Nabê Wa Nabê (Es darf nicht so sein) – Aram Faik

Moderne kurdische Pop-Ballade im Soranî, geprägt von den Motiven der klassischen Sehnsuchtslyrik: die Verzweiflung über die Kälte der Geliebten – ein Dialog zwischen dem Liebenden, der Geliebten und dem Schöpfer. Kleingedruckt: Hawar-Umschrift.

Baskê MinAram Faik
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DeutschSoranî
🔁 Refrain (nach jeder Strophe)
Es darf nicht so sein, bei Gott, so darf es nicht sein –
نابێ وا نابێ بیللا وا نابێ
Nabê wa nabê bîlla wa nabê
wie lange noch soll es zwischen uns so [kalt] bleiben?
تا کەی نێوانی من و تۆ ئاوا بێ
Ta key nêwanî min û to awa bê
Strophe 1 · Das Gesetz der Liebe
Was soll ich sagen? Ist dies etwa das Gesetz der Liebe?
بڵێم چی یاسای عیشق ئاوایە
Bilêm çî yasay îşq awaye
Alles, was ich tue, ist vergebens und geht verloren.
هەر کارێ دەیکەم دەڕوا بە زایە
Her karê deykem derwa be zaye
Ich habe keine Klage gegen Dich, o Gott,
گلەییم نییە لای تۆ خودایە
Gileyîm nîye lay to xudaye
doch was soll ich sagen? Mein Glück und mein Los sind nun einmal so.
بڵێم چی شانس و بەختەکەم وایە
Bilêm çî şans û bextekem waye
Strophe 2 · Stein oder Stahl
Ich weiß nicht, ob dein Herz aus Stein oder aus Stahl ist,
نازانم ئەو دڵەت بەرد یا پۆڵایە
Nazanim ew dilet berd ya polaye
warum empfindest du keinerlei Erbarmen mit mir?
چ بەزەیەکەت بە مندا نایە
Çi bezeyeket be minda naye
Ich habe keine Klage gegen Dich, o Gott,
گلەییم نییە لای تۆ خودایە
Gileyîm nîye lay to xudaye
doch was soll ich sagen? Mein Glück und mein Los sind nun einmal so.
بڵێم چی شانس و بەختەکەم وایە
Bilêm çî şans û bextekem waye

Kurzes Vokabular

KurdischUmschriftBedeutung
نابێnabêes darf/kann nicht sein
نێوانnêwandas Zwischen, die Beziehung
یاساyasaGesetz
بە زایە ڕۆیشتنbe zaye royiştinvergebens sein, verloren gehen
گلەییgileyîKlage, Vorwurf
بەختbextSchicksal, Los
بەردberdStein
پۆڵاpolaStahl
بەزەییbezeyîErbarmen, Mitleid
خوداxudaGott
Zum Verständnis

Literarische Analyse

1
Der Protest gegen den Zustand

Titel und Refrain sind ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Situation: Die religiöse Bekräftigung bîlla (bei Gott) unterstreicht Ernsthaftigkeit und Schmerz. Es ist ein Aufschrei gegen eine „unnatürliche“ Distanz zwischen zwei Menschen, die zusammengehören – und die rhetorische Frage „Wie lange noch?“ zeigt die Erschöpfung des Wartenden.

2
Das „Gesetz der Liebe“

Der Dichter fragt verzweifelt nach der yasa (Gesetz) der Liebe: ein ungerechtes System, in dem jede Anstrengung ohne Ertrag bleibt und „verloren geht“ (be zaye). Das spiegelt das klassische kurdische Liebesideal – der Liebende gibt alles und erhält nichts als Schmerz zurück.

3
Stein und Stahl

Die archetypischen Metaphern der Gefühlskälte: berd (Stein) und pola (Stahl). Das weiche, leidende Herz des Dichters steht dem unbezwingbaren Material der Geliebten gegenüber; die Frage nach dem fehlenden Erbarmen (bezeyî) stellt sie in die Tradition der „grausamen Schönen“ der kurdischen Poesie.

4
Die Akzeptanz des Schicksals

Gileyîm nîye lay to xudaye – ich habe keine Klage gegen Dich, o Gott: Trotz aller Verzweiflung zeigt der Text tiefe Ergebenheit. Das typisch orientalische Paradoxon: Man protestiert lautstark gegen die Situation – und beugt sich zugleich dem vorbestimmten Los (bext). Die Klage gilt der Geliebten, gegenüber Gott herrscht Demut.

5
Sprachstil und Musikalität

Der Text steht in klarem, flüssigem Soranî. Die durchgehenden Reime (awaye / zaye / xudaye / waye) erzeugen eine harmonische Einheit, die die Melancholie trägt; Aram Faiks gedehnte Vokale wirken wie ein langanhaltender Seufzer.

6
Fazit

Ein klassisches Klagelied über die Unmöglichkeit der Erfüllung: individuelle Not (vergebens zu kämpfen) verbunden mit einer metaphysischen Dimension (dem Schicksal). Der Liebende als tragische Figur zwischen der Hoffnung auf Änderung und der Annahme seiner glücklosen Bestimmung.