Le Dawênî Çiyay Jîna (Am Fuße des Berges des Lebens) – Zahir Jalal · Text: Ali Arif Agha
Ein tiefgründiges, melancholisches Werk der kurdischen Literatur und Musik: Der Text stammt von dem Dichter Ali Arif Agha, unsterblich gemacht durch die gefühlvolle Stimme von Zahir Jalal – ein Meisterwerk des kurdischen Existentialismus im Stil des Maqam. Die Hawar-Umschrift wurde von der Akademie ergänzt.
Kurzes Vokabular
| Kurdisch | Umschrift | Bedeutung |
|---|---|---|
| داوێن | dawên | Saum, Fuß (des Berges) |
| کەل | kel | Gipfel, Pass |
| ئاوارە | aware | vertrieben, heimatlos |
| داماو | damaw | hilflos, elend |
| تین | tîn | Kraft, Glut |
| هاوڕاز | hawraz | Vertrauter, Geheimnisgefährte |
| پەرێشان | perêşan | zerrüttet, verwirrt |
| مەستانە | mestane | wie ein Berauschter, taumelnd |
Literarische Analyse
In der kurdischen Literatur stehen Berge meist für Widerstand, Freiheit und Zuflucht – hier aber wird der Berg zur existenziellen Herausforderung: Das Leben als mühsamer Aufstieg. Der Sprecher steht am „Fuß“ (dawên) und sieht den Gipfel (kel) – erreichen kann er ihn nicht.
„Wenn ich einen Schritt wage, verweigert mir der zweite den Dienst“ – eine starke psychologische Beschreibung tiefer Hoffnungslosigkeit: Jeder Versuch scheitert an der inneren Leere. Das „aware“ (Vertriebener) ist doppelt lesbar – politisch als kurdisches Schicksal, existentiell als Fremdheit im eigenen Leben.
In Strophe 3 wechselt das Bild zur „öden Wüste“: keine gleiche Stimme (hawdeng), kein Vertrauter (hawraz). Das „mestane“ (wie ein Betrunkener) steht nicht für Freude, sondern für den Verlust der Orientierung – das Taumeln in einem sinnlosen Raum.
Pessimistisch und klagend, doch mit stoischer Note: Es geht nicht um den Tod, sondern um das Erstaunen, trotz des unerträglichen Schmerzes noch am Leben zu sein („heta êsta ke çon mawm“).
Im Stil des Maqam und der langsamen Ballade verleiht Zahir Jalals Stimme den Worten zusätzliche Schwere – ein Lied, das man hört, wenn man über die Lasten des Schicksals (felek) nachdenkt.
Ein Meisterwerk des kurdischen Existentialismus: Der Wille ist da („Ich möchte den Gipfel erklimmen“), doch Seele und Körper sind vom Leid erschöpft – die kollektive Melancholie einer Generation zwischen Hoffnung und Erschöpfung.
