📜 Dichter · 1968–2020

Jakaw (Naser Axabra)

ناسر ئاغابرا

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Überblick

Naser Axabra, in der literarischen Welt als Jakaw (kurdisch für „der Welke“ oder „der Betrübte“) bekannt, war ein herausragender kurdischer Dichter und Schriftsteller aus Ostkurdistan. Trotz seiner vollständigen Erblindung in früher Kindheit wurde er zu einer prägenden Stimme der kurdischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts – die leuchtende Seele der kurdischen Poesie.

Frühes Leben und Schicksalsschlag

Naser wurde am 11. September 1968 im Dorf Berdereşan bei Mahabad in einer Bauernfamilie geboren. Bis zum dritten Lebensjahr verlief seine Entwicklung normal, doch eine schwere Maserninfektion führte zum vollständigen Verlust seines Augenlichts. Über diesen Wendepunkt sagte er später: „Ich gewöhnte mich an die dunkle Welt, aber ich vergaß das Licht nie. Ich betrachtete das Licht wie ein Land, das ich einst verlassen hatte.“

Bildungsweg und Beharrlichkeit

Seine Schullaufbahn begann in der Dorfschule; für die weiterführende Schule zog er nach Mahabad, unterstützt durch Privatlehrer, die ihn in Brailleschrift in Mathematik, Arabisch und Englisch unterrichteten. Schon als Schüler gewann er landesweite Gedichtwettbewerbe im Iran. Sein Studium der Persischen Sprache und Literatur an der Islamischen Azad-Universität in Mahabad schloss er mit dem Bachelor ab.

Literarische Entwicklung

Jakaw begann bereits in der Grundschule, Gedichte auf Persisch zu verfassen. Der Wendepunkt für sein kurdisches Schaffen war 1985, als Hêmin Mukriyanî sein Talent erkannte und seine ersten Werke in der Zeitschrift Sirwe veröffentlichte. Sein Stil wandelte sich signifikant: Zu Beginn Romantik – die Schönheit der Natur und der Liebe –, später nahmen seine Gedichte einen patriotischen, kämpferischen Charakter an; er wurde ein bedeutender Dichter der kurdischen Widerstandsliteratur (Edebiyatî Bergirî), markant etwa sein Gedicht über das Qendîl-Gebirge.

Kulturelles Engagement

Er war aktives Mitglied des Literaturrats von Mahabad, lehrte an der Payame-Noor-Universität und arbeitete jahrelang als Autor und Sprecher für den lokalen Rundfunk in Mahabad; regelmäßig arbeitete er mit Zeitschriften wie Sirwan, Mahabad und Amanc zusammen.

Tod und Vermächtnis

Naser Axabra verstarb am 5. April 2020 im Alter von nur 52 Jahren an einem Herzstillstand in Mahabad und wurde auf dem Friedhof der Dichter und Gelehrten beigesetzt. Berühmt wurde sein Gedicht Kanî Kanî (Quelle, o Quelle), das durch Nasir Rezazî und Merziye Feriqî zu einem Klassiker der kurdischen Musik wurde. Werke: Kejawey Dil (Die Sänfte des Herzens), Trîfey Awat (Der Glanz der Hoffnung), Kolare (postum vorbereitet).

Kanî Kanî (Quelle, o Quelle)

Durch Nasir Rezazî und Merziye Feriqî vertont – ein Klassiker der kurdischen Musik (Auszug, deutsche Wiedergabe).

Deutsch
Wann immer ich an die Sehnsüchte meiner Jugendtage denke,
komme ich allein zur Quelle, um meine Wunden zu heilen.
Ich schütte den Kummer meines Herzens in ihre kleinen Wellen
und singe ihr jenes Lied als Lawik oder Goranî:
Quelle, o Quelle, du bist der Ort, an dem sich die Feen treffen,
du bist der Spiegel des Himmels,
du bist das Herzblut der harten und hohen Berge.
Ich wünschte, das, was ich weiß, wüsstest auch du.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Jakaw (1968 – 2020) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Jelal Meleksha (Jelal Rehîmî Melekshan), Hêdî (Xalîd Hisamî), Mihemmed Mukrî (Mohammad Mokri), Mela Ebdulrehman Fatihî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.