Städtenamen-Lexikon ناوی شارەکان

Was bedeuten die Namen kurdischer Städte — und wann entstanden sie? 35 gut dokumentierte Beispiele aus allen vier Teilen. Unsichere Herleitungen sind klar gekennzeichnet, denn Ortsnamenkunde ist oft strittig.

Legende: ✓ belegt = in Quellen gut dokumentiert · ≈ Deutung = plausibel, aber nicht gesichert · 🗣 Volksetymologie = beliebte, wissenschaftlich nicht haltbare Erklärung.

Hewlêr ھەولێر

✓ belegt

amtlich: Erbil · Irak

Name: Akkadisch Urbilum/Arba-ilū; die akkadische Volksetymologie verstand den Namen als „Vier-Götter(-Stadt)“.

Entstehung: Erster Beleg um 2300 v. Chr. – eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt.

Silêmanî سلێمانی

✓ belegt

amtlich: as-Sulaimaniyya · Irak

Name: Benannt nach Silêman Pascha Baban, dem Vater des Stadtgründers.

Entstehung: 1784 von Ibrahîm Pascha Baban als neue Baban-Hauptstadt gegründet.

Kerkûk کەرکووک

✓ belegt

amtlich: Kirkuk · Irak

Name: Aramäisch Karkhā d-Bēth Slōkh „Festung des Hauses Seleukos“.

Entstehung: Siedlungskontinuität seit dem alten Arrapḫa (2. Jahrtausend v. Chr.).

Duhok دهۆک

≈ Deutung

amtlich: Dohuk · Irak

Name: Herkunft ungeklärt; verbreitete Deutung „zwei Hügel“ (du + hok).

Entstehung: Alter Siedlungsplatz am Treffpunkt zweier Täler; als Stadt v. a. seit dem 19./20. Jh. gewachsen.

Zaxo زاخۆ

≈ Deutung

amtlich: Zakho · Irak

Name: Herkunft ungeklärt; eine aramäische Wurzel wird vermutet.

Entstehung: Alte Brücken- und Handelsstadt am Xabûr (bekannt durch die Delal-Brücke).

Amêdî ئامێدی

✓ belegt

amtlich: Amadiya · Irak

Name: Vom Namen ʿImād ad-Dīn Zengîs: Festung ʿImādiyya.

Entstehung: Als Festungsstadt 1142 ausgebaut; der Felsplateau-Siedlungsplatz ist weit älter.

Akrê ئاکرێ

≈ Deutung

amtlich: Aqrah · Irak

Name: Gedeutet aus aramäisch ʿaqrā („Festung/Berg“).

Entstehung: Alte Bergstadt; genaues Gründungsdatum unbekannt.

Koye کۆیە

≈ Deutung

amtlich: Koysinjaq · Irak

Name: Doppelname aus Koy (Herkunft ungeklärt) und osmanisch sancak („Bezirk“).

Entstehung: Blüte als Handels- und Gelehrtenstadt im 18./19. Jh. – Heimat von Hajî Qadirî Koyî.

Rewandiz ڕەواندز

≈ Deutung

amtlich: Rawanduz · Irak

Name: Mit dem Namen des iranischen Stammes der Rawand in Verbindung gebracht.

Entstehung: Festungsstadt des Soran-Emirats; Blüte um 1800 unter Mîrê Kor.

Helebce هەڵەبجە

≈ Deutung

amtlich: Halabja · Irak

Name: Herkunft ungeklärt; mehrere aramäische und kurdische Deutungen kursieren.

Entstehung: Als Stadt im 19. Jh. unter der Jaf-Konföderation gewachsen.

Amed ئامەد

✓ belegt

amtlich: Diyarbakır · Türkei

Name: Als Amidu/Amida seit assyrischer Zeit belegt; arabisch Diyār Bakr „Gebiet der Bakr-Stämme“; „Diyarbakır“ amtlich seit 1937.

Entstehung: Stadtgeschichte mindestens seit dem 2. Jahrtausend v. Chr.; berühmte römische Stadtmauer.

Wan وان

✓ belegt

amtlich: Van · Türkei

Name: „Van“ wird auf urartäisch Biainili zurückgeführt.

Entstehung: Beim urartäischen Tušpa, Hauptstadt Urartus ab dem 9. Jh. v. Chr.

Mêrdîn مێردین

✓ belegt

amtlich: Mardin · Türkei

Name: Aramäisch Merdīn „Festungen“.

Entstehung: Seit der Spätantike als Festungsstadt belegt.

Riha ڕوحا

✓ belegt

amtlich: Şanlıurfa · Türkei

Name: Aramäisch Urhāy, griechisch Edessa; „Şanlıurfa“ („ruhmreiches Urfa“) seit 1984.

Entstehung: Uralter Siedlungsplatz; als Edessa 303 v. Chr. seleukidisch neu gegründet.

Meletî مەلەتی

✓ belegt

amtlich: Malatya · Türkei

Name: Hethitisch Melid, assyrisch Meliddu – einer der ältesten kontinuierlich überlieferten Ortsnamen der Region.

Entstehung: Königsstadt schon in der Bronze- und Eisenzeit (Arslantepe).

Cizîr جزیر

✓ belegt

amtlich: Cizre · Türkei

Name: Arabisch ǧazīra „Insel“ – nach der Tigrisschleife um die Altstadt.

Entstehung: Mittelalterlich Ǧazīrat Ibn ʿUmar; später Zentrum des Botan-Emirats.

Bedlîs بەدلیس

🗣 Volksetymologie

amtlich: Bitlis · Türkei

Name: Volksetymologie: nach „Badlis“, einem Feldherrn Alexanders; tatsächliche Herkunft ungeklärt.

Entstehung: Alte Passstadt; Sitz des Emirats von Bitlis (Şeref Xan, Verfasser des Şerefname).

Şirnex شرنەخ

🗣 Volksetymologie

amtlich: Şırnak · Türkei

Name: Volksetymologie „Stadt Noahs“ (şehrê Nûh) wegen des nahen Cudi-Bergs; Herkunft ungeklärt.

Entstehung: Altes Siedlungsgebiet; als Provinzstadt 1990 aufgewertet.

Colemêrg جۆلەمێرگ

≈ Deutung

amtlich: Hakkari · Türkei

Name: „Hakkari“ überliefern arabische Geographen als Namen der Bergstämme der Region; Herkunft umstritten.

Entstehung: Bergland mit sehr alter Siedlungsgeschichte; Zentrum der Hakkari-Stämme und (bis 1915) der assyrischen Kirche.

Dêrsim دێرسم

≈ Deutung

amtlich: Tunceli · Türkei

Name: Gedeutet als „Silbertor“ (dêr + sîm).

Entstehung: 1935 amtlich in „Tunceli“ umbenannt.

Xarpêt خارپێت

✓ belegt

amtlich: Elazığ (Harput) · Türkei

Name: Armenisch Kharberd „Steinfestung“.

Entstehung: Alte Festungsstadt; die Neustadt Elazığ wurde 1862 als Mamuretülaziz gegründet.

Semsûr سەمسوور

✓ belegt

amtlich: Adıyaman · Türkei

Name: Arabische Gründung Ḥiṣn Manṣūr („Festung des Manṣūr“, 8. Jh.); „Adıyaman“ amtlich seit 1926.

Entstehung: Frühislamische Grenzfestung; Region seit der Jungsteinzeit besiedelt.

Sine سنە

✓ belegt

amtlich: Sanandaj · Iran

Name: Persisch Sena-dež „Festung von Sena“.

Entstehung: Um 1636 als Residenz des Fürstentums Ardalan gegründet.

Kirmaşan کرماشان

✓ belegt

amtlich: Kermanschah · Iran

Name: Vom sasanidischen Königstitel Kirmānšāh („König von Kirmān“, Beiname Bahrāms IV.).

Entstehung: Sasanidische Gründung des 4. Jh. n. Chr.; berühmt durch die Reliefs von Taq-e Bostan und Bisotun in der Nähe.

Mehabad مەهاباد

✓ belegt

amtlich: Mahabad · Iran

Name: Alter Name Sawcbulax (türkisch soğuk bulak „kalte Quelle“); 1936 persisch in „Mahābād“ umbenannt.

Entstehung: Als Stadt im 17. Jh. unter den Mukri-Fürsten ausgebaut; 1946 Hauptstadt der Republik Mahabad.

Urmiye ورمێ

🗣 Volksetymologie

amtlich: Urmia · Iran

Name: Sehr alter Name; die beliebte aramäische Deutung „Wasserstadt“ (ur + mia) ist Volksetymologie.

Entstehung: Siedlungsraum seit der Bronzezeit; wichtige Handelsstadt am gleichnamigen See.

Seqiz سەقز

≈ Deutung

amtlich: Saqqez · Iran

Name: Oft mit den Saka (Skythen) in Verbindung gebracht; Herkunft ungeklärt.

Entstehung: Region seit der Eisenzeit besiedelt – der Schatzfund von Ziwiye stammt aus der Nähe.

Îlam ئیلام

✓ belegt

amtlich: Ilam · Iran

Name: 1935 nach dem altorientalischen Reich Elam benannt (vorher Ḥusaynābād).

Entstehung: Als moderne Provinzstadt im 20. Jh. ausgebaut; Region mit elamischer Vorgeschichte.

Qesrî Şîrîn قەسری شیرین

✓ belegt

amtlich: Qasr-e Schirin · Iran

Name: „Palast der Şîrîn“ – nach der sasanidischen Palastanlage Chosraus II. für Schirin.

Entstehung: Sasanidische Gründung um 600 n. Chr.; die Ruinen sind erhalten.

Şino شنۆ

✓ belegt

amtlich: Oshnaviyeh · Iran

Name: Seit dem Mittelalter als Ušnūh belegt; ältere Herkunft ungeklärt.

Entstehung: Alte Kleinstadt an der Route Urmia–Rewandiz.

Qamişlo قامیشلۆ

✓ belegt

amtlich: al-Qamischli · Syrien

Name: Von qamîş „Schilf“ – nach den Schilfflächen am Fluss Cexcex.

Entstehung: 1926 an der Bagdadbahn gegründet.

Kobanê کۆبانێ

≈ Deutung

amtlich: Ain al-Arab · Syrien

Name: Wahrscheinlich von „Kompanie“ (der deutschen Bahngesellschaft); arabisch ʿAyn al-ʿArab „Quelle der Araber“.

Entstehung: Beim Bau der Bagdadbahn ab 1912 entstanden.

Efrîn ئەفرین

✓ belegt

amtlich: Afrin · Syrien

Name: Nach dem gleichnamigen Fluss benannt.

Entstehung: Als Stadt im frühen 20. Jh. gewachsen; Region (Kurd-Dagh) weit älter besiedelt.

Hesekê حەسەکە

≈ Deutung

amtlich: al-Hasaka · Syrien

Name: Arabisch, gedeutet als „Dickicht/Dornengestrüpp“ am Xabûr.

Entstehung: Moderne Stadt des 19./20. Jh. auf altem Siedlungsgrund.

Dêrik دێریک

✓ belegt

amtlich: al-Malikiya · Syrien

Name: Kurdisch-aramäisch dêr „Kloster“ mit Verkleinerung: „Klösterchen“.

Entstehung: Junge Stadt des 20. Jh.; 1957 arabisch in „al-Malikiya“ umbenannt.

Quellen-Hinweis: Zusammenstellung nach gängiger orts- und altorientalistischer Literatur; Einzelnachweise werden schrittweise ergänzt. Fehlt eine Stadt? Schreib uns.