📜 Dichter · 1957–2019

Mihemmed ʿUmer ʿUsman („General des Herbstes“)

محەممەد عومەر عوسمان

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Überblick

Mihemmed ʿUmer ʿUsman war einer der markantesten und eigenwilligsten kurdischen Dichter der Gegenwart. Mit seinem Werk schuf er eine einzigartige Atmosphäre der Melancholie und wurde zum Gesicht einer Generation, die sich in der Symbolik des Herbstes, des Verfalls und der existenziellen Einsamkeit widerspiegelte. Sein Beiname Żenerałî Payîz (General des Herbstes) wurde zu seinem Markenzeichen und Lebensmotto.

Frühes Leben und Bildung

Mihemmed wurde 1957 im geschichtsträchtigen Viertel Dergezên in Slemani geboren. Er absolvierte seine Schulausbildung in der Heimatstadt und zog für das Studium nach Bagdad. Schon in jungen Jahren galt er als leidenschaftlicher Leser und Intellektueller; 1975 begann er, erste Gedichte zu veröffentlichen, die sich durch tiefe Sensibilität und eine Abkehr von den damals üblichen politischen Parolen auszeichneten.

Literarischer Stil

Während viele kurdische Dichter seiner Zeit den Fokus auf den bewaffneten Kampf oder nationale Romantik legten, wandte sich Mihemmed ʿUmer ʿUsman der inneren Welt zu. Er besang die Schönheit des Vergehens, die Einsamkeit des Individuums und die tiefe Verbundenheit mit der Natur im Herbst. Seine Sprache war bildgewaltig, oft traurig, aber stets von ästhetischer Reinheit geprägt. Sein bekanntester Gedichtband ist Lêgeranî fîrqet (Die Suche nach der Trennung), der mehrfach aufgelegt wurde.

Tod und Vermächtnis

Sein Leben war, wie seine Poesie, von tiefer Schwermut gezeichnet. Am 22. Oktober 2019 – mitten im Herbst, seiner geliebten Jahreszeit – nahm er sich in seinem Haus in Slemani das Leben. Sein Begräbnis auf dem Hügel Girdî Seywan entsprach seinem poetischen Erbe: Seinem letzten Willen folgend wurde sein Sarg nicht mit Fahnen, sondern mit welken Herbstblättern bedeckt; zudem verfügte er, dass niemand aus seinem Tod persönlichen oder politischen Nutzen ziehen solle. Sein Grab ist heute ein Ort der Stille und Besinnung für Liebhaber der kurdischen Literatur.

„Ich bin der General des Herbstes“

Sein berühmtestes Gedicht – es definiert seine gesamte literarische Identität (Auszüge, deutsche Wiedergabe).

Deutsch
Ich bin der General des Herbstes, ich, der niemals Ruhe fand.
General… General von tausenden nackten Bäumen und Milliarden gefallener Blätter.
Die Mütze auf meinem Haupt ist die Wolke, die Sterne auf meinen Schultern sind silberne Blätter.
Der Mantel an meinem Leib ist der eisige Wind, und mein Schwert ist der Ast eines morschen Baums.
Gelbes Blut fließt durch meine Adern, meine Augen sind feucht wie der Regen der Wolken.
Ich war der Einzige, der in einem Sarg aus Glas so viele Blätter der Erde übergab.
Ohne mich ist der Herbst eine Waise.
Ich war es, der sagte: Ja, die gefallenen, fortgezogenen Blätter sind die Leichname des grünen Schattens.
Ich allein bin es, der am Altar des Herbstes für die lebendige Seele der Blätter betet…

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Mihemmed ʿUmer ʿUsman (1957 – 2019) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Izedîn Mistefa Resûl, Jamal Nebez, Fereydoon Abdul Berzinji, Sherko Bekas (Şêrko Bêkes). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.