Xerîb Mawim – Xom Be Xulamî Suxmey Konî (Der Sklave der Sehnsucht) – Hesen Zîrek
Eines der gefühlvollsten Lieder von Hesen Zîrek (1921–1972): das klassische Motiv der xerîbî (Fremde, Exil), verknüpft mit der Bewunderung für die traditionelle Frauentracht – besonders die suxme, das reich bestickte Samtwams – und einer astronomischen Allegorie, in der sogar der Mond vor Gram schmilzt. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Anmerkung: Der Suxme-Refrain wird nach jeder Strophe wiederholt und variiert (konî / ciwanî / taze). Mit [sinngemäß] markierte Zeilen sind freier übertragen.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| سوخمە | suxme | reich besticktes Samtwams der Frauentracht |
| غوڵام | xulam | Diener, Sklave |
| مێخەکبەند | mêxekbend | Nelkenkette (duftend) |
| شەمامە | şemame | kleine Duftmelone |
| سەرگەردان | sergerdan | wirrer Wanderer, kopflos |
| خانەوێران | xanewêran | dessen Haus in Trümmern liegt |
| چاردەهوم شەو | çardehum şew | die vierzehnte Nacht – Vollmond |
| داخ | dax | Gram, Kummer |
| فرمێسک | firmêsk | Träne |
| گاز گرتن | gaz girtin | beißen |
| تاران | Taran | Teheran |
Literarische Analyse
Eine Hommage an die Suxme, das bestickte Samtwams der Tracht: Der Sänger ist ihr xulam (Diener). Die Düfte – Nelkenkette (mêxekbend), Duftmelone (şemame) – sind in der kurdischen Poesie Zeichen von Reinheit, Liebe und Heimatverbundenheit.
Eines der schönsten Bilder der kurdischen Literatur: Der Mond wächst bis zum Vollmond, um so schön zu werden wie das Antlitz der Geliebten – begreift dann, dass er sie nie erreicht, und schmilzt vor Gram (dax) dahin. Die Geliebte wird über die Naturgesetze erhoben: schöner als das hellste Licht des Himmels.
Ein biografisches Detail: Zîrek lebte und arbeitete zeitweise in Teheran beim kurdischen Rundfunk. Die Stadt erscheint als Ort der xerîbî, an dem der Schmerz der Trennung durch die Distanz unerträglich wird – die Tränen werden zum Regen der Großstadt.
„Setze deinen Fuß auf meine Augen“ – der ultimative Ausdruck kurdischer Ergebenheit: Die Augen sind das wertvollste Gut; sie der Geliebten als Trittfläche anzubieten bedeutet die vollständige Aufgabe des eigenen Stolzes.
Die Frau als Schlange (mar), die das Herz „beißt“: die schmerzhafte, gefährliche Seite des Verlangens. Liebe ist kein friedlicher Zustand, sondern ein gewaltsamer Übergriff auf die Seele.
Eine kraftvolle Verschmelzung von Heimweh und Herzschmerz: Die traditionelle Ästhetik (Suxme, Nelken) wird zum universellen Drama. Für den Liebenden besteht die Welt nur aus Ruinen, solange er nicht im „Licht“ der Geliebten baden kann – und im Maqam vergeht sogar der Mond vor Neid und Gram. Eines der ehrlichsten, bildgewaltigsten Zeugnisse kurdischer Dichtkunst.
