Miryem Bokanî (Miryem aus Bokan) – Hesen Zîrek
Eines der populärsten Werke von Hesen Zîrek (1921–1972): die leidenschaftliche Lobpreisung der Miryem aus Bokan – körperliche Schönheit und tiefe emotionale Abhängigkeit, gekrönt von einem philosophischen Maqam-Teil. Miryem als Idealbild der kurdischen Schönheit, die „Rose inmitten Kurdistans“. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Anmerkung: Der Refrain wird nach jeder Strophe wiederholt. Die lange Aufnahme (13:37) enthält weitere improvisierte Wiederholungen.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| منەت | minet | Ehre, Dankespflicht |
| شەمامە | şemame | kleine Duftmelone |
| فەرز | ferz | religiöse Pflicht |
| خانومان | xanuman | vornehm, von gutem Hause |
| سەقەر | seqer | Habicht |
| گەوهەر | gewher | Juwel |
| کەزی | kezî | Zopf |
| هەوراز | hewraz | Anhöhe, Steigung |
| ماخولیا | maxulya | Melancholie, Schwermut |
| هیجر | hîcr | Trennung |
| عەبداڵ | ’ebdal | wandernder Derwisch |
Literarische Analyse
Steine für Miryem tragen – eine Anspielung auf die Legende von Farhad und Shirin, in der Farhad einen Berg für die Geliebte durchschlägt. Die schwere Arbeit ist keine Last, sondern eine Ehre (minet): totale Hingabe, bei der der physische Schmerz durch den emotionalen Wert der Tat aufgehoben wird.
Şemame (Duftmelone) für Jugend, Duft und Form; lîmo (Zitrone) für Frische und Festigkeit. Besonders kühn: ferz – die obligatorische religiöse Pflicht – für den Kuss der Geliebten. Ein typisches Merkmal der kurdischen „Liebesreligion“.
Miryem ist die „Rose inmitten Kurdistans“: Ihre Schönheit wird zum Symbol für das Land selbst. Herkunft (Bokan) und Vornehmheit (xanuman) verschmelzen mit dem kurdischen Nationalstolz.
„Sie hat mich getötet und begräbt mich selbst“ – die Geliebte ist Grund des Sterbens und zugleich die einzige, die die letzte Ehre erweisen kann: ein Kreislauf der Abhängigkeit, der erst im Grab endet.
Im Rezitativ wird es philosophisch: şêt û maxulyaw (wahnsinnig und schwermütig), die Frage ta be key – wie lange noch? Die Geliebte ist regî heyat, die Lebensader – ohne sie fließt kein Blut mehr durch die Adern.
Der treibende Takt macht das Lied zum Liebling der kurdischen Tänzer; der Refrain „Ay Miryem aman“ reißt als leidenschaftlicher Ausruf die Menge mit. Regionaler Dialekt und klassische Bildsprache machen es zum unvergänglichen Kulturgut.
Eine Hymne an die unbedingte Bewunderung: Die Schönheit einer realen Person wird zum zeitlosen Ideal. Liebe als totale Existenz, die Arbeit, Religion, Tod und nationalen Stolz vereint – Miryem bleibt die ewige Muse von Bokan.
