📜 Dichter · 1947–1989

Dilshad Merîwanî

دڵشاد مەریوانی

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Überblick

Dilshad Merîwanî, mit bürgerlichem Namen Dilshad Mihemmed Emîn Fettah, war ein vielseitiger kurdischer Intellektueller – Dichter, Schriftsteller, Journalist, Lehrer und Schauspieler. Er wurde zum Symbol des kulturellen Widerstands gegen das Baath-Regime, das ihn wegen seiner Bemühungen um die Modernisierung der kurdischen Schrift hinrichtete – der Märtyrer des kurdischen Wortes und des lateinischen Alphabets.

Herkunft und Ausbildung

Dilshad wurde am 28. März 1947 in Slemani geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus dem Dorf Kał (Süd-Merîwan) in Ostkurdistan und war in den 1930er Jahren nach Südkurdistan eingewandert. Nach der Schulausbildung in Slemani studierte er ab 1968 kurdische Sprache und Literatur an der Universität Bagdad (Bachelor 1972). Schon als Student war er politisch hochaktiv, in der Studentenunion wie im kurdischen Widerstand.

Pädagogisches Wirken

Dilshad war ein leidenschaftlicher Lehrer. 1974, während der Wirren der September-Revolution, als viele Professoren Slemani verließen, gehörte er zu denen, die blieben und den Studenten ehrenamtlich Vorlesungen hielten, damit sie ihr Studienjahr nicht verloren. Ab 1976 arbeitete er als Kurdischlehrer an der Sarchinar-Mittelschule in Slemani. Im selben Jahr heiratete er die bekannte Dichterin Shirin Kemal, mit der ihn eine tiefe intellektuelle und emotionale Partnerschaft verband.

Die Tat, Verhaftung und Hinrichtung

Merîwanî war ein Verfechter des lateinischen Alphabets für die kurdische Sprache – für ihn der Schlüssel zur Modernisierung und zum Anschluss an die Weltliteratur. Er begann, seinen Schülern heimlich das kurdisch-lateinische Alphabet beizubringen, was das Baath-Regime als staatsfeindlich einstufte. Am 9. Dezember 1988 wurde er in Slemani verhaftet; am 13. März 1989 wurde er in den Räumlichkeiten des Sicherheitsdienstes von Slemani hingerichtet. Berichten zufolge trat er seinem Scharfrichter stolz entgegen: Als man ihm befahl, den Kopf zu senken, hielt er ihn erhoben. Sein Tod löste große Bestürzung in der kurdischen Intellektuellenszene aus.

Künstlerisches und literarisches Erbe

Merîwanî hinterließ ein reiches Werk aus Lyrik, Prosa und Theater: Fermêsk û Zerdexene (Tränen und Lächeln, Gedichte 1968), Dildaranî Şoriş (Die Liebenden der Revolution, Erzählungen 1973), Bbin be Tîşk (Werdet zu Lichtstrahlen, Gedichte 1976), Dêr Yasîn (Erzählung 1978) und Symphonyay Wenewşe (Symphonie der Veilchen, Gedichte 1980). Als Schauspieler wirkte er in den Stücken Lanewazan (1973) und Prdî Włat (1974) mit; 1972 spielte er die Hauptrolle im Kurzfilm Jiyanî Şwan (Das Leben eines Hirten) der Universität Slemani. Nach dem Aufstand von 1991 erschienen seine gesammelten Werke und sein Roman Yadaştî Hawrêkem (Tagebuch meines Freundes) postum.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Dilshad Merîwanî (1947 – 1989) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Lutfî (Şêx Letîf), Şarî (Alî Arif Axa), Ewnî (Osman Habîb Ebdulła), Ahmed Hardi (Ahmed Hasan Beg). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.