Xanima Min – Bermaliya Min (Meine Dame, meine Hausherrin) – Şivan Perwer
Anders als die kämpferischen Hymnen: eine Mischung aus Liebeserklärung, Entschuldigung und Hommage an die Rolle der Frau in der kurdischen Gesellschaft. Şivan Perwer zieht am Ende den Vergleich zwischen der leidenden Ehefrau und dem leidenden Kurdistan. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.
Anmerkung: Text im Kurmancî (Nordkurdisch); der Refrain wird nach jeder Strophe wiederholt. Mit [sinngemäß] markierte Zeilen sind freier übertragen.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| خانم | xanim | Dame, Herrin – Ausdruck von Respekt und Eleganz |
| بەرمالی | bermalî | Hausherrin – wörtl. „die vor dem Haus“, das Fundament des Hauses |
| ڕندک | rindik | die Schöne |
| خەمل | xeml | Schmuck, Zierde |
| ڕەوش | rewş | Glanz, Erscheinung |
| خەییدین | xeyîdîn | schmollen, gekränkt sein |
| گازنج | gazinc | Vorwurf, Klage |
| ئاخین | axîn | Seufzer |
| جەمدی | cemidî | erfroren, erkaltet |
| کەد | ked | Mühe, Arbeit |
| خەچەل | xeçel | beschämt, verlegen |
| ئەڤین | evîn | Liebe (Kurmancî) |
Literarische Analyse
Wörtlich „die vor/im Haus ist“ – ein sehr respektvoller Begriff für die Ehefrau und Hausherrin, der impliziert: Sie ist das Fundament des Hauses. Zusammen mit xanim (Dame) trägt der Refrain Respekt und Zärtlichkeit zugleich.
Ein spezifisch kurdischer Begriff für das gekränkte Schmollen in einer nahen Beziehung: Das Lied ist auch eine Entschuldigung – der Sänger erkennt die Vorwürfe (gazinc) und Seufzer (axîn) der Enttäuschten an, deren Herz „erfroren“ ist.
„Ohne ihre Mühe hätten meine Hände und Füße keine Kraft“ – die klare Anerkennung, dass die Frau mit ihrer Arbeit (ked) das Rückgrat von Familie und Gesellschaft ist: Sie erträgt das Leid der Männer und Kinder und hält alles zusammen.
Der politisch-philosophische Höhepunkt: Die Last der kurdischen Frau wird mit dem Leid von „Mutter Kurdistan“ verglichen – Männer und Kinder „beschämt wie die Kurden“. Privates und nationales Leid spiegeln einander; und Şivan gesteht: Auch er seufzt wie sie.
Das Lied ist im Kurmancî verfasst. Im Soranî-Gebiet würde man statt bermalî eher banûy mal oder xêzan sagen, statt rindik eher ciwan – ein schönes Beispiel für den Wortschatz-Vergleich der beiden Hauptvarietäten.
Liebeserklärung, Entschuldigung und Hommage in einem: Das Lied adelt die alltägliche, oft unsichtbare Arbeit der Frau und hebt sie in den Rang des Nationalen – die Hausherrin und Mutter Kurdistan, vereint in Würde und Last.
