📜 Dichter · 1896–1958

Şêx Nûrî Şêx Sałih Berzincî

شێخ نووری شێخ ساڵح

← Alle Literaten

Überblick

Şêx Nûrî Şêx Sałih war eine herausragende Figur der kurdischen Renaissance – einflussreicher Journalist, begnadeter Dichter und politischer Aktivist aus der Berzincî-Dynastie.

Herkunft und Ausbildung

Şêx Nûrî wurde 1896 im Viertel Dergezin in Silêmanî geboren, aus der Dynastie der Berzincî-Sayyids (zurückgehend auf Baba Rasûlî Gewre). Sein Geburtsname war Muhammed Nûrî. Er lernte in den Hujras bei renommierten Gelehrten wie Xwace Efendî und Mela Saʿîdî Zilzeleyî; kurzzeitig besuchte er die osmanische Militärschule, brach dies aber ab, da sein Herz den Geisteswissenschaften galt.

Journalist und Kämpfer für die Unabhängigkeit

Als enger Weggefährte von Şêx Mehmûd Barzancî spielte er eine Schlüsselrolle in der Presse: Er war Chefredakteur von Bangî Kurdistan, dem Sprachrohr der kurdischen Regierung, und Herausgeber von Rojî Kurdistan, in der er kompromisslos für die nationale Identität und gegen die britische Kolonialmacht eintrat.

Ein Leben zwischen Dienst und Verfolgung

Beruflich war er in verschiedenen Verwaltungsämtern tätig (u. a. Stadtverwaltung Silêmanî, später Distriktvorsteher in Barzan und Sangaw). Sein politisches Engagement brachte ihn jedoch immer wieder in Konflikt mit den Behörden – er wurde mehrfach abgesetzt, inhaftiert und ins Exil geschickt.

Vermächtnis

Şêx Nûrî starb am 20. Dezember 1958 und wurde auf dem Girdî Seywan beigesetzt; sein Werk wurde erst 1970 als Dîwan veröffentlicht. Er lehrte, dass wahrer Reichtum im Geist und in der Integrität liegt, legte das Fundament für den kurdischen Journalismus und bewies, dass die klassische Sufi-Sprache der dervischen Armut ein kraftvolles Instrument moderner politischer Kritik sein kann.

„Ich kündige meinen Dienst in dieser Welt“ (Istîʿfa)

Aus Ekel vor der Korruption seiner Zeit wählt der Dichter stolz die dervische Armut und die Einsamkeit. Das Gedicht schließt: „Wer ein strahlendes Gesicht hat, o Nûrî, wird gemieden – von nun an wende ich mich der Einsamkeit der Wüste zu.“

Soranî · Deutsch
ئەی فەلەک دیسان لە دەس تۆ، شین و واوەیلا ئەکەم — ژەھری قەھری تۆ لەگەڵ دەردی دڵم، ئیفشا ئەکەم
O Schicksal, abermals klage und schreie ich wegen dir – das Gift deines Zorns und den Schmerz meines Herzens offenbare ich.
ھێند خراپەم دی لە دەس ئەھلی زەمانە، عاقیبەت — لەم وەزیفەی ھاتنە دنیایە، ئیستیعفا ئەکەم
Ich habe so viel Schlechtes von den Menschen dieser Zeit erfahren, dass ich schließlich mein Amt, auf dieser Welt zu sein, kündige.
تەبعی عالی وا دەبێ، سەیری بە کۆڵێ فەقرەوە — گاڵتە و سوحبەت، بە تاج و تەختی شاھنشا ئەکەم
Das ist der Geist eines Edlen: mit der Last der Armut auf dem Rücken treibe ich Scherze und spotte über die Throne und Kronen der Kaiser.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Şêx Nûrî Şêx Sałih Berzincî (1896 – 1958) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“), Mela Ebas Hilmî Kakayî, Shaho (Mela Hesen), Mela Husên Fanî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.