📜 Dichter · 1643–1702

Mela Mustafa Besarani

بێسارانی

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Überblick

Mela Mustafa Besarani war einer der bedeutendsten kurdischen Dichter im Hawrami-Dialekt (Gorani-Stil) – ein Meister der lyrischen Naturbeschreibung und der Liebespoesie.

Leben

Besarani wurde im Dorf Besaran (Region Zhawaro, heute Provinz Kurdistan im Iran) geboren. Seine Ausbildung begann bei seinem Vater; später studierte er in Wissenszentren wie Nodşe, Paîgelan und Sine (Sanandaj) die traditionellen „zwölf Wissenschaften“ der islamischen Theologie. Nach dem Studium erhielt er den Titel „Mela“ (Gelehrter), kehrte in sein Heimatdorf zurück und wirkte dort als Lehrer und geistliches Oberhaupt. Er starb 1702 und wurde seinem Wunsch entsprechend auf dem Friedhof von Pirehajare bei Sawlava beigesetzt.

Werk

Besaranis Dichtung folgt dem traditionellen kurdischen silbenzählenden Metrum, meist in Paarreimen, und ist reich an Metaphern und eng mit der kurdischen Landschaft verbunden. Er zählt zu den Pfeilern der Hawrami-Literatur. Sein Werk war so bedeutend, dass spätere Dichtergrößen wie Mewlewî ihn in ihren Versen erwähnten; der Dichter Pîremêrd übersetzte viele seiner Werke aus dem Hawrami ins Sorani, um sie bekannter zu machen. Sein Werk gilt als eines der reinsten Beispiele kurdischer Romantik – lange bevor dieser Begriff in Europa geprägt wurde.

„Çirağ“ (Licht / Lampe)

In der klassischen kurdischen Lyrik steht „Çirağ“ (Licht/Lampe) oft für die geliebte Person oder eine göttliche Präsenz. Der Dichter drückt absolute Hingabe aus und schildert den Schmerz der Trennung: Ohne die Geliebte wirken selbst die Frühlingsblumen wie tausend Skalpelle in seinen Augen.

Hewramî · Deutsch
چراغ قوربانەن، چراغ قوربانەن غەیری تۆ پەی کەس قوربان نیەنان
Mein Licht, ich opfere mich dir, mein Licht, ich opfere mich dir, außer für dich werde ich mich für niemanden opfern.
چراغم بە چین، چراغم بە چین ئەرچینی زوڵفت بدەو بە ماچین
Mein Licht mit den Locken, mein Licht mit den Locken, könnte ich doch nur die Locken deines Haares küssen.
چراغم شەندی، چراغم شەندی تو توخمی ھیجران وە بەختم شەندی
Mein Licht, du hast gesät, mein Licht, du hast gesät, du hast die Saat der Trennung in mein Schicksal gesät.
چراغم بێ تۆ گوڵانی وەھار مەیان وە دیدەم چون نەشتە ھەزار
Mein Licht, ohne dich sind die Blumen des Frühlings für meine Augen wie tausend scharfe Skalpelle.
چراغ یانێ چێش، چراغ یانێ چێش ئی چەم ئێشایتە پەی تۆ یانێ چێش
Mein Licht, was bedeutet das alles, was bedeutet es? Was bedeutet dieser Schmerz in meinen Augen für dich?
چراغم شەھید، چراغم شەھید وەختێ وەنیگات مەکەریم شەھید
Mein Licht, ich bin ein Märtyrer, ich bin ein Märtyrer, wenn du mich mit nur einem einzigen Blick zum Opfer machst.

Der Dialog mit dem Herbst (Xezan)

Eines seiner berühmtesten Naturgedichte: Besarani begegnet dem gelben Herbstlaub und führt ein Gespräch mit ihm. Das Blatt ist verwelkt, weil es von der Dürre träumte; der Dichter erkennt sich darin wieder – doch während das Blatt die Trennung nur im Traum sah, ist sie für ihn bittere Wirklichkeit.

Hewramî · Deutsch
ئارۆ شیان دیم، رەنگی خەزانان حاڵی شان نیەن، ئێمە نەزانان
Heute ging ich hinaus und sah die Farben des Herbstes, ihr Zustand ist kläglich, doch wir erkennen es nicht.
دیم بە تەرزەوە خەزانێ بێ تەرز تەمام حاڵی وێش پەرێم کەردش عەرز
Ich sah an einer Rebe ein Blatt, verwelkt und ohne Halt, es klagte mir sein ganzes Leid und seine Not.
پەرسام یە چێشەن ئی زەردی خەزان وات: مەیۆم نە خاو تەناکی تەرزان
Ich fragte: „Was ist der Grund für diese herbstliche Blässe?“ Es sprach: „Im Traum sah ich die Dürre, die meine Zweige befällt.“
واتم: ئێمە و تۆ ھەر دوو جەستەمان ئیش مەکەران زام ماران گەستەمان
Ich sagte: „Du und ich, wir beide, unsere Körper leiden unter Wunden, als hätten uns Schlangen gebissen.
تو جیا جە تەرز، من جە باڵایێ تەڕتەر جە نەرگس سەوڵی ئاڵایێ
Du bist getrennt von deinem Zweig, und ich von einer Gestalt, die frischer ist als die Narzisse, eine aufrechte Zypresse.
داخی جیایی نەو تووڵ نەمامان تۆ جە خاوت دی، من پەنەم ئامان
Den Schmerz der Trennung von den jungen Trieben: Du hast ihn nur im Traum gesehen, doch mir ist er zur Wirklichkeit geworden.“

Hintergrund & Bedeutung

  1. Metaphorik des Leids: Dass Besarani Frühlingsblumen (Symbole der Freude) als „Neşter“ (Skalpelle) bezeichnet, zeigt: Schönheit wird ohne die geliebte Person unerträglich.
  2. Natur als Spiegel: Im Herbstgedicht ist die Natur nicht nur Kulisse, sondern Gesprächspartner; das gelbe Blatt ist Metapher für den vor Kummer erblassten Liebenden.
  3. Traum gegen Wirklichkeit: Die Natur erfährt das Verwelken zyklisch (wie einen bösen Traum), der menschliche Verlust der Liebe aber ist endgültige, schmerzhafte Realität.
  4. Çirağ (Licht/Lampe): Ein zentrales Wort der Hawrami-Dichtung – Sinnbild für Führung im Dunkeln, für Schönheit und Seele.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Mela Mustafa Besarani (1643 – 1702) in die klassische Dichtung (1543–1707), Region Rojhelat. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Xanay Qubadî, Ehmedê Xanî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.