📜 Dichter · 1918–1948

Dildar (Yûnis Reʾûf)

دڵدار

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Überblick

Dildar, mit bürgerlichem Namen Yûnis Reʾûf, war ein bedeutender kurdischer Dichter, Jurist und politischer Aktivist. Er ist der Schöpfer von Ey Reqîb, dem Gedicht, das zur Nationalhymne Kurdistans wurde. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er ein monumentales Erbe, das die kurdische Identität bis heute prägt.

Frühes Leben und Ausbildung

Dildar wurde am 20. Februar 1918 in der Stadt Koya geboren. Wegen der beruflichen Versetzung seines Vaters, der im Standesamt arbeitete, verbrachte er einen Teil seiner Kindheit in Ranya – über diese Zeit schrieb er später, dass er trotz gesundheitlicher Probleme die Natur von Ranya liebte, besonders das Schwimmen im Fluss und das Leben unter den Weidenbäumen. Nach der Grundschulzeit in Ranya und Koya besuchte er das Gymnasium in Kirkuk (Abschluss 1940) und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Bagdad. 1945 erhielt er seinen Abschluss und begann als Anwalt zu arbeiten.

Politischer Aktivismus

Schon während des Studiums in Bagdad engagierte sich Dildar politisch und trat der Hîwa-Partei bei. Wegen seines Einsatzes für die Rechte des kurdischen Volkes wurde er mehrfach inhaftiert. Seine politischen Erfahrungen und das Leid seines Volkes flossen direkt in seine leidenschaftliche Poesie ein.

Literarisches Schaffen

Sein erstes Gedicht veröffentlichte Dildar 1935 in der Zeitschrift Rûnakî. Tief beeinflusst war er von zwei großen kurdischen Dichtern: Von Nalî lernte er die Ästhetik und die Kunst der lyrischen Liebe; Hacî Qadirî Koyîs patriotische und soziale Themen weckten in ihm den Wunsch, die Kunst als Werkzeug für den nationalen Befreiungskampf zu nutzen. Daneben las er die Werke von Wefayî, Kurdî, Fayeq Bêkes und Pîremêrd, die seinen Stil weiter verfeinerten. Zu seinen wichtigsten Werken zählen neben Ey Reqîb seine Memoiren Bîrewerîyekanî Yûnis Reʾûf Dildar, die Abhandlung Zimanî Kurdî û Edebiyat, der sozialkritische Essay Narkozî Komełayetîman und die Erzählung Ebdulla û Ebdulrehman.

Tod und Vermächtnis

Dildar verstarb viel zu früh am 20. Oktober 1948 im Alter von nur 30 Jahren an den Folgen einer Herzerkrankung in Erbil. Er wurde in seiner Geburtsstadt Koya auf dem Friedhof „Kekon“ beigesetzt. Sein „Ey Reqîb“ wurde 1946 zur Hymne der Republik Mahabad erklärt und ist heute die offizielle Nationalhymne der Region Kurdistan.

Ey Reqîb (O Feind!)

1946 Hymne der Republik Mahabad, heute offizielle Nationalhymne der Region Kurdistan.

Soranî · Deutsch
ئەی ڕەقیب ھەر ماوە قەومی کورد زومان
O Feind! Das kurdische Volk mit seiner Sprache lebt noch immer,
نایشکێنێ دانەیی تۆپی زەمان
die Kanonenkugeln der Zeit können es niemals bezwingen.
ئێمە ڕۆڵەی ڕەنگی سوور و شۆڕشین
Wir sind die Kinder der roten Farbe und der Revolution,
سەیری کە خوێناوییە ڕابووردوومان
sieh nur her, unsere Vergangenheit ist blutig gezeichnet.
ئێمە ڕۆڵەی میدیا و کەی خوسرەوین
Wir sind die Kinder der Meder und des Kay Khosrow,
دینمان ئایینمانە ھەر نیشتمان
unser Glaube, unser Credo ist einzig die Heimat.
کەس نەڵێ کورد مردوە کورد زیندووە
Keiner sage, die Kurden seien tot, die Kurden leben,
زیندووە ھیچ نانەوێ ئاڵاکەمان
sie leben, und niemals wird unsere Fahne sinken.
چەند ھەزار لاوانی کوردی نەڕڕەشێر
Viele tausend kurdische Jünglinge, tapfer wie brüllende Löwen,
بوون بە قوربانی و ھەموویان نێژران
wurden geopfert und alle in dieser Erde zur Ruhe gebettet.
لاوی ئێستاش حازر و ئامادەیە
Doch die Jugend von heute steht bereit und ist gerüstet,
جانفیدانە جانفیدانە جانفیدان
opferbereit, voller Hingabe, bis in den Tod.
لاوی کورد ھەڵسانە سەرپێ وەک دلێر
Die kurdische Jugend ist aufgestanden wie die Tapferen,
سا بە خوێن نەقشی دەکەن تاجی ژیان
mit ihrem Blut zeichnen sie nun die Krone des Lebens.
کەس نەڵێ کورد مردووە کورد زیندووە
Keiner sage, die Kurden seien tot, die Kurden leben,
زیندووە ھیچ نانەوێ ئاڵاکەمان
sie leben, und niemals wird unsere Fahne sinken.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Dildar (1918 – 1948) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Pîremêrd (Hacî Tofîq Beg), Zîwer (Abdullah Mela Rasul), Bêxud (Mela Mehmûdî Muftî), ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.