Überblick
Muhammed Emin Zeki Beg gilt als Gründervater der modernen kurdischen Geschichtsschreibung – ein außergewöhnlicher Universalgelehrter, hochrangiger Militär, einflussreicher Politiker und begnadeter Historiker.
Herkunft und außergewöhnliche Bildung
Muhammed Emin wurde 1880 im Viertel Goizha in Silêmanî geboren. Seine Eltern waren Analphabeten und besaßen Lasttiere für Karawanen; trotz dieser bescheidenen Herkunft zeigte er eine so außergewöhnliche Intelligenz, dass er den Beinamen „Zeki“ (der Intelligente) erhielt. Er schlug eine militärische Laufbahn ein, die ihn von Silêmanî über Bagdad bis Istanbul führte, und schloss 1902 die osmanische Militärakademie (Staff College) im Rang eines Hauptmanns ab. Als wahrer Polyglott beherrschte er sieben Sprachen fließend – Kurdisch, Arabisch, Persisch, Türkisch, Englisch, Deutsch und Französisch – und war zudem als Kalligraf und Maler begabt.
Der Staatsmann und Diplomat
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches kehrte er 1925 in den neu gegründeten Irak zurück und spielte eine Schlüsselrolle beim Staatsaufbau: Insgesamt zehnmal war er Minister in verschiedenen Kabinetten (u. a. Verteidigung, Bildung, Wirtschaft, Verkehr). Als Abgeordneter für Silêmanî war er ein mutiger Fürsprecher der kurdischen Rechte und verfasste kritische Berichte an den irakischen König und die britischen Mandatsträger, in denen er die versprochenen Autonomierechte einforderte. Sein Buch „Zwei vergebliche Bemühungen“ (1935) zeugt von seiner Frustration über die ignorierte kurdische Frage.
Der Historiker: Das Gedächtnis einer Nation
Seine größte Bedeutung liegt in seinen historischen Werken. Vor Zeki Beg gab es kaum systematische, moderne Geschichtsbücher über die Kurden in ihrer eigenen Sprache. Sein Hauptwerk Xulaseyekî Tarîxî Kurd û Kurdistan (Eine Zusammenfassung der Geschichte der Kurden und Kurdistans, 1931/1937) arbeitete die kurdische Geschichte erstmals nach modernen wissenschaftlichen Kriterien auf – von der Herkunft der Kurden über ihre antiken Reiche bis zu ihren Fürstentümern. In Meşahîrî Ekrad (Berühmte Kurden) schuf er zudem eine monumentale Biografiesammlung kurdischer Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Politik.
Tod und Vermächtnis
Muhammed Emin Zeki Beg starb am 9. Juli 1948 während eines Besuchs in seiner Heimatstadt Silêmanî an Nierenversagen; sein Tod wurde als nationaler Verlust betrauert. In Silêmanî und ganz Kurdistan tragen Schulen und Straßen seinen Namen – er bleibt der „Meister der kurdischen Geschichte“, der mit der Feder mehr für sein Volk erreichte als andere mit dem Schwert.
Hintergrund & Bedeutung
- Identitätsstifter: Er gab den Kurden ihre Geschichte zurück und lieferte in einer Zeit der Leugnung wissenschaftliche Beweise für die tiefe historische Verwurzelung seines Volkes.
- Vorbild an Integrität: Er bewies, dass man loyaler Staatsdiener und zugleich stolzer Patriot sein kann, der Korruption und Ungerechtigkeit ablehnt.
- Wissenschaftlicher Pionier: Er legte das Fundament, auf dem alle späteren kurdischen Historiker (wie Marf Khaznadar oder Kamal Fuad) aufbauten.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Muhammed Emin Zeki Beg (1880 – 1948) in die Zeit des nationalen Erwachens (ca. 1850–1898), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Pîremêrd (Hacî Tofîq Beg), Zîwer (Abdullah Mela Rasul), Bêxud (Mela Mehmûdî Muftî), ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.