Erbil geboren und gehörte dem Sinjawî-Stamm an. Sein Vater starb, als Xelîl fünf Jahre alt war; seine Mutter übernahm die Erziehung. Die Ausbildung begann in einer traditionellen Koranschule (Hujra) bei seinem Onkel. Auf der Suche nach Wissen reiste er als „Feqê“ (Schüler) durch zahlreiche Dörfer der Regionen Erbil und Mexmûr (u. a. Kendal, Pîrdawd, Trpespiyan). 1944 erhielt er in Erbil die offizielle Erlaubnis zur Ausübung des Mullah-Amtes (Ijazah) von Mela Salih Gözepanke.
Künstlername und Sufismus
In seinen frühen Jahren schrieb er unter dem Pseudonym Wafî. 1944 wählte er den Namen Muxlis (der Aufrichtige) und trat dem Naqschbandi-Sufi-Orden bei, initiiert durch Şêx Mustafa Herşemî.
Lebensweg und Lehrtätigkeit
Muxlis wirkte an verschiedenen Orten als Imam und Lehrer: In Dûsere trat er die Nachfolge seines Onkels als Dorfmullah an. In den 1960er Jahren zog er nach Falludscha im Zentralirak, wo er an der Großen Moschee insbesondere die Wissenschaft der Logik (Mantiq) lehrte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Xaneqa (Sufi-Zentrum) von Şêx Mustafa in Şeqławe, wo er sich ganz dem spirituellen Leben und dem Schreiben widmete.
Literarisches Werk
Muxlis hinterließ ein umfangreiches Erbe in kurdischer und arabischer Sprache; viele Werke wurden erst 2022–2023 veröffentlicht. Zu den kurdischen Werken zählen Baxî Lawan (Garten der Jünglinge, sein Diwan), Mewlûdname (über die Geburt des Propheten), Hijretname (über die Auswanderung des Propheten), Dîn û Dunya (sozialkritische und religiöse Schriften) und Kakley Eqîdey Kurdî (Kern des kurdischen Glaubens). Auf Arabisch verfasste er theologische und juristische Abhandlungen, darunter Mawaid al-Fawaid und Al-Khutab al-Minbariya.
Poesie und Themen
Seine Dichtung hat eine enorme Bandbreite: Patriotismus – in Gedichten wie Tebayî (Einigkeit) drückte er die Sehnsucht nach einem geeinten, fortschrittlichen Kurdistan aus; Sozialkritik – er beklagte den Verfall von Moral und Bildung und kritisierte die Korruption der Mächtigen (etwa im Gedicht Memleket); Sufismus und Liebe – seine Lyrik ist oft von tiefer spiritueller Sehnsucht und der Symbolik der klassischen Liebe (Leyla und Mecnûn, Ferhad und Şîrîn) geprägt.
Tod und Vermächtnis
Mela Xelîl Muxlis verstarb am 5. Juni 1985 in einem Krankenhaus in Erbil an den Folgen einer Krebserkrankung. Gemäß seinem letzten Willen wurde er auf dem Friedhof von Pîrdawd beigesetzt.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Muxlis (1910 – 1985) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Lutfî (Şêx Letîf), Şêx Muhemmedî Hilmî, Samî Ewdal (Hussain kurî Baba Rasul), Şarî (Alî Arif Axa). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.