Geryam Nav Eşîran (Ich wanderte unter den Stämmen) – Bayê Beroj

Eine poetische Landkarte Kurdistans: Das Lied (Text: Bayê Beroj) durchwandert alle vier Teile des Landes und nennt Städte, Berge, Flüsse, Hochweiden, Stämme und Dialekte – ein gesungenes Archiv der Identität. Die Endungen -iya/-iyan bezeichnen jeweils die Menschen eines Ortes („die von Amed“); in der Übersetzung stehen die Ortsnamen. Kurmancî-Original in arabischer Schrift, kleingedruckt die lateinische Schreibung.

🤖 Hinweis: Diese Aufnahme wurde mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt – der Gesang ist KI-generiert und die Melodie neu bearbeitet. Der Liedtext stammt im Original von Bayê Beroj.

Geryam Nav EşîranBayê Beroj · KI-Fassung
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Geryam Nav Eşîran

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Die Kapitel folgen dem Aufbau des Liedtextes; die Zeitmarken sind an die Aufnahme angenähert.

DeutschKurmancî
Prolog · Die Wanderung
Ich wanderte durch alle kurdischen Lande,
گەڕیام تەڤ کوردەلانێ
Geryam tev Kurdelanê
quer durch ganz Kurdistan,
سەرانسەر کوردستانێ
Seranser Kurdistanê
die Heimstatt der Löwen und der Tapferen,
وارێ شێر و مێرانێ
Warê şêr û mêranê
der Herrinnen und der Schönen.
ستی و هەم جانانێ
Stî û hem cananê
Süden und Osten,
باشوور و ڕۆژهەڵاتێ
Başûr û rojhilatê
Norden und Westen –
باکوور و ڕۆژاڤایێ
Bakûr û rojavayê
nirgendwo sah ich eine wie dich,
نەمدی وەک تە ل چ دەران
Nemdî wek te l’ti dera
so viele Anmutige der Hochweiden,
چەند دەلالا زۆزانان
Çend delala zozana
so viele Schönheiten der Feste!
تەو بەدەوا شاهیان
Tew bedewa şahiya
Ich wanderte durch ganz Kurdistan.
گەڕیام تەڤ کوردستانێ
Geryam tev Kurdistanê
Die Städte des Nordens (Bakur)
Amed und Mêrdîn,
ئامەد و هەم مێردینیا
Amed û hem Mêrdînya
Êlih [Batman] und Şirnex,
ئێڵح و هەم شرناخیان
Êlih û hem Şirnexiya
Riha [Urfa] und Semsûr [Adıyaman],
ڕەها و هەم سەمسووریان
Riha û hem Semsûriya
Agirî und Îdir,
ئاگری و ئیدریان
Agirî û Îdiriya
Wan und Hekarî,
وان و هەم هەکاریان
Wan û hem hekariyan
Qers und Erzirom,
قەرس و هەم ئەرزیڕۆمیان
Qers û hem Erziromiya
Bedlîs und Xarpêt [Elazığ],
بەدلیس و هەم خارپێتیان
Bedlîs û hem Xarpêtya
Sêrt und auch Çewlîg [Bingöl],
سێرت و هەم ژی چەولیگیان
Sêrt û hem jî Çewlîgya
Dêrsim und Meletî [Malatya],
دێرسیم و هەم مەلەتیان
Dêrsim û hem Meletya
Gurgum und Erzincan,
گورگوم و ئەرزینجانیان
Gurgum û Erzincanya
Mereş und Dîlok [Antep],
مەرەش و هەم دیلۆکیان
Mereş û hem Dîlokiyan
Sêwas und Efşîn.
سێواس و هەم ئەفشینیان
Sêwas û hem Efşîniya
Die Städte des Südens (Başûr)
Hewlêr und Silêmanî,
هەولێر و سلێمانیان
Hewlêr û Silêmaniya
Dihok und Zaxo,
دهۆک و هەم زاخۆییان
Dihok û hem Zaxoyiya
Kerkûk und Helebce,
کەرکووک و هەڵەبجەییان
Kerkûk û Helebceyiya
Soran und Akrê,
سۆران و هەم ئاکرەییان
Soran û hem Akrêyiya
Şengal und Kelar,
شەنگال و هەم کەلاریان
Şengal û hem Kelarya
Ranye und Çemçemal,
ڕانیە و چەمچەماڵیان
Ranya û Çemçemaliya
Amêdî und Şeqlawe,
ئامێدی و شەقڵاوەیان
Amêdî û Şeqlaweyan
Koye und Şarbajêr.
کۆیە و هەم شارباژێڕان
Koye û hem Şarbajêra
Die Städte des Ostens (Rojhilat)
Urmiye und Mehabad,
ورمێ و مەهابادیان
Urmîyê Mehabadiya
Sine und Kirmaşan,
سنە و کرماشانیان
Sine û Kirmaşaniya
Îlam und Bokan,
ئیلام و هەم بۆکانیان
Îlam û hem Bokaniya
Seqiz und Merîwan,
سەقز و مەریوانیان
Seqiz û Merîwaniya
Xoy, Makû und Selmas,
خۆی و ماکۆ و سەڵماسێ
Xoy û Makû û Salmasê
Pîranşar und Serdeşt,
پیرانشار و سەردەشتیان
Pîranşar û Serdeştiya
Pawe und Ciwanro,
پاوە و هەم جوانڕۆیان
Pawe û hem Ciwanroya
Qesrê Şîrîn.
قاسرێ و شیرینیان
Qasirê û Şîrîniya
Der Westen (Rojava) und die Ferne
Qamişlo und Efrîn,
قامیشلۆ و عەفرینیان
Qamişlo û Efrîniya
Kobanî und Hesekê,
کۆبانی و حەسەکیان
Kobanî û Hesekiya
Amûdê und Dêrik,
عاموودێ و دێریکیان
Amûdê û Dêrikiya
Dirbêsî und Tirbespî,
دربێسی و تربەسپیان
Dirbêsî û Tirbespiya
Serêkanî und Celeb,
سەرێکانی جەلەبیان
Serêkanî Celebiya
Şehba und Heleb [Aleppo],
شەهبا و هەم حەلەبیان
Şehba û hem Helebya
Xorasan und Qoçan [die Deportierten des Ostens].
خۆراسان و قۆچانیان
Xorasan û Qoçaniya
Weitere Städte des Nordens
Cizîr und Silopî,
جزیر و هەم سلۆپیان
Cizîr û hem Silopiya
Nisêbîn und Midyad,
نوسەیبین و میدیادیان
Nisêbîn û Midyadiya
Kerboran und Basa,
کەربۆران و هەم باسایان
Kerboran û hem Basaya
Qoser und Şemrex,
قۆسەر و هەم شەمرەخیان
Qoser û hem Şemrexiya
Farqîn und Bismil,
فارقین و هەم بسملیان
Farqîn û hem Bismiliya
Licê und Pasûr,
لجێ و هەم پاسووریان
Licê û hem Pasûriya
Pîran und Erxanî,
پیران و هەم ئەرخانیان
Pîran û hem Erxaniya
Çinar und auch Hênî,
چنار و هەم ژی هێنیان
Çinar û hem jî Hêniya
Gever und Şemzînan,
گەڤەر و شەمزینانیان
Gever û Şemzînaniya
Çelê und Elbak,
چەلێ و هەم ئەلباکیان
Çelê û hem Elbakiya
Erdîş und Tetwan,
ئەردیش و هەم تەتوانیان
Erdîş û hem Tetwaniya
Bazîd und Gimgim,
بازید و هەم گمگمیان
Bazîd û hem Gimgimiya
Pîrsûs und Xelfetî,
پیرسووس و هەم خەلفەتیان
Pîrsûs û hem Xelfetiya
Sêwreg und Wêranşar,
سێوەرەک و وێرانشاریان
Sêwreg û Wêranşariya
Giyadîn und Kop,
گیادین و هەم کۆپیان
Giyadîn û hem Kopiya
Xelat und Milazgir.
خەلات و هەم ملازگران
Xelat û hem Milazgira
Die historischen Regionen
Botan und Xerzan,
بۆتان و هەم خەرزانیان
Botan û hem Xerzaniya
Serhed und Behdînan,
سەرهەد و هەم بەهدینیان
Serhed û hem Behdîniya
Soran und Germiyan,
سۆران و گەرمیانیان
Soran û Germiyaniya
Hewraman und Mukriyan,
هەورامان و موکریان
Hewraman û Mukriya
Şehba, der Berg der Kurmanc [Çiyayê Kurmênc],
شەهبا چیای کورمانجان
Şehba Çiyay Kurmênca
die Ebene von Sirûc und die Toriyan,
دەشتا سرووج و تۆریان
Deşta Sirûc û Toriyan
Loristan und die Lek,
لۆرستان و هەم لەکیان
Loristan û hem Lekiya
Bextiyarî und Qelxanî.
بەختیار و قەلخانیان
Bextiyar û Qelxaniya
Die heiligen Berge
Agirî [Ararat], Sîpan, Şingal,
ئاگری، سیپان، شەنگالا
Agrî Sîpan Şingala
Cûdî, Gabar und Bagok,
جوودی، گابار و باگۆکا
Cûdî Gabar û Bagoka
Qendîl und Herkol,
قەندیل و هەرکۆلیان
Qendîl û Herkoliya
Munzur, Zagros, Nemrud.
موونزور، زاگرۆس، نەمرودا
Mûnzir Zagros Nemrûda
Die Wasser des Landes
Die Wasser von Dîcle [Tigris] und Ferat [Euphrat],
ئاڤا دیجلە و فەراتا
Ava Dîcle û Ferata
der Zab und der Xabûr,
ئاڤا زێ و هەم خابوورا
Ava Zê û hem Xabûra
der See von Wan und der Urmia-See,
گۆلا وانێ و ورمیا
Gola Wanê û Urmîya
die Flüsse Murad und Aras.
چەمێ موراد و ئاراسا
Çemê Mûrad û Arasa
Die Hochweiden (Zozan)
Die Hochweiden oberhalb des Berçela,
زۆزانێن ژۆر بەڕچەلا
Zozanên jor Berçela
Feraşîn und der Cîlo,
فەراشینا جیلۆیا
Feraşîna Cîloya
die Hochweide des Şerefdîn –
زۆزانا شەڕەفدینیا
Zozana Şerefdînya
die Heimstatt der kurdischen Nomaden.
وارێ کۆچەرێد کوردان
Warê koçerêd Kurdan
Die Stämme (Eşîr)
Mîlan und Celalî,
میلان و هەم جەلالیان
Mîlan û hem Celaliya
Zîlan und Ertoşî,
زیلان و هەم ئەرتۆشیان
Zîlan û hem Ertoşiya
Pinyaniş und Hesenan,
پنیانش و حەسەنان
Pinyaniş û Hesena
Sipkî und Birûkî,
سپکی و هەم بروکیان
Sipkî û hem Birûkiya
Zêbarî und Barzanî,
زێباری و بارزانیان
Zêbarî û Barzaniya
Talebanî und Caf,
تاڵەبانی و جافیان
Talebanî û Cafiya
Kîkan und Berazî,
کیکان و هەم بەرازیان
Kîkan û hem Beraziya
Dêqorî und Ketîkan,
دێقۆری، کەتیکانیان
Dêqorî Ketîkaniya
Şikak und Mukrî,
شکاک و هەم موکریان
Şikak û hem Mukriya
Kelhur und Erdelan,
کەلهوڕ و هەم ئەردەڵان
Kelhûr û hem Erdelan
Zaferanlû und Şadilî,
زەفەرانلوو، شادلیان
Zaferanlû Şadiliya
Lolan und Şêxan.
لۆلان و هەم شێخانیان
Lolan û hem Şêxaniya
Widmung · Keça Kurda
Von den Städten bis zu den Bergen,
ژی باژاڕا هەتا چیان
Ji bajara heta çiyan
Hochweiden, Ebenen und Täler,
زۆزان و دەشت و گەلیان
Zozan û deşt û geliya
Dimilî [Zaza] und Kurmanc,
دیملی و کرمانجان
Dimilî yû kurmanca
Soran und auch Zaza,
سۆران هەم زازایان
Soran hem zazaya
Kelhur, Lor und Lek –
کەلهوڕ، لۆڕ و لەکیان
Kelhor lor û lekîya
nirgendwo sah ich eine wie dich.
نەمدی وەک تە ل چ دەران
Nemdî wek te l’ti dera
Du bist die Anmutige der Kurden,
تو دەلالا کوردایێ
Tu delala Kurdayê
du die Schönheit der Stämme,
تو بەدەوا عەشیران
Tu bedewa eşîra
du die Lilie auf den Wiesen –
تو سۆسینا ناڤ مێرگان
Tu sosina nav mêrga
mögest du ewig leben, Tochter der Kurden!
هەر هەبی کچا کوردان
Her hebî keça Kurda

Kurzes Vokabular

KurdischUmschriftBedeutung
عەشیرeşîrStamm – vor den Nationalstaaten die wichtigste soziale Einheit
زۆزانzozanHochweide, Sommerlager der Nomaden
وارwarHeimstatt, Lagerplatz
ستیstîHerrin, Dame
سۆسنsosinLilie
دەلالdelaldie Anmutige, Liebste
کۆچەرkoçerNomade
بەدەوbedewschön, Schönheit
Zum Verständnis

Literarische Analyse

1
Enumeratio: die Aufzählung als Kunst

Das Lied steht in der Tradition der lobpreisenden Dichtung; sein wichtigstes Stilmittel ist die Anhäufung: Städte, Berge, Flüsse, Stämme im rituellen Rhythmus – wie in der Dengbêj-Tradition, in der das Auswendiglernen von Geografie und Geschichte zentral war.

2
Das Motiv der Reise (Geryam)

Das lyrische Ich wandert nicht, um sich zu finden, sondern um die Einheit des Raumes zu bestätigen: Die Reise überwindet die politischen Grenzen und erschafft ein „imaginäres Kurdistan“, in dem nur die kulturelle Verbundenheit zählt.

3
Naming as Claiming

In Zeiten, in denen kurdische Ortsnamen offiziell geändert wurden, wirkt das Lied als mündliches Archiv: Das Aussprechen der ursprünglichen Namen – von Amed bis Mehabad – ist ein literarischer Akt gegen das Vergessen.

4
Die heiligen Berge

Cûdî (wo nach der Überlieferung die Arche landete), Sîpan (Schauplatz des Epos von Siyabend û Xecê), das heilige Munzur-Gebirge, Qendîl und Zagros: Die Berge sind die ewigen Zeugen – „Wir haben keine Freunde außer den Bergen.“

5
Das Mosaik der Stämme

Mîlan, Celalî, Barzanî, Talebanî, Şikak, Berazî … – historisch oft zerstritten, werden sie hier als gleichwertige Perlen einer Kette gereiht: ein literarischer Aufruf zur Einheit. Auch die Fernsten gehören dazu – bis zu den nach Xorasan Deportierten.

6
Die Adern des Landes

Dîcle und Ferat als Lebensadern Mesopotamiens, der Zab und der Xabûr, die Seen von Wan und Urmia als „blaue Augen“ der Berglandschaft: das Bild eines lebensfähigen, reichen Landes.

7
Einheit der Dialekte

Kurmanc, Soran, Dimilî/Zaza, Kelhur, Lor und Lek werden ausdrücklich gewürdigt: ein Plädoyer für kulturellen Pluralismus innerhalb einer Identität – Kurdistan wird über die Menschen definiert, nicht nur über Territorien.

8
Die Allegorie der Keça Kurda

Am Ende verdichtet sich alles in einer Gestalt: Die „Tochter der Kurden“ – Anmutige, Schönheit der Stämme, Lilie der Wiesen – ist die personifizierte Essenz des Landes. Der Schlusssegen „Her hebî“ gilt ihr und damit Kurdistan selbst.

9
Fazit

Ein identitätsstiftendes Manifest in Liedform – ein „lyrisches Lexikon“, das in wenigen Minuten die ganze Komplexität einer Kultur zusammenfasst: Trotz aller Dialekte, Stämme und Grenzen eine gemeinsame geografische und kulturelle Seele.