Kermashan (کرماشان) – Aziz Weisi
کرماشان جێی شێرانه، هەوارگەی مەردو مەردانه
Eine leidenschaftliche Hommage an Kermanshah (kurdisch: Kirmaşan), die größte kurdische Stadt im Iran. Der Text mischt Südkurdisch (Kirmaşanî/Kalhorî) und Persisch – ein Spiegel der zweisprachigen Realität der Stadt. Interpretiert von Aziz Weisi, bekannt für seinen energiegeladenen Tanz-Stil (Halparke).
Literarische Analyse
Das Lied nutzt den Sprachwechsel (Codeswitching) strategisch. Kurdisch (Kirmaşanî/Kalhorî) trägt die emotionale Bindung, die Stämme (Kalhor, Jaf, Guran) und die direkte Naturverbundenheit – es ist die Sprache der „Löwen" und der Berge. Persisch setzt die Stadt in einen größeren zivilisatorischen Rahmen („Wiege der Zivilisation"), adressiert den Gast („Willkommen") und greift die klassische persische Epik (Shirin und Farhad) auf.
Der Löwe (Şêr) steht für die Standhaftigkeit der Bewohner. Adler (Hêlo) und Falke (Şahîn) repräsentieren die Unbeugsamkeit der Gebirge Dalaho und Shaho – der Blick von oben symbolisiert Souveränität. Die Erwähnung des Qandil-Gebirges (weiter nördlich) bringt eine pan-kurdische Komponente hinein; die „Brise" von dort ist oft Metapher für politische Unruhe und Sehnsucht.
Die Erwähnung von Farhad ist zentral: In der Legende schlägt er aus Liebe zu Shirin eine Treppe in den Fels von Bisotun. Das Lied behauptet: „Die Erde spricht." Die Geschichte Kermanshahs steht nicht in Büchern, sondern ist physisch in die Steine der Stadt eingegraben – die Stadt ist der Mythos.
Besonders stark ist die Schlussmetapher „Namey pir le ser tarîx" (Briefe voller Geschichte): gemeint sind die antiken Inschriften wie die berühmte Behistun-Inschrift. Der Dichter sieht diese Ruinen nicht als totes Gestein, sondern als lebendige Dokumente, die dem Volk Identität und Würde zurückgeben.
Der Berg Taq-e Bostan wird als „gepunktet/gemustert" (xaļ xaļ) beschrieben – wie ein prächtiges Kleid oder die Haut eines Tieres. Die Verbindung zur „Schwarzäugigen" (der Geliebten) im nächsten Vers zeigt: Liebe zur Frau und Liebe zur Heimat verschmelzen in der kurdischen Poesie. Die Heimat ist die Geliebte.
Die Nennung von Hasan Zîrek und Mirza (Mirza-e Kermanshahi) dient der kulturellen Legitimation: Ein Ort ist im kurdischen Verständnis nur dann eine „Heimat", wenn dort Kunst und Musik entstehen, die die Seele des Volkes widerspiegeln.
Das Lied ist ein Topogramm – eine poetische Landkarte. Es führt von den Straßen der Stadt über die historischen Ruinen bis hinauf auf die höchsten Berggipfel und feiert Kermanshah als Zentrum, das zugleich kriegerisch (Löwen) und hochkultiviert (Musik, Geschichte) ist. Die Botschaft: Kermanshah ist unbesiegbar, solange seine Bewohner stolz auf ihre Geschichte und ihre Wurzeln sind.
