Hêrmê û Helûje û Qeysî (Birne, Pflaume, Aprikose) – Aziz Weisi

Ein kurdisches Volks-Liebeslied, untrennbar mit dem Sänger Aziz Weisi عەزیز وەیسی verbunden. Süße Früchte als Bild für die Schönheit der Geliebten, ein klagender Vorwurf und die bedingungslose Hingabe. Kleingedruckt: lateinische Umschrift; rechts die Sorani-Schrift.

Hêrmê û Helûje û QeysîAziz Weisi
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DeutschSorani
🔁 Refrain
Birne, Pflaume und Aprikose,
هەرمێ و هەڵووژە و قەیسی
Hêrmê û helûje û qeysî
ich bin's, Aziz Weysî.
ئەمنم عەزیزی وەیسی
Emnim Ezîzî Weysî
Strophe 1 · Der klagende Vorwurf
Ach, warum bist du so mitleidlos?
ئەرێ تۆ بۆ بێڕەحمی؟
Erê to bo bêrehmî?
Warum fragst du nicht einmal nach mir?
جارێ بۆ لێم ناپرسی؟
Carê bo lêm napirsî?
Strophe 2 · Die Reise & der Ruf
Von Stadt zu Stadt bin ich gezogen,
شارە و شارم کردووە
Şare û şarem kirdûwe
deinen Namen habe ich oft gehört.
ناوی تۆم زۆر بیستووە
Nawî tom zor bîstûwe
Deshalb bin ich so verrückt nach dir geworden,
بۆیە من وا شەیدات بووم
Boye min wa şeydat bûm
mein Herz hat sich in dich verliebt.
دڵم عاشقی تۆ بووە
Dilim aşiqî to bûwe
Strophe 3 · Die einseitige Hingabe
Du sagst, du kennst mich nicht,
تۆ دەڵێی تۆ ناناسم
To dellêy to nanasim
bei dir komme ich gar nicht vor.
لە ناوی تۆ بێباسم
Le nawî to bêbasim
Auch ich fühle genau dasselbe:
منیش هەروا هەست دەکەم
Minîş herwa hest dekem
Nur du bist mein Alles.
تەنیا تۆی هەموو کەسم
Tenya toy hemû kesim
Zum Verständnis

Literarische Analyse

1
Symbolik der Früchte

Der Titel nennt drei Früchte – hêrmê (Birne), helûje (Pflaume) und qeysî (Aprikose). In der kurdischen Folklore stehen Früchte für die Schönheit und „Süße" der geliebten Person: Frische, Farbe und Gesundheit – und eine Verwurzelung der Liebe in der Natur Kurdistans.

2
Der „grausame" Geliebte (bêrehm)

„Warum bist du so mitleidlos?" – ein klassisches Motiv: die geliebte Person erscheint distanziert und stolz, der Liebende als leidendes „Opfer". Das Schweigen des Gegenübers („Warum fragst du nicht nach mir?") schmerzt mehr als eine Abweisung.

3
Die Reise & der Ruf (şare û şarem kirdûwe)

Der Sänger zog von Stadt zu Stadt – er suchte sie überall und hörte ihren Namen überall. Die Liebe wird zu einer öffentlichen, fast legendären Angelegenheit; er liebt nicht nur eine Person, sondern ein Ideal, von dem alle sprechen.

4
Die Paradoxie der Identität

Sie behauptet „Ich kenne dich nicht", er antwortet „Du bist mein Alles". Der Kontrast zeigt die einseitige, bedingungslose Hingabe – „tenya toy hemû kesim" ist einer der stärksten Liebesbeweise der kurdischen Sprache.

5
Sprachlicher Stil

Einfache, kraftvolle Endreime (qeysî/Weysî, bêrehmî/napirsî, kirdûwe/bistûwe) machen das Lied eingängig – perfekt für gemeinsamen Gesang und Tanz. Ein „Lied des Volkes" zwischen persönlichem Schmerz und kollektiver Freude.

Zum Refrain

„Emnim Ezîzî Weysî" bezog sich ursprünglich auf einen Namen, der sich auf qeysî reimt. Heute wird die Zeile mit dem Sänger Aziz Weisi verbunden, der das Lied zu seinem Markenzeichen gemacht hat.